Fahrkarten für die Bahn lassen sich online kaufen – Gauner versuchen kräftig daran mitzuverdienen Foto: dpa

Eindeutig auf die schiefe Bahn geraten ist ein Betrüger-Trio, das mit Online-Bahntickets dunkle Geschäfte abwickelte. Doch damit ist jetzt Schluss: Wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte, gingen drei Verdächtige aus Stuttgart, dem Rems-Murr-Kreis und Heidenheim ins Netz.

Stuttgart/Böblingen - Eindeutig auf die schiefe Bahn geraten ist ein Betrüger-Trio, das mit Online-Bahntickets dunkle Geschäfte abwickelte. Doch damit ist jetzt Schluss: Wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte, gingen drei Verdächtige aus Stuttgart, dem Rems-Murr-Kreis und Heidenheim ins Netz. Die Männer algerischer Herkunft hatten über Internetportale Bahnfahrkarten billig verkauft. Die Tickets waren zwar echt – doch die Täter hatten sie zuvor mit illegal beschafften Kreditkartendaten bei der Bahn ergaunert.

Die Masche ist nicht neu. „Das ist schon erschreckend, wie einfach das ist“, sagt Ulrich Baisch, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung mit Sitz in Böblingen. Ganz einfach ist es, über ein illegales Internetportal an existierende Kreditkartennummern zu kommen. Für die Gauner ist das schon die halbe Miete. Damit bezahlen die Täter scheinbar bei der Internet-Verkaufsstelle der Bahn AG die Zugfahrkarten. Bis der Schwindel auffliegt, haben sie die Karten längst an ihre Kunden und andere Zwischenhändler weiterverkauft.

Und die Spuren sind verwischt. Die Bahnticket-Betrüger verwenden Aliasnamen in sozialen Netzwerken. Und für die Kunden, die sich für die Online-Tickets beim Zugkontrolleur legitimieren müssen, gibt es auch einen heißen Tipp: Sie sollen dafür sogenannte Prepaid-Kreditkarten verwenden. Diese Karten, deren Wert vorher aufgeladen wird, sind geschickterweise anonym.

Nach Erkenntnissen der Bundespolizei-Ermittler wurden auf diese Weise seit Ende vergangenen Jahres 1396 Zugtickets gebucht. „Der Bahn ist dadurch ein Schaden von mehr als 107 000 Euro entstanden“, sagt Baisch. Ein doppelter Schaden: Einerseits wurde ein Fahrgast transportiert, andererseits nie Geld dafür erhalten.

Der Betrug fliegt dann auf, wenn der echte Kreditkartenbesitzer merkt, dass auf seiner Karte eine Bahnreise gekauft wurde. „Das kommt natürlich mit zeitlicher Verzögerung“, sagt Baisch. Doch längst hat auch die Bahn auf den Trend reagiert – nachdem es allein 2013 bereits 30 000 Fälle dieser Art gab. Zum Vergleich: 2011 wurden überhaupt nur 65 000 Online-Tickets verkauft, und da gab es noch 400 Delikte. Eine Koordinierungsstelle erkennt den Betrug schneller.

Obwohl das Trio unterschiedliche Kreditkartendaten verwendete, stießen die Ermittler auf drei Internet-Protokoll-Adressen, die Kennung der Computer im Netz. Die Fahnder spürten drei Algerier auf, einen 26-Jährigen in Stuttgart, einen 32-Jährigen im Raum Heidenheim und einen 25-Jährigen, der unter falschem Namen im Osten des Rems-Murr-Kreises untergetaucht war. „Er plante in Frankreich eine Scheinehe, um einen legalen Aufenthalt zu erreichen“, sagt Bundespolizei-Sprecher Baisch.

Die drei hätten es wissen müssen: Zuletzt sind schon ganz andere mit dieser Masche erwischt worden. Die Haftstrafen waren mit bis zu vier Jahren recht heftig. Das Trio ist nun ebenfalls auf dem Abstellgleis gelandet.

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