Fußball-Reporter benutzen die Begriffe, als seien sie das Normalste von der Welt. Aber nicht jeder versteht, was „pressen“ bedeutet oder „abkippen“. Foto: dpa

Kleines Einmaleins für Fußball-Gucker: Fachbegriffe, die jeder hört, aber nicht jeder versteht.

Vor allem TV-Kommentatoren belegen damit gern ihre Fachkenntnis – und verwirren nicht selten den Zuschauer. In unserer Sportredaktion häufen sich deshalb die Anfragen. „Bitte, können Sie mir das erklären?“ Wir helfen natürlich gern. Mit einem Schuss Ironie und mit Hilfe eines Trainers, der zuletzt auf der Bank von Bundesligist Bayer Leverkusen saß.

Polyvalente Spieler: Keine Sorge. Lars Bender leidet nicht unter einer ansteckenden Krankheit. Er steht aber für einen Trend im modernen Fußball: vielwertige Spieler sind gefragter denn je. Robin Dutt: Darunter versteht man Spieler, die auf verschiedenen Positionen einsetzbar sind und neue Aufgaben auf Grund ihrer taktischen und athletischen Möglichkeiten schnell umsetzen können. Trainer reden auch von Misch-Typen.

Räume zustellen: Mit Möbeln ist es kein Problem, mit Fußball-Spielern schon eher. Der Innenarchitekt wird dringend davon abraten, Trainer können gar nicht genug davon kriegen. Robin Dutt: Der Gegner ist in Ballbesitz. Die eigene Mannschaft versucht durch das Besetzen bestimmter Teile auf dem Spielfeld zu provozieren, dass der Gegner in einen bestimmten Raum spielt, weil dort beispielsweise die zweikampfstärksten Spieler der eigenen Elf agieren. Das Zustellen kann auch zum Ziel haben, dass ein gegnerischer Spieler den Ball bekommt, der technisch als eher schwach eingestuft wird.

Den Gegner anlaufen: Klingt gefährlich, ist aber harmlos. Der Fußballer rennt mit grimmiger Miene auf denjenigen zu, der den Ball führt. Was dieser nicht besonders schätzt. Er bekommt es mit der Angst zu tun und gibt den Ball lieber wieder her. Oder auch nicht.Robin Dutt: Man kann einen Gegenspieler direkt oder indirekt (im Bogen) anlaufen oder auch angreifen. Das Ziel dabei: Er soll gezwungen werden, den Ball dorthin zu passen, wo ihn die eigene Elf haben will, um ihn am schnellsten erobern zu können. Beispiel: Der gegnerische Innenverteidiger führt den Ball. Der Stürmer der eigenen Elf läuft ihn an, um zu verhindern, dass er das Spiel durchs Zentrum eröffnet. Er passt zum Außenverteidiger, der an der Außenlinie weniger Raum hat, um zu agieren und deshalb unter Druck kommt.

Verschieben: Der Steuersünder verschiebt sein Geld, der Fußballer sich selber. So rückt er dem Gegner schneller auf die Pelle. Er spart damit zwar kein Geld, aber kräftezehrende Sprints. Robin Dutt: Die eigene Mannschaft verschiebt sich auf dem Feld synchron mit dem Passspiel des Gegners, um kurze Abstände zum Ball und zum Gegenspieler zu haben. Dadurch kommt man schneller in die Zweikämpfe und kann Druck in vorher festgelegten Situationen ausüben.

Pressing: Mit entsprechenden Anfeuerungsrufen verbunden, ermöglicht es im Kreißsaal potenziellen Fußballtalenten den ersten Karriere-Schritt. Robin Dutt: Schnelle, gemeinsame Laufbewegung, um den Gegner in Raum- und Zeitnot zu bringen. Es gibt Angriffs-Pressing, Mittelfeld-Pressing und Defensiv-Pressing. Alle Varianten verfolgen dasselbe Ziel: Beim Gegner Stress auszulösen, damit er Fehler macht.

Man kann tief in der Schuld eines Mitspielers stehen, wenn man selbst zu hoch gestanden hat

Stellen: Wenn das Stellen auf Dauer nicht funktioniert, müssen sich Trainer häufig neue suchen. Entsprechende Stellen-Angebote finden sie im Anzeigenteil ihrer Zeitung. Robin Dutt: Wird je nach Trainer unterschiedlich interpretiert. Oft eine schnelle Rückwärtsbewegung der ganzen Mannschaft vor den eigenen Strafraum mit dem Ziel der Torsicherung.

Flache Sechs: Kommt dem Schüler irgendwie bekannt vor. Gab es zuletzt in Englisch. Flacher Text, setzen, sechs! Robin Dutt: Die beiden defensiven Mittelfeldspieler agieren gleichberechtigt nebeneinander. Schaltet sich der eine in den Angriff ein, kontrolliert der andere das Spielfeldzentrum – und umgekehrt.

Tief stehen: Man kann tief in der Schuld eines Mitspielers stehen, wenn man selbst zu hoch gestanden hat. Robin Dutt: Die Dänen standen beispielsweise gegen die deutsche Elf tief. Das heißt, sie greifen den Gegner nicht schon in dessen Hälfte an, sondern erst ab der Mittellinie oder dahinter. Die Griechen werden mit Sicherheit noch tiefer stehen als die Dänen.

Abkippen: Kann im stark alkoholisierten Zustand mal passieren. Phänomen, das auf den Bierbänken des Cannstatter Volksfestes häufiger zu beobachten ist. Robin Dutt: Eine Laufvariante aus einem Mannschaftsteil in den dahinter. Beispielsweise in der Spieleröffnung. Der eigene Innenverteidiger, zum Beispiel Mats Hummels, führt den Ball. Ein Stürmer des Gegners läuft ihn an, ein weiterer stellt den zweiten Innenverteidiger zu. Dann kippt Bastian Schweinsteiger aus dem Mittelfeld zwischen den Innen- und Außenverteidiger ab und schafft eine zusätzliche Anspielstation. Falls sein Gegenspieler mitgeht, entsteht zusätzlicher Raum im Mittelfeld, den man nützen kann. Auch ein Stürmer kann ins Mittelfeld abkippen, um Räume zu schaffen oder anspielbar zu sein.

Schnittstellen: Tut gar nicht weh. Wenn es klappt mit der Schnittstelle, blutet immer nur der Gegner. Robin Dutt: Unter Schnittstelle versteht der Fußballer den Raum zwischen zwei Gegenspielern durch den man versucht, einen in die Tiefe laufenden Mitspieler anzuspielen. Oft gibt es Abstimmungsprobleme der verteidigenden Mannschaft, so dass nach einem gelungenen Pass gute Anschlussaktionen wie Flanke oder Torschuss entstehen.

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