Bild einer glücklichen Familien: Mark Zuckerberg, seine Frau Priscilla Chan und Tochter Max – natürlich via Facebook . Foto: dpa/Facebook Foto:  

Mark Zuckerberg will als junger Vater ein Zeichen setzen. Er werde fast sein gesamtes Vermögen im Laufe seines Lebens verschenken, kündigte der 31-Jährige zur Geburt seiner Tochter an.

Menlo Park - Mark Zuckerberg ist seit kurzem Vater einer Tochter mit Namen Max. Dass der 31-Jährige vor Stolz platzt und er und seine Frau Priscilla Chan aller Welt ihr Glück über Facebook mitteilen wollen, ist völlig normal. Schließlich ist Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt. Doch Mark Zuckerberg ist nicht irgendein Facebook-Nutzer, sondern Gründer des Internet-Imperiums und jüngster Selfmade-Milliardär aller Zeiten. Das verpflichtet selbstredend.

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ sagt Onkel Ben seinem Neffen Peter Parker im Fantasy-Film „Spiderman“. Was für einen fiktiven „Spinnenmann“ gilt, gilt für einen echten Internet-Mogul erst recht. In einem offenen Brief richtet sich Papa Mark an Tochter Max. „Wie alle Eltern möchten wir, dass du in einer Welt aufwächst, die besser ist, als die, in der wir heute leben.“

Und dann lässt T-Shirts-Fan Zuckerberg die Bombe platzen: „Wir werden 99 Prozent unserer Facebook-Anteil – momentan 45 Milliarden Dollar (umgerechnet 42,5 Milliarden Euro) – im Laufe unseres Lebens geben, um die Mission voranzubringen.“ Welche Mission? Zuckerberg ist Mitglied des elitärsten Clubs, den diese Welt je gesehen hat und der sich „The Giving Pledge“ („Das Versprechen, etwas herzugeben“) nennt. In der Welt der Superreichen bedeutet „etwas“ zig Milliarden.

Super-Spender unter sich

US-Investor-Legende Warren Buffet ist mit einem geschätzten Vermögen von über 70 Milliarden Dollar noch reicher als Zuckerberg. Zusammen mit Microsoft-Gründer Bill Gates (rund 80 Milliarden Dollar schwer) hat er im Juni 2010 die philanthropische Kampagne „The Giving Pledge“ ins Leben gerufen. Zuckerberg war einer der ersten, der dem Aufruf folgte. Im Dezember 2010 trat er den „Pledgers“ bei, denen sich bis heute mehr als 140 Milliardäre aus 14 Ländern – darunter „Star Wars“-Erfinder George Lucas, SAP-Mitgründer Hasso Plattner, der russische Oligarch Wladimir Potanin und Elon Musk, Chef des Elektroauto-Bauers Tesla – angeschlossen haben. Sie alle verpflichten sich moralisch und öffentlich, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Die 100 Millionen Dollar, die Zuckerberg 2010 für Schulen im US-Bundesstaat New Yersey spendete und weitere 18 Millionen Facebook-Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar, die 2012 an eine gemeinnützige US-Stiftung flossen, sind Peanuts im Vergleich zur jetzigen Summe.

Nun ist es so, dass auch der verbliebene Anteil der Familie schon heute über 400 Millionen Dollar wert ist – und man eher davon ausgehen kann, dass der Facebook-Aktienkurs weiter steigen wird. Baby Max muss sich keine allzugroßen Sorgen machen, wegen der Großzügigkeit ihrer Eltern künftig mittellos dazustehen. Zudem wird Zuckerberg seinen Facebook-Anteil nur schrittweise verringern, schon weil er mit der Beteiligung auch die Kontrolle über sein Lebenswerk abgeben würde – das größte Online-Netzwerk der Welt mit mehr als 1,5 Milliarden Mitgliedern.

Die Kinder und Enkel sollen selber Geld verdienen

Doch Zuckerberg und Chan setzen mit ihrem Schritt ein Zeichen inmitten einer Explosion der vom Internet-Boom genährten Supervermögen rund um San Francisco und schließen sich auf diese Weise einer Bewegung von Milliardären an, die den Großteil ihrer Besitztümer nicht vererben wollen. „Ich will meinen Kindern gerade so viel überlassen, dass sie das Gefühl haben, alles machen zu können – aber nicht so viel, dass sie keine Lust hätten überhaupt etwas zu tun“, formuliert es Warren Buffett.

Zuckerberg hat bereits bewiesen, dass er warten und auf das ganz große Geld verzichten kann. Als der damalige Yahoo-Chef Terry Semmel dem gerade einmal 20-Jährigen eine Milliarde Dollar für sein noch kleines Online-Netzwerk bot, war er sich sicher, den Deal in der Tasche zu haben. Doch Zuckerberg lehnte ab. Dadurch hat er jetzt viel mehr Geld aus dem Erbteil von Max zu verschenken.

Lob und Kritik für Zuckerberg

Wird die Welt durch Zuckerbergs Milliarden eine bessere?

Während andere Superreiche wie Bill Gates’ Frau Melinda die Spenden-Ankündigung von Zuckerberg und Chan in höchsten Tönen loben („Willkommen in der Welt, Max! Du hast großes Glück, so tolle Eltern zu haben“), macht sich bei denen, die keine Milliarden auf dem Konto haben, auch Ironie – und ein wenig Neid – breit. Auch sie hätten kein Problem damit, jederzeit ihr Vermögen oberhalb der Marke von 450 Millionen Dollar zu spenden, kommentierten viele in Online-Netzwerken. „Zur Geburt meines ersten Kindes habe ich zugesagt, 99 Prozent meines Vermögens für die ganzen Sachen auszugeben, die das Kind braucht“, merkt die New Yorker Journalistin Katie Rosman bei Twitter an.

