Während der Feinstaubsaison pendelten die Züge zwischen Neugereut und dem Wasen als Alternative zum Autofahren. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

An Werktagen sind mehr als 6000 Fahrgäste in den Stadtbahnen der Linie U19 zwischen Neugereut und Neckarpark unterwegs. Doch sie werden bald umsteigen müssen.

Stuttgart - Mehr als 6000 Fahrgäste sind an Werktagen in Stadtbahnen der Linie U19 (Neugereut-Neckarpark) unterwegs, doch sie werden bald umsteigen müssen auf andere Linien wie die U2: Mit der Feinstaubalarmsaison wird Mitte April auch für sie die Zeit ablaufen. Sie soll pausieren bis Mitte Oktober, wenn die nächste Alarmsaison beginnt.

Ihre Fortführung wäre zwar wünschenswert, gibt Wolfgang Arnold, der Technikvorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), zu. Doch dafür habe das Unternehmen zurzeit nicht genug Stadtbahnfahrer: „Wir kommen mit dem vorhandenen Personal nicht über die Runden.“

Das sei schon klar gewesen, als der Betrieb der U 19 gestartet wurde, um im Winter das Umsteigen vom Auto auf die Stadtbahn zu erleichtern und etwas gegen überhöhte Feinstaub- und Stickoxidwerte in der Stadt zu tun. Damit man künftig mehr Fahrpersonal habe, müsse die SSB konsequent Mitarbeiter anwerben und ausbilden, sagte Arnold. Mit neu angeschafften Stadtbahnen werde man beim Gerät mehr Möglichkeiten für den Fahrschulbetrieb haben.

Die SSB suchen dringend Personal

Personal werden die SSB auch im Blick auf die Aufstockung von anderen Angeboten brauchen. Wenn Anfang 2018 an Tagen mit Feinstaubalarm für Dieselfahrzeuge unterhalb der Euro-Norm 6 Fahrverbote im Talkessel und im Bereich Feuerbach sowie auf manchen Straßen in Zuffenhausen gelten, braucht es wohl noch deutlich mehr Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr.

Schnellbusse sollen auf dem Abschnitt zwischen dem Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt und dem Stuttgarter Cityring die Stadtbahnlinie U1 (Vaihingen-Fellbach) entlasten – und nicht nur an Tagen mit Feinstaubalarm in kurzem Takt verkehren. Damit wollen die SSB kompensieren, dass die Bahnsteige der häufig gut gefüllten bis völlig überfüllten U-1-Stadtbahnen noch nicht auf 80 Meter verlängert werden konnten.

Wie könnte die Bahn für 2018 aufrüsten?

Dagegen soll es auf der dann vom Hallschlag nach Mühlhausen verlängerten Linie U 12 von Dezember 2017 an 80-Meter-Züge geben. Im Dezember 2018 soll dann die neue Linie U 16 den Betrieb aufnehmen, die Fellbach und Weilimdorf-Giebel über Bad Cannstatt verbindet und die in der Hauptverkehrszeit stark frequentierten Linien U 1 sowie U 13 (Giebel-Hedelfingen) entlasten soll. Langfristig, sagt Arnold, wolle man 120-Meter-Stadtbahnzüge auf der Tallängsachse, dem angestammten Revier der U1. Mehr Sorge als die SSB bereitet Beobachtern und Akteuren im ÖPNV-Bereich aber die Frage, wie die Deutsche Bahn in die Gänge kommt, um den Zugverkehr auf die Ära der zeitweiligen und partiellen Fahrverbote vorzubereiten – nicht nur im oft unpünktlichen S-Bahn-Verkehr. Denn: Die Autofahrer müssten nicht erst an der Stadtgrenze zum Umsteigen veranlasst werden, sondern in Mühlacker und anderswo, warnen kritische Geister. Wenn die Bahn dann um 8.30 Uhr in Heilbronn einen zusätzlichen Zug in Bewegung setzen wolle und um 9.30 Uhr einen Zug in Nürtingen, reiche das nicht aus.

Und der Verband Region Stuttgart? Der sollte sich darum kümmern, im S-Bahn-Verkehr den morgendlichen 15-Minuten-Takt von 8.30 bis 9.30 Uhr auszuweiten statt um den Nachmittagsverkehr. Im Moment, meint ein Beobachter, plane von den Beteiligten am ÖPNV fast jeder das eigene normale Geschäft. Dabei brauche man einen konzertierten Aufbruch. Der Nahverkehr stehe 2018 vor einer großen Herausforderung. Die Fäden müssten im Verkehrsministerium zusammenlaufen – und die Zeit werde knapp.

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