Seit Montag beginnen beim Tüv Süd in Feuerbach auch Prüfungen von Fahrschulen, die bislang die Abfahrtsorte Wangen und Westbahnhof angesteuert haben. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Nach dem kritisierten Wegfall zweier Wechselplätze beginnen alle Stuttgarter Fahrprüfungen beim Tüv Süd in Feuerbach. Eindrücke vom Starttag.

Ziemlich genau eine halbe Stunde vor dem Prüfungsbeginn um 9.20 Uhr fährt Onur Ates mit einem BMW der Fahrschule 07elf am Abfahrtsort vor. Das sei der Plan bei diesen Terminen. Wenig später kommt der Schüler dazu, begrüßt ihn per Handschlag, geht in Richtung Auto. So weit, so normal.

 

Doch der junge Prüfling setzt sich an diesem Montagmorgen nicht etwa im Stuttgarter Stadtbezirk Wangen hinter das Steuer, wo er seine Fahrstunden bis zur Prüfung hauptsächlich startete, sondern weiter nördlich in Feuerbach. Dort konnte er nur durch eine „Hauruckaktion“, wie sein Fahrlehrer sagt, immerhin noch einmal üben. „Ich kenne mich an dem Ort auch gar nicht aus“, gesteht selbst Onur Ates. Die Fahrschule seines Bruder Baris sitzt im Osten der Stadt, ihr bisheriger Abfahrtsort für Prüfungen – auch Wechselplatz genannt – sei der in Wangen gewesen, erklärt der 31-Jährige.

Mitteilungen des Tüv Süd sind der Auslöser

Was die Stuttgarter Fahrschulen dieser Tage umtreibt: Die Zahl der Abfahrtsorte für Stuttgarter Prüfungen geht von vier auf zwei zurück. Wie der Technische Überwachungsverein (Tüv) Süd den Fahrschule im Bereich Stuttgart am 28. März mitteilte, fallen die externen Wechselplätze Wangen („aufgrund unangebrachten Verhaltens einiger – insbesondere einzelner – Fahrschulen“) und Westbahnhof („Die Bedingungen vor Ort waren für unsere Prüferinnen und Prüfer seit einiger Zeit suboptimal“) von diesem Montag an weg. Unserer Redaktion liegen die Schreiben des zuständigen Prüfvereins vor.

Beim Tüv Süd in Feuerbach sollen von nun an alle Prüfungen starten. Fahrschulen, die Filderstadt als Örtlichkeit bevorzugen, hatten bis zu diesem Montag Zeit, um sich zu melden. Fahrschul-Inhaber sowie der Fahrlehrerverband (FLV) Baden-Württemberg und der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU) kritisieren die Entscheidung. Sie befürchten unter anderem steigende Führerscheinkosten und ein Chaos an der Krailenshaldenstraße in Feuerbach. Denn dort kommen von nun an auch die Prüfungsfahrzeuge der Fahrschulen an, die bislang nicht Feuerbach angesteuert haben.

Der Tüv Süd ist in Feuerbach in der Krailenshaldenstraße ansässig. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Dominik Lovric startet dennoch „total offen“ in die neue Woche, zeigt sich nicht verärgert. „Ich habe nicht mit Chaos gerechnet und lasse mich einfach überraschen, wie das heute funktioniert“, sagt der Fahrlehrer-Anwärter der Fahrschule Academy Lutz, die unter anderem in Stuttgart-Mitte ansässig ist und laut Lovric bislang vom Westbahnhof aus gestartet ist. Mit seinem Schüler wartet er im Regen auf den Prüfer. Auf dem Tüv-Süd-Gelände stehen ein paar Fahrschulautos. Chaotisch geht es zum Start um 7.30 Uhr nicht zu.

Johannes Laßmann, Prüfling der Fahrschule, darf nicht in Botnang oder Vaihingen sein Können unter Beweis stellen, wo er fast ausnahmslos das Fahren gelernt hat. Sondern er muss nach Feuerbach. Er konnte laut seinem Fahrlehrer – ebenso wie der Schüler von Onur Ates – nur einmal im für ihn neuen Beritt üben. „Ich finde es sehr ärgerlich“, sagt der 22-Jährige und fügt hinzu: „Hätte ich mich einen Tag früher angemeldet, wäre ich noch im alten Gebiet gewesen.“

Sorge um sinkende Erfolgsquote

Dominik Lovric, zum ersten Mal vor Ort, weiß, dass die Aufgabe für den Stuttgarter fast komplett neu sein wird – doch ein Prüfling muss eben „überall fahren können“, lassen er und Onur Ates an der Stelle nicht unerwähnt. Johannes Laßmann macht das schließlich mit Erfolg: Prüfung bestanden, berichten die beiden bei der Rückkehr.

Das ist bei weitem nicht die Regel, weiß Onur Ates. „Die Durchfallquote ist zu hoch“, sagt der 07elf-Fahrlehrer, der vermutet, dass der Anteil derer, die erneut zur Prüfung antreten müssen, nun weiter ansteigt. Die Sorge teilen auch weitere Fahrschulen und die Verbände.

Der vorherige 07elf-Fahrschüler hat seine Fahrstunde laut Onur Ates im Osten angefangen. Nun muss er von Feuerbach aus weiter, aber ohne Fahrschulauto. Das bleibt für die Prüfung dort. Der 31-jährige Fahrlehrer hofft letztlich einfach wieder auf mehr Wechselplätze. Allein ist er mit diesem Wunsch nicht.

Das Landesverkehrsministerium schaltete sich nach eigenen Angaben früh ein. Winfried Hermann sieht es laut seinem Ministerium als ein gutes Zeichen an, dass der Tüv Süd Bereitschaft für den Austausch mit der Stadt signalisiert hat. Zusammen mit dieser will der Prüfverein über alternative Örtlichkeiten sprechen und eventuell die Zahl der Wechselplätze wieder erhöhen.