Mehr Männer für den Beruf zu begeistern würde auch helfen. Foto: imago images/Shotshop/Monkey Business

Mehr Quereinsteiger könnten am Ende sogar für mehr Qualität in Kitas sorgen – wenn man es richtig macht, sagt unsere Kommentatorin.

Auch wenn es sich in der Diskussion oft nicht so anhört: Die vergangenen Jahre lief es in manchen Punkten auch gut für den Berufsstand der Erzieherinnen. Die Gehälter stiegen, mit der praxisorientierten Ausbildung wurde ein bezahlter Weg in den Beruf geschaffen, Kommunen führten teils Sonderzulagen ein. Gleichzeitig wurde das Feld mit Studiengängen akademisiert und in seiner Bedeutung aufgewertet. Ganz so schlecht wie sein derzeitiger Ruf ist der Beruf des Erziehers und der Erzieherin nämlich nicht.

 

Natürlich ging das nicht ohne Druck auf die Politik. Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder immer früher in die Betreuung geben, um arbeiten zu können. Der Bedarf an neuen Plätzen ist enorm. Parallel dazu stieg allerdings auch die Einsicht, dass die in den Kitas geleistete Arbeit zwischen Wickeln, Klatschspielen und Vesperkreis essenziell für ein gelingendes Kinderleben und damit für eine gelingende Gesellschaft ist. Und dass hier wichtige Grundsteine für ein gutes, lebenslanges Lernen gelegt werden.

So wurde zuletzt auch jede Menge gedankliche Leistung in die Verbesserung der frühkindlichen Bildung investiert. In Baden-Württemberg wird derzeit in einem langen und aufwendigen Prozess zusammen mit Forschern und Kita-Fachkräften der so genannte Orientierungsplan neu gedacht, also die theoretische Grundlage für die Arbeit in Kitas.

Umso tragischer ist, dass der gravierende Fachkräftemangel diesen Bedeutungszuwachs und dieses Bemühen um mehr Qualität torpediert. Denn die wichtigste Grundlage für eine gute Betreuung und Bildung der Buben und Mädchen – da sind sich alle einig – sind genug gut ausgebildete Menschen, die sich um sie kümmern. Dass diese Voraussetzung derzeit in vielen Kitas nicht gegeben ist, ist Fakt. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage unter Kita-Leitungen ist in jeder sechsten Kita mehr als die Hälfte der Zeit nicht mal die Aufsichtspflicht gewährleistet.

Finger lassen vom Fachkräfteschlüssel

Es ist deshalb richtig, dass Landespolitik, Kommunen, Träger und Berufsverbände gemeinsam daran arbeiten, mehr Menschen für Kitas zu gewinnen. Ein Baustein wäre sicherlich, gezielt mehr Männer für diesen Beruf anzusprechen. Dafür und generell wäre es wichtig, ein besseres Image dieser Arbeit zu etablieren, also auch mal die Verbesserungen zu betonen. Kurzfristig würde auch helfen, wenn die Anerkennung ausländischer Fachkräfte trotz anders lautender Versprechungen nicht bis zu einem Jahr dauern würde. Unbedingt die Finger lassen sollte die Politik hingegen vom Fachkräfteschlüssel – auch wenn die Kommunen aus Verzweiflung anderes fordern.

Ein lohnenswerterer Hebel sind die Quereinsteiger. Dass diese nun leichter direkt in den Kitas anfangen können, ist gut – auch wenn es im Detail noch Verbesserungen gäbe: So ist es schwer zu verstehen, warum eine Tagesmutter, um als Kita-Fachkraft anerkannt zu werden, genauso viele zusätzliche Stunden Ausbildung machen muss wie eine Einzelhandelskauffrau. Gleichzeitig ist es richtig, dass die neuen Kräfte eine vierstellige Zahl an Unterrichtseinheiten machen müssen. Der Zugang zur Kita darf nicht zu einfach werden. Wer in den Beruf wechselt, muss das in Kauf nehmen, sonst ist er sich der Bedeutung vielleicht nicht bewusst.

Keine Notlösung

Wichtig wäre für alle, das Bemühen um Quereinsteiger nicht als Notlösung zu sehen, sondern als konsequente Weiterentwicklung. Denn Menschen, die in anderen Feldern und im Leben Erfahrungen gesammelt haben, sind eine kompetente Ergänzung zu den klassisch ausgebildeten Erziehern, die vielleicht immer nur den pädagogischen Kosmos erlebt haben. So gedacht und richtig gemacht, würden die Kitas am Ende nicht schlechter werden, sondern besser.