Bundestagsabgeordnete Anna Christmann (2.v.l.) hat sich von Akteuren des Bürgervereins den Zuffka-Service erklären lassen und war von der Probefahrt sehr angetan. Foto:  

Bei einer Probefahrt weckt die Fahrrad-Rikscha des Bürgervereins Zuffenhausen helle Begeisterung.

Zuffenhausen - Die Pferdekutsche ist zurück auf den Straßen des Stadtteils! So jedenfalls hat es sich angefühlt für Susanne Bödecker und Anna Christmann, als sie am Samstag die Unterländer Straße hoch kutschiert wurden: „Die Leute sind stehengeblieben und haben gewunken. Wir waren wohl eine kleine Sensation“, sagt Bödecker vom Bürgerverein, die sich vorkam, „als wären wir in einer offenen Pferdekutsche unterwegs“. „Unheimlich schön“ war die Fahrt auch für Christmann: „Man sitzt höher, hat einen schönen Überblick und kann sich unterhalten. Sogar nach außen entsteht Kommunikation!“, zeigte sich die Bundestagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) begeistert. Selbst für den Mann auf dem „Kutschbock“ war es „ein tolles Erlebnis“, wobei Siegfried Hein keine Zügel, sondern einen Lenker in den Händen hatte, denn die „Pferdekutsche“ ist die Fahrrad-Rikscha des Bürgervereins Zuffenhausen, für die Georg Kosubek den schillernden Namen „Zuffka“ fand. Nachdem die Zuffka nach dem Start nochmals in die Werkstatt musste, etwa für breitere Beckengurte und große Blinker, ist die mit einem Elek­tromotor versehene, wie ein Pedelec fahrbare Rikscha seit Anfang Juli unterwegs.

Projekt des Bürgervereins

„Auf Bestellung“ hat das Gefährt an der Zehntscheuer Station gemacht. Denn Christmann hatte von dem Projekt gehört und wollte sich nun selbst ein Bild davon machen: „Weil hier zwei Dinge zusammenkommen: starkes ehrenamtliches Engagement, das Leute zusammenbringt und so auch zum Zusammenhalt in Zuffenhausen beiträgt.“ Wobei sie dann auch erfuhr, wie mühsam es war, die Zuffka auf die Straße zu bringen, die vom Bürgerverein als kostenloser Service für Menschen betrieben wird, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Mehr als drei Jahre hatten Bödecker & Co. dafür gekämpft. Nicht zuletzt, um die 10 000 Euro zusammen zu bekommen. Zuletzt hatte die LB-Bank vier Monate gebraucht, um die Förderfähigkeit durch das Land zu bestätigen. Die 3000 Euro aber sind noch immer nicht geflossen, was bedeutet, dass der Bürgerverein, sowieso in Vorleistung, derzeit „auf einer Batterie“ fährt: Es fehlen die 800 Euro für eine Ersatzbatterie. „Das müsste bei solchen Projekten schneller gehen“, befand Christmann, die die Sache „nach Berlin mitnehmen“ will, in den Arbeitskreis „Bürokratieabbau“.

Kein fester Fahrplan

Für die Sache selbst war sie voll des Lobes: „Für den Stadtbezirk ist die Zuffka eine große Chance, denn sie gibt Menschen ein Stück Selbstständigkeit, die sie sonst nicht mehr hätten. Ein vermeintlich kleines Projekt mit großen Wirkungen, ein echter Mehrwert für den Stadtbezirk.“ So ist die Zuffka auch für Bödecker ein Baustein zum Thema „Quartier der guten Wege“, was bedeutet: „Dass man kein Auto braucht zum Einkaufen, dass elementare Dinge wie Bäcker, Friseur oder Arzt in der Nähe des Wohnbereiches verfügbar sind. Wir brauchen eine Wiederbelebung der Quartiere“, betont sie.

Einen festen „Fahrplan“ wird es nach derzeitigem Stand nicht geben: Gleichwohl soll die Zuffka, die auch für „Essen auf Rädern“ im Einsatz ist, Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr zu Verfügung stehen, mit dem Ärztehaus als zentralem Standort. Dafür freilich ist es notwendig, dass sich über die aktuell fünf Fahrer hinaus weitere finden. Interessenten können sich unter der Nummer melden, unter die Zuffka auch angefordert werden kann: 0157 /  37 11 56 11. Dass die Zuffka „ein bisschen anders gefahren werden muss“, sei kein Problem sagt Hein, der schon „gut ein Dutzend Fahrten“ gemacht hat: „Das kann man ausprobieren. Dann sieht man schnell, dass das Spaß macht.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: