Zur Fahrplanumstellung hatten die Kunden jede Menge Fragen. Foto: Lg/Kovalenko

Die meisten Fahrgäste waren auf die Fahrplanumstellung gut vorbereitet. Doch nicht für alle sind die Änderungen vorteilhaft.

Stuttgart - Volkan Bingöl hat alle Hände voll zu tun. Der Einsatzleiter der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) steht am Montagmorgen um 8.30 Uhr am Bahnsteig der Stadtbahnlinie U 14 am Hauptbahnhof und beantwortet im Zehn-Sekunden-Takt Anfragen von Fahrgästen. „Entschuldigung, wie komme ich denn nach Hedelfingen?“, fragt ihn eine Frau. „Von hier aus nicht mehr“, antwortet Bingöl und verweist auf einen anderen Bahnsteig. „Sie müssen zuerst zum Charlottenplatz fahren und dort dann die U 9 Richtung Hedelfingen nehmen“, erklärt er. Die Frau seufzt und macht sich auf in Richtung Rolltreppe.

Zur Linie 14 gebe es besonders viele Fragen, sagt Bingöl. Sie verlief bislang von Heslach kommend über den Hauptbahnhof, den Stöckach und Münster nach Remseck. Seit der Fahrplanumstellung am Sonntag pendelt sie nun zwischen Hauptbahnhof und Mühlhausen mit verändertem Streckenverlauf, weil der Abschnitt zwischen Bahnhof und Staatsgalerie gesperrt ist. Am Montagmorgen verwirrt diese Tatsache noch viele Fahrgäste.

Wie geht es nach Hedelfingen?

Ein junger Mann fragt, wie er zum Kraftwerk Münster kommt, eine ältere Frau will zum Marienhospital. Mit der U 14 wäre sie bis Sonntag direkt zum Marienplatz gekommen. Auch das ist nun anders. „Fahren Sie mit der U 14 bis zum Berliner Platz und nehmen dann den 41er-Bus, dann kommen sie direkt am Krankenhaus raus“, sagt Bingöl. „Die meisten Fahrgäste fragen nach der Verbindung nach Hedelfingen oder zum Stöckach, weil es ein großer Knotenpunkt ist“, sagt der Einsatzleiter. Kaum hat er den Satz gesagt, kommt schon der nächste Fahrgast auf ihn zu. „Wo fahren jetzt die U 1 und die U 2?“, will er wissen.

Nicht überall geht es am Montag so hektisch zu. Viele Fahrgäste sind zufrieden mit der Umstellung. „Für mich ändert sich nicht viel, zumal ich von den Fildern auch die S-Bahn nehmen könnte“, sagt Fahrgast Tilmann Fischer, der wartend am Gleis steht. Zur Arbeitsstelle brauche er nicht länger als vorher, so Fischer. Am Charlottenplatz ist trotz einiger veränderter Linienverläufe – so fährt zum Beispiel die U 1 wieder die Station an – kein Chaos in Sicht. Aufmerksam studieren die Passagiere die Informationen auf ihrer VVS-App oder versichern sich an den Aushangfahrplänen, ob sie am richtigen Gleis stehen.

Lob und Kritik am neuen Fahrplan

„Alles läuft wunderbar, es ist gut ausgeschildert, ich hatte keine Orientierungsschwierigkeiten“, sagt der Mittvierziger Ralf Schollähn, der entspannt an der Wand lehnt. Sein Arbeitsweg führt ihn von Sillenbuch nach Bad Cannstatt, seit Montag führt die U 14 nach Mühlhausen ihn vom Charlottenplatz aus zum Ziel. Für Katharina Pfau hat sich die Situation sogar verbessert. Die in einer PR-Agentur beschäftigte Frau Ende 20 fährt ebenfalls Richtung Bad Cannstatt. „Vorher bin ich vom Olgaeck zum Hauptbahnhof gefahren und musste dort umsteigen. Jetzt fahre von hier aus mit der U 2 nach Cannstatt durch“, so Pfau.

Weniger begeistert ist Mehmet Tuzun. Der junge Mann steigt jeden Morgen am Marienplatz in die Stadtbahn. „Es ist länger und umständlicher für mich geworden“, sagt er. Der Grund dafür: Wo bislang mit der U 1 und der U 14 gleich zwei Linien den Hauptbahnhof anfuhren, gibt es nun gar keine Direktverbindung mehr. „Das ist totaler Mist“, bringt Mehmet Tuzun seine Stimmung auf den Punkt.

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