Unmittelbar nach der Corona-Krise könnten Radreisen in Deutschland stark nachgefragt werden, hofft ADFC-Landesgeschäftsführerin Kathleen Lumma. Foto: Shutterstock/Guaxinim

Das Fahrrad dreht sich trotz Covid-19 weiter. Teils nutzen in der Corona-Krise mehr Menschen als zuvor ihren Drahtesel für Alltägliches oder in der Freizeit. Radreisen befinden sich dagegen aktuell auf einer rasanten-Downhill-Strecke. ADFC-Landesgeschäftsführerin Kathleen Lumma sieht im Interview jedoch Licht am Ende des Tunnels und hofft auf einen Lerneffekt.

Frau Lumma, wie ist es in der Corona-Krise um die Fahrrad-Tourismus-Branche bestellt? Gibt es verstärkt Absagen für später im Jahr gebuchte Radreisen oder gar Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten?

Der Radtourismus ist wie die Tourismusbranche allgemein aktuell schwer von der Krise getroffen. Radreisen mussten abgesagt werden, weil die aktuellen Erlasse zur Eindämmung des Coronavirus keine Reise erlauben. Daher haben viele Reiseveranstalter die Schwierigkeit, geleistete Zahlungen an die Kunden zurückzahlen zu müssen.

Gleichzeitig müssen die Veranstalter Stornokosten in Hotelbetrieben etc. zahlen oder sind mit der Insolvenz von Leistungsträgern konfrontiert, wodurch geleistete Zahlungen der Veranstalter verloren gehen. Das führt irgendwann zur Zahlungsunfähigkeit, weil keine Einnahmen reinkommen, Erstattungen abfließen und Stornierungen Kosten verursachen.

Aber nicht nur die Veranstalter leiden, sondern natürlich auch die Regionen mit ihren Leistungsträgern wie Hotels, Gastronomie, Kultur etc.. Auch denen fehlen die Gäste jetzt zu Beginn der Saison.

Also sehen Sie schwarz für den Rad-Tourismus auch nach Corona?

Es ist zumindest für Deutschland darauf zu hoffen, dass der Radtourismus nach der Corona-Krise direkt einen Aufschwung erlebt. Denn die Menschen haben Urlaubszeiten längst geplant und wenn sie nicht die geplanten Reisen in der ganzen Welt antreten können, werden sie in Deutschland reisen. Daher ist jetzt von allen umsichtiges Handeln gefragt, damit der Branche kein größerer Schaden entsteht.

Was schlagen Sie dazu konkret vor?

Alle sollten jetzt auf das Verschieben von Reisen setzen und Gutscheinlösungen anbieten und annehmen, damit der Branche nicht die Liquidität verloren und damit die Puste ausgeht im Kampf ums Überleben! Es gibt bereits einen Radreiseveranstalter, der Insolvenz anmelden musste: radissimo.

Lumma: Engagement für fahrradfreundliche Städte und Regionen kräftig ankurbeln

Welche Beschränkungen erfährt der ADFC und dessen Mitglieder in Zeiten von Corona? 

Bei uns ist in erster Linie der Tourismus- und Veranstaltungsbereich betroffen. Aufgrund der aktuellen Situation und auf Basis der geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Virus-Ausbreitung haben wir alle Radreisen, die im Mai und Juni 2020 stattfinden sollten, abgesagt. Genauso sind alle Veranstaltungen, indoor wie outdoor, abgesagt. Dazu gehören Radtouren, Fahrradbörsen, Fahrrad-Flohmärkte, Demonstrationen und Codieraktionen ebenso wie Versammlungen und Stammtische. Die Radsternfahrt muss beispielsweise auch ausfallen. Wir bemühen uns, die abgesagten Standortreisen noch in diesem Jahr im Spätsommer und Herbst nachzuholen.

Radreisen verbieten sich momentan aber auch alleine deshalb schon, weil Übernachtungsangebote laut Empfehlung der Bundesregierung nicht mehr zu touristischen Zwecken genutzt werden sollen. Der ADFC rät konsequent von Radreisen ab. Für Fahrten auf Alltagswegen, zum Einkaufen oder als Fortbewegungsmittel soll es weiterhin benutzt werden dürfen.

Was möchten Sie Radlern jetzt mit auf den Fahrradweg geben?

Wir schätzen, dass bis zu einem Drittel der Menschen, die während der Corona-Krise notgedrungen auf das Rad umsteigen, auch danach dem Rad treu bleiben könnten. Das hat großes Potenzial, neue Mobilitätsroutinen zu etablieren und die Städte von unnötigen Autofahrten zu entlasten. Das sollte genug Ansporn sein, das Engagement für fahrradfreundliche Städte und Regionen jetzt noch einmal kräftig anzukurbeln. Was jetzt geht, geht auch nach Corona! Wer heute mit den Rad zur Arbeit fährt, kann diese Gewohnheit auch nach Corona beibehalten. Dann erübrigen sich Diskussionen um Umwelt- und Klimaschutz fast von allein!

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