Die neuen Wohnungen auf der Flandernhöhe, die die Stadt künftig für Pflegekräfte anmieten will, befinden sich noch im Bau. Foto: Roberto Bulgrin

Angesichts des enormen Fachkräftemangels in der Pflege will die Stadt Esslingen künftig zusätzliche Mitarbeiterwohnungen auf der Flandernhöhe für Beschäftigte der Städtischen Pflegeheime anmieten.

Es reicht nicht aus. Die Städtischen Pflegeheime Esslingen verfügen zwar über einige Wohnungen und WG-Zimmer für ihre Angestellten, doch sie brauchen deutlich mehr. Fehlender Wohnraum ist für viele ein Grund, eine Stelle nicht anzutreten. Deshalb will die Stadt elf zusätzliche Wohnungen auf der Flandernhöhe anmieten.

 

Thilo Naujoks, der Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime, macht klar: „Bei der Personalgewinnung stehen wir massiv unter Druck.“ Derzeit gelinge es in vielen Fällen nicht, Pflegefachkräfte in Esslingen ohne das Angebot oder die Vermittlung von Wohnraum zu gewinnen. Der Fachkräftemangel in der Pflege zwingt laut Stadtverwaltung immer wieder zu einem temporären Belegungsstopp in den Pflegeeinrichtungen, was erhebliche Ertragseinbußen zur Folge habe. Insbesondere dann nicht mehr gedeckte Fixkosten seien für die Städtischen Pflegeheime problematisch.

Zu wenig Wohnungen für Pflegekräfte

Für Auszubildende brauche man in der Regel ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. „Und wenn es uns gelingt, eine Fachkraft aus einem anderen Bundesland zu gewinnen, die eventuell mit Familie kommt, dann brauchen wir schnell eine Wohnung“, sagt Naujoks. Zwar verfügten die Städtischen Pflegeheime über acht WG-Zimmer und einige Wohnungen, aber das sei viel zu wenig. Langfristig sei es sicher notwendig, eigenen Wohnraum für Mitarbeitende der Pflegeheime zu bauen. Aber Naujoks hält es für eine gute Übergangslösung, zunächst elf der noch im Bau befindlichen Wohnungen auf der Flandernhöhe anzumieten, um sie neuen Beschäftigten anbieten zu können.

Allerdings bedeutet das auch, dass für diese elf Wohneinheiten nicht mehr das Wohnraumversorgungskonzept (WVK) gilt wie ursprünglich vorgesehen. Mit dem WVK wollte die Stadt dafür sorgen, dass günstigere Wohnungen für Menschen mit kleinem Geldbeutel angeboten werden. Inzwischen wurde das WVK zwar durch ein sogenanntes Quotenmodell mit ähnlichen Zielen ersetzt, für die Wohnungen auf der Flandernhöhe hätte es jedoch noch gegolten. Die Mietzeit für die Mitarbeiterwohnungen für Pflegekräfte soll voraussichtlich vom kommenden Jahr an zunächst für 15 Jahre gelten, jährlich fallen Mietkosten von rund 170 000 Euro an. Dabei ist beabsichtigt, vier Wohneinheiten an die Sozialstation unterzuvermieten oder einen gemeinsamen Mietvertrag mit der Eigentümerin Immobilien Treuhand Verwaltungsgesellschaft abzuschließen.

Vorhaben stößt auf offene Ohren

Im Gemeinderat war das Thema kurz vor der Kommunalwahl auf offene Ohren gestoßen, wenngleich so manche Stadträtin und so mancher Stadtrat es zum Anlass nahm, noch einmal laut über das ohnehin auslaufende Wohnraumversorgungskonzept sowie über die Einrichtung einer städtischen Wohnbaugesellschaft nachzudenken. Mit Blick auf den Fachkräftemangel im Pflegebereich wurde die Anmietung der elf neuen Wohnungen auf der Flandernhöhe aber mehrheitlich beschlossen.