Der Anbieter Schlienz setzt auf großräumige Transporter für das Angebot. Foto: Schlienz

In Stuttgart gibt es bisher keine Rollstuhl-Taxis. Doch jetzt kommt Bewegung in den Markt. Ein Mietwagenanbieter aus der Region expandiert und bietet Fahrdienste für die Zielgruppe an.

Stuttgart - In Stuttgart gibt es bisher keine Rollstuhltaxis. Doch nun stößt ein Anbieter auf den Markt, der in der Region kein Unbekannter ist: die Firma Schlienz-Tours, ein großer privater Mobilitätsanbieter mit Sitz in Kernen (Rems-Murr-Kreis), der nicht nur 85 Linien- und 20 Reisebusse, sondern auch eine Flotte von 107 Kleinbussen unterhält. 19 der Kleinbusse sind mit einer Rollstuhlrampe ausgestattet. Seit dem 8. Oktober können Menschen mit Behinderung und andere mobilitätseingeschränkte Fahrgäste aus der Stadt Stuttgart sowie aus den Landkreisen Esslingen und dem Rems-Murr-Kreis diese buchen – und zwar per App rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Eine Taxikonzession hat Schlienz nicht, es handelt sich um ein Mietwagenangebot: Es gibt also keine festen Taxistellplätze, die Fahrzeuge werden immer zum Abholort bestellt. Das Unternehmen ist überzeugt, sich auf dem Markt gut etablieren zu können, und verweist auf die eigene Erfahrung: Seit Jahren übernehme man die Beförderung von Schulkindern mit Behinderung im Kreis Esslingen, auch für die Diakonie Stetten übernehme man Beförderungsaufträge. „Unsere Fahrer kennen sich aus“, sagt Karen Bitzer, Fahrdienstleiterin Kleinbusse bei dem Unternehmen. Die Kosten der Mietwagen richteten sich nach dem Fahrzeugtyp: Rollstuhltouren lägen ungefähr auf der gleichen Höhe wie der übliche Taxipreis, so Bitzer. Bei einer Fahrt vom Stuttgarter Rathaus zum Hauptbahnhof (2,1 Kilometer) wären zum Beispiel laut Anbieter 15 Euro fällig. Man sei jetzt dabei, das Angebot bekannt zu machen, sagt Bitzer. So ist die App namens S-Shuttle erst kürzlich im Beirat der Stadt Stuttgart für Menschen mit Behinderung vorgestellt worden.

Zähes Ringen mit Taxi-Vertretern

„Es ist ein Angebot, das längst überfällig ist“, sagt Simone Fischer, die neue hauptamtliche Beauftragte der Stadt für die Belange von Menschen mit Behinderung. Der individuelle Shuttle ermögliche ein Stück Unabhängigkeit. Auch Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) ist begeistert: „Für unsere Behinderten ist das ein Glücksfall.“ Man merke die Erfahrung bei Schlienz, „die machen das mit Herzblut“. Eine Einstellung, die sich der Bürgermeister auch von der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart gewünscht hätte. Dort habe er kein vergleichbares Engagement gespürt, kritisiert Wölfle, der an das zähe Ringen mit der Taxibranche erinnert, um zu einer Lösung für eine Verbesserung der Mobilität von Stuttgartern, die im Rollstuhl sitzen, zu kommen. Die Taxibranche hatte ursprünglich einen Zuschlag von 7,50 Euro pro Fahrt mit einem Rollstuhltaxi gefordert. Nach vielen Diskussionen war der Zuschlag vom Tisch. Mit insgesamt 80 000 Euro wird die Stadt stattdessen die Umrüstung von Fahrzeugen in Rollstuhltaxis fördern, um deren Zahl auf an die zehn Fahrzeuge zu erhöhen.

Die Beschlussvorlage wird aber erst demnächst in die entsprechenden Ausschüsse gehen. Und der Sozialbürgermeister fragt sich, ob man, wäre das Mietwagenangebot früher bekannt gewesen, das Ganze nicht anders gelöst hätte. Aber die Förderung werde kommen. Es könnte natürlich sein, dass diese nun von weniger Taxiunternehmen in Anspruch genommen werde.

Taxi-Auto-Zentrale will dennoch zur Umrüstung raten

Schlienz hat jetzt erst mal Zeit, sich auf dem Markt zu etablieren. Bei der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart reagiert man entspannt auf die Konkurrenz. Der mit dem Thema befasste Vorstandsvorsitzende kann sich zwar krankheitsbedingt nicht äußern, aber ein Vertreter sagt, es sei sicher trotzdem genügend Nachfrage für alle da. „Da ist viel Potenzial in dem Markt.“ Man werde den Mitgliedern weiterhin raten, die Förderung zur Umrüstung in Anspruch zu nehmen. Die Taxi-Auto-Zentrale sei aber nicht weisungsbefugt. Sie könne keinem Unternehmer vorschreiben, Autos umzurüsten.

Eine städtische Förderung hat Schlienz für seine Fahrzeuge nicht erhalten. Die Stadt wird aber wohl folgendes ermöglichen: Dass der Zuschuss für Taxifahrten, auf den sehr viele Menschen mit Behinderung Anspruch haben, auch für Mietwagen in Anspruch genommen werden kann. Die Verhandlungen mit dem Sozialamt laufen. „Da gibt es keine Hürde mehr“, sagt Wölfle .

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