Acht junge Frauen und Männer aus Spanien wollen in Kornwestheim in Kitas arbeiten. Die Stadt hat sie angeworben. Foto: Simon Granville

Wie 2024 hat Kornwestheim wieder spanische Fachkräfte für die städtischen Kitas angeworben. Warum sie die Stadt nun mehr kosten und warum die jungen Iberer nach Kornwestheim wollen.

Fast 20 Fachkräfte fehlen in Kindertagesstätten und Kindergärten der Stadt Kornwestheim derzeit. Neben einer aufwendigen Arbeitgeber-Kampagne baut die Stadt erneut auf Fachkräfte aus Südeuropa, um genügend Erzieherinnen in die Kitas zu bekommen. Doch nicht nur in Kornwestheim versuchen Verantwortliche den Fachkräftemangel mit Spaniern zu bekämpfen.

 

„Alle waren sehr nett zu mir – Kolleginnen und Eltern – ich hatte keine Probleme beim Einleben“, sagt Carolina Torner aus der Kornwestheimer Kita Villeneuvestraße. Die Spanierin kam vergangenes Jahr mit dem gleichen Programm in die Stadt, das nun erneut acht jungen Menschen von der iberischen Halbinsel eine Jobperspektive in der Salamanderstadt eröffnet. Das Programm sieht vor, dass die Fachkräfte ein Jahr in einer Kornwestheimer Kita aushelfen – im besten Fall aber langfristig bleiben.

Torner berichtet, dass die größte Herausforderung die Sprache war. Noch heute fühlt sie sich sicherer, auf Englisch zu kommunizieren, als auf Deutsch. Als vollwertige Fachkraft ist sie aber eine willkommene Verstärkung für die Kita Villeneuvestraße. Sie verspüre kein Heimweh und auch das Wetter hatte sie sich schlimmer ausgemalt, als es dann tatsächlich war: „Ich kann hier auch oft die Sonne sehen“, sagt sie.

Torner ist so etwas wie der Idealfall des Programms. Weil sie eine von zwei Spanierinnen ist, die nach dem ersten Jahr weiterhin in Kornwestheim bleiben. Auch deswegen hat die Stadtverwaltung sich für eine Neuauflage entschieden. Die acht in diesem Jahr sind nach persönlichen Vorstellungsgesprächen in Spanien – Anke Weinreich, Abteilungsleiterin Kindergärten und Kindertagesstätten, flog dafür im Mai in den Süden – nun für eine Hospitationswoche in Kornwestheim.

Die neuen Fachkräfte mit Vertretern der Stadtverwaltung um OB Nico Lauxmann (Fünfter von rechts). Foto: Simon Granville

Kornwestheim punktet in Barcelona

Die ersten Eindrücke seien „bueno“, so die neuen Fachkräfte. Bei dem Termin in Barcelona, als sich Kornwestheim präsentiert hatte, punktete die Stadt durch sympathische Gesprächspartner und ihr Angebot. Die jungen Menschen aus Spanien – meist mit einem einschlägigen Studienabschluss in der Tasche und nicht älter als 29 – kommen über die auf Vermittlung spezialisierte Firma Apontis in Kontakt mit den Deutschen.

Die Dienste von Apontis lässt sich die Stadt fast 74 000 Euro kosten. Laut Oberbürgermeister Nico Lauxmann ist das gut angelegtes Geld, gehe es doch darum, den Fachkräftemangel – unter dem Kinder und Eltern zu leiden hätten – etwas zu lindern. Allein in Kornwestheim sind fünf Kita-Gruppen wegen Personalmangels derzeit geschlossen, im Herbst soll eine davon aber wieder öffnen.

Kornwestheim überzeugt: Spanische Fachkräfte wählen Kleinstadt

Viele der Spanier hatten die Möglichkeit, sich zwischen Mannheim und Kornwestheim zu entscheiden – beide Städte präsentierten sich bei besagtem Termin in Barcelona. Für Natividad Padilla hat Kornwestheim den besseren Eindruck gemacht. Sie wollte auch lieber „in einem Dorf“ leben, und da sei die Salamanderstadt eine gute Wahl.

Oft haben die Nachwuchserzieherinnen, die noch einen zwölfmonatigen Kurs absolvieren, um als Fachkraft anerkannt zu werden, Verwandte in Deutschland. Größtes Argument für eine Migration gen Norden ist aber die wirtschaftliche Lage. Selbst mit ihrem Studium sei es keinesfalls sicher, dass sie eine Arbeitsstelle in ihrer Heimat finden.

Tatsächlich unterscheidet sich das spanische Schul- und Kindergartenwesen von dem in Deutschland. Überwiegend bezeichnen sich die neuen Fachkräfte als Grundschullehrerinnen. Dabei beginnt der vorschulische Bereich in Spanien schon mit drei Jahren.

Nun will Stadt noch die Quote der langfristigen Verträge verbessern – anstatt zwei aus fünf, sollen in Zukunft deutlich mehr Spanier auf Dauer in Kornwestheim bleiben. „Wir haben Lehrgeld bezahlt“, sagt Weinreich. Nun hat man an ein paar Stellschrauben gedreht – die jungen Iberer kommen nun mit besseren Deutschkenntnissen, die Betreuung wird intensiviert und auch die Kita-Leitungen werden besser vorbereitet. Das hat seinen Preis: Vergangenes Jahr war das Anwerben und Integrieren der Spanier damals noch mit 45 000 Euro an Kosten für die Stadt verbunden, fast 30 000 Euro weniger als in der aktuellen Runde.

Start im Oktober: Spanische Fachkräfte ziehen in WGs ein

Nach der aktuellen Hospitationswoche, in der die ausländischen Fachkräfte unter anderem mehrere Kitas kennenlernen, soll es im Oktober losgehen mit der Arbeit in den Einrichtungen. Die sechs Frauen und zwei Männer leben dann in Wohngemeinschaften, die in Wohnungen der städtischen Wohnbau eingerichtet werden.

Wie OB Lauxmann selbst einräumte, sei Kornwestheim keineswegs die einzige Kommune in der Region, die spanische Fachkräfte für Kitas anwirbt. Im vergangenen Jahr tat man dies sogar in einem Projekt mit Leinfelden-Echterdingen gemeinsam. Im Kreis hat etwa die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg schon 2023 sechs Spanier für ihre Kitas angeworben, in Bietigheim-Bissingen arbeiten derzeit fünf angeworbene Iberer in städtischen Einrichtungen. „Ein Konkurrenzkampf zwischen den Kommunen gibt es aber nicht“, sagt Lauxmann. Es sei eher so, dass man sich austausche und von den Erfahrungen der anderen profitiere.