Kritischer äußerte sich der junge österreichische Datenschützer Max Schrems, der durch seinen jahrelangen Streit mit Facebook und eine erfolgreiche Klage gegen das Unternehmen bekannt wurde: „Großartig zu lesen, dass #Zuckerberg seine Aktien spenden will. Überlege grade nur, wie viel davon unserer Gesellschaft per Steuerumgehung gestohlen wurde? ;)“, twitterte der Jurist.

Zudem geriet der Brief an das eigene Kind zu einer langen Abhandlung darüber, wie Mark Zuckerberg und seine Frau die Welt sehen und wie sie diese mit ihren Milliarden „verbessern“ wollen. Er ist eher adressiert an die Öffentlichkeit und liest sich wie ein Manifest des Wandels aus dem Blickwinkel des kalifornischen Silicon Valley. „Wir müssen Technologien aufbauen, um Wandel zu vollbringen“, heißt es dort. „Wir müssen an der Politik teilnehmen, um Debatten mitzugestalten.“ Das macht auch ein „Mom and Dad“ als Absender nicht viel persönlicher.

Der amerikanische Traum: Vom Tellerwäscher zum Millionär

Kritiker gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Sogleich haben einige von ihnen dem Vorzeige-Philanthropen Zuckerberg eigennützige Motive unterstellt. Der gewiefte Stratege könne mit seinem Coup 330 Millionen Dollar pro Jahr an Steuern sparen, rechneten sie vor. Diese Einnahmen würden dem Staat und damit der Allgemeinheit verloren gehen. Außerdem könnte das Paar allein bestimmen, was sie fördern und was nicht.

Das stimmt: Die Super-Spender entscheiden direkt oder indirekt, auf jeden Fall aber gezielt und wohlüberlegt, was Bildung, Gesundheit und Wohlfahrt bedeutet und wer in ihren Genuss kommt. Und das heißt: Monopolisierung der Barmherzigkeit und Kapitalisierung der Mildtätigkeit. Wohltätigkeitskapitalismus nennen die beiden US-Journalisten Matthew Bishop und Michael Green diese Form privater Wohlfahrtspflege und Entwicklungshilfe – die streng nach unternehmerischen Prinzipien funktioniert. Die Programme und Projekte hätten, so schreibt die „Zeit“, „genaue Zielvorgaben, sie müssen einer Kosten-Nutzen-Analyse standhalten und vor allem messbare Resultate vorweisen“.

Unternehmergeist gepaart mit einem Mega-Ego

Zuckerberg und Gates verkörpern den amerikanischen Traum, dass jeder im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen kann. Das Misstrauen dieser genialen Konzernlenker gegenüber dem Staat, der aus ihrer Sicht lahm und ineffektiv agiert, paart sich mit einem Mega-Ego. Ihr eigener Werdegang scheint ihnen Recht zu geben: Zuckerberg schmiss 2006 sein Informatik-Studium an der US-Elite-Uni Harvard, nachdem er zwei Jahre zuvor mit drei Kommilitonen eine Klitsche namens Facebook gegründet hatte. Gates verließ Harvard mit 19. Da bastelte er im Computerraum bereits an einer Software, welche die Welt revolutionären sollte – Altair BASIC,die Mutter aller PC-Programme.

Infos

 

Wer gibt wie viel?

Hier ein Überblick über Großspender, die im ­vergangenen Jahrzehnt angekündigt haben, mehr als eine Milliarde ­Dollar ihres Vermögens zu verschenken:

US-Investor Warren Buffet versprach 2006, 43,6 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) an die Bill & Melinda Gates-Stiftung und drei weitere Stiftungen schenken zu wollen.

Helen Walton, Frau des Wal-Mart-Gründers Sam Walton, spendete ihr ­geschätztes Vermögen von 16,4 Milliarden Dollar. Es ging nach ihrem Tod 2007 an eine Familienstiftung.

Leona Helmsley, die ihr Vermögen mit Hotels und anderen Immobilen erzielt hatte, vermachte nach ihrem Tod im Jahr 2007 geschätzt 5,2 Milliarden Dollar einer Wohltätigkeitsstiftung.

Medizinunternehmer James Sorenson schenkte nach ­seinem Tod 2008 geschätzt 4,5 Milliarden Dollar einer Familienstiftung.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schenkte 2012 und 2013 1,5 Milliarden Dollar der Stiftung der ­Silicon Valley Community.

Hotelier Barron Hilton versprach im Jahr 2007, der Conrad N. Hilton-Stiftung 1,2 Milliarden Dollar zu spenden.

Wohin nur mit dem Geld?

Was kann man mit Zuckerbergs 45-Milliarden-Dollar-Spende alles kaufen? Ein paar Tipps für die Wunschliste:

100 Bahamas-Inseln: Etwa hundert Eilande lassen sich dafür im karibischen Inselstaat problemlos kaufen. Dann ist zwar noch Geld übrig, aber keine Insel mehr, die man erstehen könnte.

29 Mondmissionen: Das durchaus seriöse Unternehmen „Golden Spike“ aus Colorado will ab 2020 Mondlandungen anbieten, inklusive zweier lunarer Spaziergänge à sechs Stunden. Preis: 1,55 Milliarden Dollar pro Person.

1 Deutsche Bank: Das wertvollste deutsche Geldhaus hat derzeit einen Börsenwert von knapp 40 Milliarden Dollar.