Der Arbeitsmarkt zeigt sich bisher stabil. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Krieg, Inflation und Rezessionsgefahr können dem Arbeitsmarkt offensichtlich wenig anhaben. Das hat Gründe, meint Inge Nowak.

Die Gemengelage ist alles andere als einfach. Die Inflationsrate in Deutschland dürfte in den nächsten Monaten zweistellig werden. Um sie einzudämmen, wäre eine Zinserhöhung ein logischer Schritt. Damit würde aber die Rezessionsgefahr noch weiter steigen. All das sind keine guten Aussichten für die Wirtschaft.

 

Der Arbeitsmarkt ist dennoch stabil – und zeigt sich von dem Ungemach weitgehend unbeeindruckt. Überraschend? Nur auf den ersten Blick. Denn die Alterspyramide stellt die Arbeitgeber vor Probleme, ihre Stellen weiterhin zu besetzen. Bis 2036 – also in rund 15 Jahren – werden knapp 30 Prozent der Erwerbstätigen in Rente gegangen sein, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Viele gehen bereits vor Erreichen der Altersgrenze. Von den heute 60- bis 64-Jährigen sind noch knapp 64 Prozent in Lohn und Brot. Sie zu ersetzen, wird herausfordernd sein – wie man wieder einmal auf dem Ausbildungsmarkt sehen kann. Auch dieses Jahr werden viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Es fehlt aber nicht nur an Nachwuchs. Auch die Zahl der offenen Stellen ist im August weiter gestiegen.

Die Politik unterstützt

Deshalb ist das Verhalten der Unternehmen, die an den Belegschaften festhalten, nur folgerichtig. Die Erfahrung lehrt: Die Konjunktur kann sich auch wieder aufheitern, und dann werden schnell erfahrene Leute gebraucht. Dass dieser Weg so einfach gangbar ist, liegt nicht zuletzt an der Politik, die die Arbeitgeber durch eine recht großzügige Kurzarbeitsregelung unterstützt.