„Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagt der IHK-Chef Christoph Nold. Foto: Horst Rudel

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, lassen sich Firmen im Kreis Esslingen mittlerweile einiges einfallen.

Kreis Esslingen - Wenn Beschäftigte der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen neue Mitarbeiter an Land ziehen, dann lohnt sich das finanziell. Denn kommt es auf Empfehlung zur Einstellung eines neuen Mitarbeiters oder eines Azubis, dann winkt eine 500-Euro-Prämie. Auch andere Firmen setzen bewusst Anreize, um angesichts des Fachkräftemangels bei qualifizierten Arbeitskräfte das Interesse zu wecken. Eine Anwerbeprämie, Tankgutscheine, ein Sportwagen für ein Wochenende, ein Hotelaufenthalt oder beispielsweise auch ein Tablet gehören zu den Leckerlis, die den Appetit auf eine Mitarbeit im Unternehmen steigern sollen.

Das Gesamtpaket muss stimmen

Da in der Region Wohnungen Mangelware sind, setzt die Wirtschaft auch hier an. Die Stuttgarter Werbeagentur Mosaiq beispielsweise hat neuen Arbeitskräften eine reizvolle Wohnung angeboten, und auch die Krankenhäuser in Stuttgart haben Mitarbeiterwohnungen als Anreiz für Bewerber eingesetzt. Solche spektakuläre Aktionen sind nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) allerdings eher Einzelfälle, wie der Leitende Geschäftsführer der Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, Christoph Nold, erklärt: „Wir würden diese nicht allzu weit in den Vordergrund stellen.“ Solche Anreize dienten zur Abrundung des Gesamtpaketes. Und dieses müsse eben stimmen, sonst würden weder der Betrieb noch der Arbeitnehmer glücklich.

Dazu zählt auch, auf die Lebensumstände von Arbeitskräften einzugehen. Um beim Beispiel der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen zu bleiben: Dort befindet sich das Projekt „Mobiles Arbeiten“ in der Pilotphase. Es ermöglicht ein räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten. Dies kommt nicht zuletzt jungen Eltern entgegen, die Beruf und Familie vereinbaren möchten. Die Masse der Ausbildungsunternehmen, so die Erfahrung der IHK, verzichtet auf materielle oder finanzielle Anreize. Sie bemühten sich stattdessen um einen attraktiven Mix aus Ausbildungsqualität und einem zielgruppengerechten Marketing. „Das ist auch nachhaltiger“, sagt der IHK-Bezirkskammer-Chef Christoph Nold.

Azubis lernen früh, Verantwortung zu übernehmen

Viele kleine und mittlere Unternehmen schickten Azubis ins Ausland – entweder in ihre eigenen Niederlassungen oder sie nutzen den IHK-Service „Go for Europe“ oder das Programm Erasmus+. Nold zufolge versuchen Firmen damit zu punkten, dass Auszubildende früh Verantwortung übernehmen können und Teil eines engen Teams zu sein. Diesem Ziel dient etwa die Teilnahme an Projekten wie den DigiScouts. Die IHK organisiert viele dieser Projekte und fördert die Unternehmen und Auszubildenden .

Beim Ausbildungsmarketing sei vor allem eine zielgruppengerechte Ansprache wichtig, erklärt Christoph Nold. So habe die IHK unter anderem die Werte, auf die es jungen Menschen heute ankommt, mit einer Jugendstudie analysieren lassen. Dabei wurden verschiedene Milieus und deren passende Ansprache vorgestellt.

Lehrstellenbörsen und Messen dienen dem Kennenlernen

Die Kammer bietet eine ganze Reihe von Projekten am Übergang von der Schule in den Beruf an: Berufsparcours, Ausbildungsbotschafter, Bildungspartnerschaften, IHK-Bewerbervermittlung, Infoveranstaltungen wie die „Nacht der Ausbildung“, den Arbeitskreis Schule-Wirtschaft für Lehrer oder die Elternkampange „Ja zur Ausbildung“. Um die Adressaten zu erreichen, nutzt die Kammer eine Lehrstellenbörse, Veranstaltungen, Projekte in Schulen und mit Eltern oder Berufsorientierungsmessen.

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