Die Klinik am Eichert in Göppingen bildet 21 Frauen und Männer aus Namibia, Serbien und Tunesien zu Pflegerinnen und Pflegern aus. Verschiedene Standards in den Herkunftsländern erschweren den Azubis ihre Einarbeitung in das deutsche Krankenhauswesen.
Dass es einen Pflegenotstand gibt, ist allseits bekannt. Dafür gibt es viele Gründe, aber Jammern allein hilft nicht. Deswegen geht die Alb-Fils-Klinik Göppingen (AFK) einen konkreten Weg, indem sie ausländische Fachkräfte akquiriert. Für dieses Jahr befinden sich im Pflegebereich zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Namibia, drei aus Serbien und sechs aus Tunesien auf der Ausbildungsliste der Klinik, sagt Integrationsmanagerin Verena Henning beim Fachgespräch in der Klinik. Sie machen dieses und nächstes Jahr ihre Abschlussprüfungen.
Herkunftsländern werden keine Pflegekräfte weggenommen
Henning hat längere praktische Erfahrung mit ausländischen Pflegekräften und begleitet die Bewerber, die über Agenturen vermittelt werden, vom Rekrutierungsprozess über die Einreise bis hin zur abschließenden sogenannten Kenntnisprüfung. Den Einwand, man nehme den Herkunftsländern die Pflegekräfte weg, lässt Henning nicht gelten: „Wir rekrutieren nur aus WHO-gelisteten Ländern, die über ihren eigenen Pflegebedarf hinaus ausbilden.“ Ohne gute Sprachkenntnisse sind die ausländischen Fachkräfte in der Ausbildung verloren. In ihren Ländern haben sie meistens einen Bachelor-Abschluss gemacht. Hier an der Klinik geht es dann um den praktischen Teil am Ende einer dreijährigen Ausbildung, in dem sie zu deutschen Kräften hinzugenommen werden. Am Ende steht dann die Kenntnisprüfung, die der Examensprüfung entspricht.
Die Schulstation auf der Abteilung 80 mit Bereichsleiterin Henriette Pirron kann als ein Konzept angesehen werden, das zur Ausbildung genutzt wird: Jeweils zwei Praxisanleiterinnen betreuen zwei Azubis. In dieser Woche werden die Auszubildende Karolin Kock und die 26-jährige namibische Pflegeassistentin Suama Japhet von den Anleiterinnen Ines Pasta und Jacqueline de Vries betreut. Sie schauen den beiden über die Schulter und leiten sie an. In der Früh- und Spätschicht arbeiten sie zusammen in den Bereichen Gynäkologie, Urologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Komfortstation.
Auszubildende lobt gute Arbeitsbedingungen in Deutschland
Dabei liegt der Fokus auf der Vorbereitung der praktischen Prüfung und für die angehende Pflegefachfrau Suama Japhet auf der Einarbeitung in das deutsche Krankenhauswesen. Dies sei intensiv und zeitaufwendig, weil es in den Herkunftsländern verschiedene Standards gebe, etwa bei Hygiene, verschiedene Lerninhalte, aber auch ein anderes Pflegeverständnis. Carolin und Suama kennen sich seit ein paar Wochen und arbeiten gern zusammen. Suama spreche schon recht gut Deutsch und habe ein fröhliches Wesen, so Carolin. Und Suama Japhet sagt, es gefalle ihr hier sehr gut. In Namibia bekomme man keine festen Arbeitsverträge, dort gebe es im Vergleich zu Deutschland zu wenig Geräte und keine so gute Versorgung. Außerdem seien die Patienten in ihrem Heimatland nicht gut informiert. Eine Freundin von ihr habe 2019 schon in Düsseldorf die Ausbildung gemacht. Sie selbst wolle ihre Kenntnisse an der Klinik erweitern, und sie nehme Deutschland als ein fortschrittliches Land mit guten Arbeitsbedingungen wahr. Die Kollegen seien nett und mit den Patienten könne man gut kommunizieren.
Beim Fachgespräch äußern die Kolleginnen und Kollegen ihre Wertschätzung für Suama Japhet. Sie spreche besonders gut Deutsch und sei überdurchschnittlich gut. Aber es gebe auch andere Erfahrungen. Das sei dann eine große Herausforderung, wenn man nicht ganz sicher sei, was vom Gesagten verstanden werde und was nicht. „Trotz der fachlichen und kulturellen Herausforderungen, die wir in der Klinik durch die Schulstation meistern können, sind die ausländischen Fachkräfte eine große Chance im Hinblick auf den Fachkräftemangel und eine Bereicherung“, sagt Integrationsmanagerin Verena Henning.
Klinik besteht auf höheres Sprachniveau
Voraussetzung
Die Alb-Fils-Klinik in Göppingen setzt bei Kräften aus dem Ausland eine Beherrschung der deutschen Sprache auf dem europäischen Referenzniveau B2 voraus. Eigentlich müssen Bewerberinnen und Bewerber Kenntnisse des Niveaus B1 mitbringen, doch das Krankenhaus besteht inzwischen auf den höheren Standard.
Fähigkeit
Kenntnisse einer Sprach auf der europäischen Referenzstufe B2 ermöglichen das Verständnis wesentlicher Inhalte von komplexen Texten. Sprecher können sich spontan und fließend auf deutsch verständigen. Ein Gespräch mit einem Muttersprachler gelingt ihnen ohne größere Anstrengung. Wer eine Sprache auf dem Niveau B2 beherrscht, versteht Fachdiskussionen in seinem Fachgebiet.