Gatte, Multimilliardär, Super-Spender, Vater: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat viele Gesichter. Foto:  

Aktien und Geld hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wie Heu. Und selbst wenn er 99 Prozent seines Vermögens spendet, ist er immer noch schwerreich, meint unser Kommentator.

Stuttgart - Wenn es einen Himmel gibt, thront dort droben Andrew Carnegie. Voller Stolz blickt er jetzt auf sein jüngstes Ziehkind herab: Mark Zuckerberg. Carnegie (1853-1919) und den 31-Jährigen verbinden nicht nur eine unglaubliche Karriere als Selfmademan und ein sagenhafter Reichtum, sondern auch eine exorbitante Freigiebigkeit. Der US-Stahltycoon Carnegie, Sohn eines bettelarmen schottischen Webers, galt seinerzeit als reichster Mann und größter Spender der Welt. 350 Millionen Dollar (nach heutigem Wert 4,5 Milliarden Euro) verschenkte der Philanthrop an diverse wohltätige Stiftungen.

Zuckerberg ist der Meister aller Super-Spender

Im Zeitalter der Super-Spender hat sich Facebook-Gründer Zuckerberg nicht lumpen lassen und noch ein paar Milliarden drauf gelegt. Der Sohn eines Zahnarztes und einer Psychotherapeutin hat angekündigt, zu Lebzeiten 99 Prozent seiner Aktienanteile am Internetkonzern Facebook (im Wert von derzeit 42,5 Milliarden Euro) für wohltätige Zwecke zu spenden. Da kann man mit Melinda Gates, mit ihrem Mann Bill eine weitere Super-Spenderin, nur ausrufen: „Wow!“

Wieso tut Zuckerberg das? Aus Menschenfreundlichkeit, Berechnung, Ruhmsucht oder der Erkenntnis, dass aller irdischer Reichtum nur schnöder Tand ist? Wahrscheinlich von allem etwas. Von Carnegie stammt der Satz: „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“ Sein Credo inspirierte 2010 die US-Multimilliardäre Bill Gates und Warren Buffet zu ihrer Kampagne „The Giving Pledge“ – „Das Versprechen, etwas herzugeben“. Einer der ersten, der dem Ruf folgte, war Zuckerberg. Sollte der Internet-Mogul seine Ankündigung tatsächlich wahr machen, würde er in der ewigen Rangliste der spendabelsten Menschen, in der er bisher unter ferner liefen rangierte, ganz weit nach vorn katapultiert werden.

Die Super-Reichen entscheiden, wem geholfen wird

Solche gigantischen Finanzmittel können die Welt verändern, aber auch Gesellschaften – und zwar nach dem Gutdünken ihrer Spender. Das Ehepaar Gates gründete 1994 die weltweit größte Privatstiftung. Seitdem hat es zusammen mit anderen mehr als 30 Milliarden Dollar für Gesundheitsprojekte und für soziale Zwecke ausgeben. Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass Milliardäre bessere Menschen sind, nur weil sie superreich sind. Auch sie sind berechnend und verfolgen wohlüberlegt klare Ziele. Gates ist ein der größten Spender der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er entscheidet, welche Programme mit seinem Geld gefördert werden und welche leer ausgehen. Die Helfer müssen sich notgedrungen den Wünschen ihrer Geldgeber beugen. Kritiker sehen zudem die Gefahr, dass sich Regierungen immer mehr aus der öffentlichen Bildungs- und Gesundheitspolitik zurückziehen und originär staatliche Aufgaben superreichen Mäzenen und Stiftungen überlassen.

Aktien vergehen, Zuckerbergs Rum aber bleibt eiwg

Folgt man Adam Smith (1723-1790), dem Vater der Nationalökonomie, dann ist Eigennutz die eigentliche Triebkraft wirtschaftlichen Fortschritts. „Wer sein eigenes Interesse verfolgt, befördert das der Gesamtgesellschaft häufig wirkungsvoller, als wenn er wirklich beabsichtigt, es zu fördern“, schreibt er in seinem 1776 erschienenen Klassiker „Der Wohlstand der Nationen“. Glaubt man dem schottischen Philosophen, treibt auch moderne Philanthropen wie Zuckerberg nicht nur Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe an. Ganz im Sinn des antiken Ideals der Philanthropie wollen sie mit Wohltaten auch ihr Ansehen steigern. Sie sind eigennützige Narrzisten und uneigennützige Samariter in einem. Selbstverständlich erwarten sie von Zeitgenossen und Nachwelt Ruhm, Ehre und Dankbarkeit.

Was gibt es für einen Mark Zuckerberg, der bereits einen kometenhaften Aufstieg hinter sich hat, Großartigeres, als als jüngster Superspender aller Zeiten in die Geschichte einzugehen? Aktien vergehen schließlich. Der Ruhm aber lebt ewig fort.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: