Gerda Hasselfeldt steht seit kurzem an der Spitze des Deutschen Roten Kreuzes – und mahnt bei der Politik Veränderungen an. Foto: dpa

In diversen Sozialberufen fehlt es an Personal. Gerda Hasselfeldt, die neue Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, sieht einen Lösungsansatz – und fordert die Politik zum Handeln auf.

Stuttgart - Die neue Bundesregierung ist im Amt – und die Liste der Forderungen wächst täglich. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) macht man sich besonders Sorgen um den Nachwuchs in diversen Berufsfeldern. Dort herrscht der pure Mangel. Die neue DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt fordert deshalb die Politik zum Handeln auf. „Ich werde mich in Gesprächen mit der Bundesregierung dafür einsetzen, mehr Stellen für den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr zu schaffen“, sagte sie beim Jahresempfang des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg in Stuttgart.

Die frühere Bundesministerin betonte, das DRK zähle im Bereich der Freiwilligendienste deutlich mehr Bewerber als Stellen. Man dürfe diese Chance aber nicht vertun: „In diesen Diensten wird häufig der Grundstein gelegt für eine spätere ehrenamtliche Tätigkeit oder eine Ausbildung.“ Mehr Geld in diesen Bereich zu stecken wäre deshalb in ihren Augen „eine gute Investition in soziale Tätigkeiten“.

Hasselfeldts Forderung zielt insbesondere auf den Fachkräftemangel in mehreren Branchen ab, in denen das DRK aktiv ist. Mitarbeiter brauchen alle Hilfsorganisationen derzeit zum Beispiel im Rettungsdienst. Weil die Ausbildung umgestellt worden ist, fehlt ein kompletter Jahrgang. Zudem ist der Einstieg über den Zivildienst weggefallen. Das gilt auch für die Pflegeberufe. Doch während es im Rettungsdienst wenigstens genug Interessenten gibt, fehlen die im Pflegebereich massiv. „Wir haben einen hohen Bedarf. Und der wird angesichts der demografischen Entwicklung nicht weniger“, sagte Hasselfeldt. Man müsse deshalb nicht nur die Ausbildungskapazitäten erhöhen, sondern auch die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung und den Schlüssel zwischen Pflegekräften und Patienten verbessern, um die Belastung herunterzufahren. Sie warnte davor, den Beruf schlechtzureden: „Es ist ein wunderbarer Beruf, mit Menschen umzugehen und sie zu pflegen.“

„Lebenswichtige“ Frage

Ins selbe Horn stieß Lorenz Menz, der Präsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Obwohl die Zahl der Ehrenamtlichen beim DRK im Land stabil sei, werde es „immer schwieriger, Kräfte zu gewinnen“. Besonders für das Hauptamt. „Das gilt für Kitas, Pflege und den Rettungsdienst“, so Menz. Die Frage, wie man Leute an dieses soziale Umfeld heranführe, sei deshalb nicht nur für das Rote Kreuz „lebenswichtig“. Die Jugend sei fähig und bereit zum sozialen Engagement, man müsse ihr aber die Tür dafür öffnen: „Dazu gehören ganz besonders die Freiwilligendienste. Sie sind eine großartige Geschichte. Aber es wäre tragisch, wenn die Leute zu uns wollten, wir sie aber abweisen müssten, weil es zu wenige Stellen gibt.“ Menz bestärkte Hasselfeldt deshalb im Vorhaben, mit der Bundesregierung über einen Ausbau zu verhandeln: „Wir müssen alles dafür tun.“

Erschwerend kommt bei der Situation hinzu, dass sich die verschiedenen Hilfsorganisationen beim Wettbewerb um Mitarbeiter gegenseitig Konkurrenz machen. „Das trifft nicht nur das DRK“, so Hasselfeldt. Sie begrüßte, dass die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag das Problem speziell in der Pflege erkannt habe. Aber: „Die Arbeit beginnt jetzt erst.“

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