Versuchsvorbereitung: Eine Ingenieurin im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt Foto: dpa Foto:  

Ingenieure braucht das Land – doch es mangelt an Interessenten. Die Hoch- schulen haben Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Montag Vorschläge überreicht, wie sich das ändern ließe.

Stuttgart - Wer Autos, Züge oder Maschinen bauen, das Verkehrs- und Datennetz erweitern oder umweltfreundliche Technologien entwickeln will, braucht Ingenieure. Und eigentlich auch immer mehr. Viele Stellen können nicht besetzt werden.

Eine von Wissenschaftministerin Theresia Bauer 2014 eingesetzte Kommission hat deshalb untersucht, was sich ändern muss, damit in den nächsten Jahren die notwendigen Fachkräfte zur Verfügung stehen. „Die Ingenieurwissenschaften in Baden-Württemberg bilden das Fundament, auf dem der ökonomische Wohlstand des Landes gründet“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse in Stuttgart. Dazu muss aus Sicht der beteiligten Wissenschaftler an vielen Schrauben gedreht werden – in den Bereichen Forschung, Lehre und Transfer von der Hochschule in die Wirtschaft.

Damit junge Menschen überhaupt den Weg in diesen Bereich finden, müsse das Interesse schon in den Schulen geweckt werden, forderte Thomas Bauernhansl, Leiter des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) an der Universität Stuttgart und Vorsitzender der Kommission. Informatik und Technik seien in den Schulen nicht ausreichend verankert. Vor allem Mädchen müssten besser angesprochen werden – sie entscheiden sich immer noch zu selten für diese Berufe.

Große Leistungsunterschiede

Ein großes Problem sind auch die großen Leistungsunterschiede an den Hochschulen. Einem Teil der Studierenden fehlten die nötigen Grundlagen in Mathematik und Physik – eine Folge der Abschaffung der Grund- und Leistungskurse an den Gymnasien vor über zehn Jahren, kritisiert die Kommission. Die Folge: Je nach Studiengang brechen zwischen 15 und 40 Prozent das Studium ab.

Ginge es nach den Hochschullehrern, dann würden Studienplätze in den Ingenieurwissenschaften nach Noten vergeben. Das ist rechtlich aber nur bei Engpässen möglich. Solange Plätze frei sind, können Hochschulen die Zulassung nicht beschränken, bedauerte Bauernhansl. Einige Hochschulen bieten bereits Vorbereitungskurse vor Beginn des eigentlichen Studiums, damit die Studenten ihr Ziel auch erreichen.

Für einen Fehler hält die Kommission auch die vielen Spezialisierungen in den Bachelorstudiengängen. In den ersten Studienjahren sollten sich die Studierenden erst einmal mit den Grundlagen ihres Faches befassen, um später auf ihnen aufzubauen. Bei der Umstellung der früheren Diplomstudiengänge auf Bachelor und Master hätten manche Professoren ihr Steckenpferd zu einem Studiengang gemacht. Hier müssten die Hochschulen dringend handeln, sagte auch Bauer.

Schwerpunkt Mobilität und Energie

Bei der Forschung sind aus Sicht der Kommission ebenfalls Nachbesserungen nötig. Die ingenieurwissenschaftliche Forschung in Baden-Württemberg sollte ihre Schwerpunkte auf Mobilität und Energie legen, sagte Britta Nestler vom Karlsruher Institut für Technologie. Auch kleine und mittlere Unternehmen müssten Zugang zu Forschung haben. Studenten sollten ermutigt und befähigt werden, Unternehmen zu gründen. Einig wurden sich die Vertreter der unterschiedlichen Hochschularten beim Thema Promotionen. Doktorarbeiten sind weiter nur an den Universitäten möglich. Hochschulen für angewandte Wissenschaften – die früheren Fachhochschulen – können mit diesen kooperieren und deren Professoren Arbeiten ihrer Studenten betreuen.

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