Eine Szene aus der Kindertagesstätte Bad Cannstatt: Erzieherinnen und Erzieher werden für ganz Stuttgart gesucht, doch über das Wie ist eine erneute Debatte entbrannt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Es fehlt den Kitas nicht am Fachkräfte-Nachwuchs, sondern an Ausbildungskapazität. Dies müsste sich doch ändern lassen, meint Redakteurin Inge Jacobs.

Stuttgart - Seit Jahren fehlt es auch in Stuttgart an Erzieherinnen. Das ist fatal. Denn es hat dazu geführt, dass Hunderte bestehende Kitaplätze nicht besetzt werden können, obgleich mehr als 3000 Kinder auf der Warteliste stehen. Das entspricht nicht dem, was der Gesetzgeber unter dem Stichwort Rechtsanspruch festgelegt hat. Und es bringt viele Familien in schwierige Situationen. Mal ganz davon zu schweigen, dass unter dem Personalmangel auch Kitakinder leiden – weil pädagogische Konzepte nicht wie geplant umgesetzt werden können oder Ausflüge ganz einfach gestrichen werden müssen.

Der Stadt bleibt also gar nichts anderes übrig, als alle Register zu ziehen, um nicht nur beim Ausbau der Tagesstätten, sondern auch beim Thema Kitapersonal nach vorn zu kommen. In diesem Zusammenhang mutet es seltsam an, dass die Stadt ausgerechnet jetzt eine Fortführung der Großstadtzulage „Tarif plus“ für verzichtbar hält, gerade mal zwei Jahre nach ihrer vom Gemeinderat beschlossenen Einführung. Die Verwaltung begründet ihre ablehnende Haltung zum einen mit den Einkommensverbesserungen für die Kita-Fachkräfte, zum anderen mit der Gleichbehandlung mit anderen Berufsgruppen. Beides ist zwar nicht von der Hand zu weisen. Doch der Verzicht auf die Zulage verbessert die Personalsituation in den Kitas nicht, sondern dürfte Stuttgarts Position im Vergleich zum Umland verschlechtern. Denn Stuttgart ist und bleibt ein teures Pflaster.

Zumindest aber sollte die Stuttgart-Zulage solange erhalten bleiben, bis die Ausbildungsstätten für Kita-Fachkräfte genügend Absolventen hervorbringen, die auch bereit sind, in Stuttgart zu bleiben. Dabei hat sich die praxisorientierte Ausbildung (Pia) als Erfolgsmodell herauskristallisiert. Die Stadt liegt sicher richtig, wenn sie hier die Ausbildungskapazität vergrößert. Denn hier braucht es keine Kopfstände, um Interessenten für diesen anspruchsvollen Beruf zu gewinnen. Bei Pia stehen die Bewerber längst Schlange. Und die bisherige Erfahrung zeigt: die meisten Absolventen blieben sogar ihrer Ausbildungseinrichtung treu. Es wäre also klug, weiterhin mehrgleisig zu fahren. Das bedeutet: Zulage beibehalten, Pia aufstocken!

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