Ohne massive Anwerbung von Pflegepersonal wird sich der Notstand nicht beheben lassen, glaubt unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.
In der Pflege liegt vieles im Argen. Das ist keine neue Erkenntnis. Heimplätze werden immer teurer, gleichzeitig ächzen Heime unter den gestiegenen Personal- und Energiekosten. Manche verschwinden ganz vom Markt. Die Pflegeversicherung kann die tatsächlichen Pflegekosten nicht abdecken. Aber die Mutter aller Probleme in der Pflege bleibt die demografische Zeitbombe.
6,8 Millionen Pflegebedürftige im Jahre 2055
Immer mehr alte Menschen müssen immer intensiver gepflegt werden. Gleichzeitig vermindert sich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die entstehende Kluft ist immens. Die Zahl der zu pflegenden Menschen wird von rund 5,0 Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 ansteigen. Das Statistische Bundesamt hat nun eine Lücke beim Pflegepersonal errechnet, die je nach Modellannahmen zwischen 280 000 und 690 000 Kräften liegt.
Es gibt für diese katastrophale Entwicklung keine Patentlösung. Natürlich muss der Pflegejob attraktiver, das heißt auch besser bezahlt werden. Natürlich müssen Wege erkundet werden, häusliche Pflege für die Angehörigen leistbar zu erhalten. Sicher ist es sinnvoll, auch technische Hilfen wie Pflegeroboter dort einzusetzen, wo sie Lasten abnehmen können, um Zeit für menschliche Zuwendung zu schaffen.
Willkommenskultur ist eine Notwendigkeit, keine Option
Ganz klar ist auch, dass es ohne massive Anwerbung von ausländischen Pflegekräften gar nicht geht. Ist Deutschland bereit, die dafür notwendige Willkommenskultur zu entwickeln? Das ist keine Option, es ist eine schiere Notwendigkeit. Und der Staat wird immer mehr finanzielle Ressourcen aus Steuermitteln bereitstellen müssen. Ohne Opfer an andere Stelle – auch im Sozialsystem – wird das gar nicht gehen.