Jahrelang fuhr der Profi-Fußballer ohne Führerschein – jetzt kassierte er ein Bußgeld in Höhe von 540 000 Euro. Foto: dpa

Mehr als fünf Jahre fuhr der Fußballprofi Marco Reus ohne Erlaubnis. Obwohl er mehrfach geblitzt wurde, blieb er unbehelligt. Viele Menschen fragen sich, wie das passieren konnte.

Stuttgart - Am 18. März dieses Jahres fuhr der Fußballer Marco Reus mit seinem Sportwagen in eine Verkehrskontrolle – und sein Schwindel flog auf. Der BVB-Star saß jahrelang ohne Führerschein am Steuer. Am ­vergangenen Mittwoch wurde der 25-Jährige zu einer Geldbuße von 540 000 Euro verurteilt. Doch warum kam Reus mehrere Jahre ungeschoren davon? Schließlich wurde er zwischen September 2011 und März 2014 sogar fünfmal wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt. Erst bei einer Routinekontrolle im März dieses Jahres bemerkte die Polizei, dass Reus gar keinen Führerschein besaß.

Schuld daran ist eine Lücke im System. Und dieses ist in Deutschland in der Tat kompliziert. Daten über Führerschein-Inhaber speichern die Behörden, die vor Ort die Fahrerlaubnis ausstellen. In der Regel sind dies die Rathäuser oder Landratsämter in den Städten oder Kreisen. Sie registrieren in ihrem Einzugsgebiet auch Vergehen im Straßenverkehr wie Tempoverstöße, Trunkenheit oder Strafzettel. Allerdings gleichen die städtischen Ämter diese beiden Karteien nicht miteinander ab. Wegen dieser Lücke fallen Fahrer ohne Führerschein selbst dann nicht auf, wenn sie ein Bußgeld kassieren.

„Der Personalaufwand wäre schlicht zu groß“, sagt Michael Meinders, Sprecher am Dortmunder Rathaus. Dort hätte BVB-Star Reus wohl seinen Führerschein erhalten – hätte er denn in seiner Heimat jemals eine Fahrprüfung abgelegt. Nur, warum fiel sein Schwindel nicht auch an höherer Stelle auf? Schließlich werden gröbere Vergehen im Straßenverkehr an das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg weitergeleitet. Und Reus wurde zwischen 2011 und 2014 fünfmal geblitzt. Allerdings klafft auch in Flensburg eine Lücke im System: Dort wird im ­sogenannten Zentralen Fahrerlaubnis-Register (ZFER) zwar gespeichert, wer in Deutschland einen ­Führerschein besitzt. Doch die Namen der Punktesünder stehen in einer anderen Kartei, dem sogenannten Fahreignungsregister (FAER). Auch diese beiden Karteien gleichen die Flensburger nicht ab. Deshalb ist es theoretisch möglich, dass Reus zwar geblitzt wurde und dafür ­sogar Punkte in Flensburg kassierte, aber niemandem ­auffiel, dass er nicht mal ­hinter dem Steuer ­hätte sitzen dürfen.

„Im FAER werden auch Personen eingetragen, die keinen Führerschein besitzen. Zum Beispiel Fußgänger oder Fahrradfahrer, die sich etwas zuschulden kommen lassen“, sagt eine KBA-Sprecherin. „Deshalb erfolgt auch kein Abgleich mit dem ZFER.“ Ob auch Reus Punkte in Flensburg hat, ­darüber gibt das KBA keine Auskunft.

Demnach fällt das Fahren ohne Führerschein nur auf, wenn die Polizei einen Schwarzfahrer in flagranti erwischt. „Die Kollegen überprüfen bei einer Verkehrskontrolle über Funk, ob der Fahrzeuglenker einen Führerschein besitzt – sofern er diesen nicht ohnehin vorweisen kann“, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Stuttgart. Die Leitstelle überprüft dann die Personendaten in dem erwähnten ZFER in Flensburg und gibt sie den Beamten vor Ort durch. In solch eine Kontrolle ist Reus erst am 18. März dieses Jahres geraten.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zeigte für das Verhalten seines ­Offensivspielers sogar Verständnis: „Marco hat sich zu dem Schritt entschieden, ohne Führerschein zu fahren, als er 18 oder 19 Jahre alt war. Anschließend erst kam diese unfassbare Popularität.“ Sie ist Watzke zufolge auch der Grund, warum Reus seine Fahrprüfung nicht nachholte. „Da konnte er natürlich schwerlich zu einer Fahrschule fahren und sagen: ‚Ich möchte gern den Führerschein machen.‘“ Dieser Schritt wird Reus jetzt allerdings nicht erspart bleiben.