Die Europäische Zentralbank in Frankfurt Foto: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Gewinn erzielt. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 989 Millionen Euro, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Frankfurt - Griechische Staatsanleihen haben der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr 298 Millionen Euro an Zinsen beschert. Insgesamt sorgten die zwischen 2010 und 2012 von der EZB gekauften Staatsanleihen zur Stützung der Euro-Krisenländer im vergangenen Jahr für Zinseinnahmen von netto 728 Millionen Euro. Es ist der größte Einnahmenposten in der gestern von der EZB vorgelegten Bilanz für 2014.

Unter dem Strich allerdings waren die Zinseinnahmen und die Zinserträge aus dem Bargeld-Umlauf deutlich niedriger als 2013. Damit schrumpfte auch der Netto-Gewinn der EZB von 1,44 Milliarden auf nur noch 989 Millionen Euro. Die EZB überweist ihren Überschuss in diesem Jahr komplett an die nationalen Zentralbanken im Euroraum. Entsprechend ihres Kapitalanteils von 26 Prozent dürfte die Bundesbank rund 257 Millionen Euro erhalten.

Der Gewinn der Notenbank fiel 2014 aber auch niedriger aus, weil sie mehr Mitarbeiter eingestellt hat und den Aufbau der europäischen Bankenaufsicht SSM vorbereiten musste. Sie hat am 1. November ihre Arbeit aufgenommen. Zudem ist die EZB vom Euro-Tower im Bankenviertel im November in ihre neuen Doppeltürme im Frankfurter Osten umgezogen.

Ende 2014 hatte die EZB noch Staatsanleihen der Krisenländer im Nominalwert von gut 149 Milliarden Euro in den Büchern. Der aktuelle Wert lag bei gut 144 Milliarden Euro. Davon entfiel der größte Teil mit 74 Milliarden auf italienische Staatspapiere. Bei Spanien waren es knapp 29 Milliarden Euro, bei Griechenland 18, bei Portugal gut 14 und bei Irland gut neun Milliarden Euro. Im Schnitt haben die Staatsanleihen eine Restlaufzeit von 3,7 Jahren.

Ab März will die EZB ihren Bestand an Staatsanleihen der Euro-Länder deutlich aufstocken und bis September 2016 Monat für Monat Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro von Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds kaufen. Damit soll noch mehr Geld in den Finanzsektor fließen, die Kreditvergabe vor allem in den Krisenländern angeschoben und möglicherweise drohende Deflationsgefahren gebannt werden.

Mittlerweile mehren sich aber skeptische Stimmen, die bezweifeln ob die EZB überhaupt so viele Anleihen wird kaufen können. Grund: Banken, Versicherungen und Fonds würden kaum selbst auf die zum Teil gut verzinsten Anleihen verzichten, weil sie selbst nicht wissen, wie sie freie Liquidität angesichts der niedrigen Zinsen anlegen sollen. In den vergangenen Tagen hatten die Vorstandschefs großer Banken sehr deutlich gemacht, dass sie wenig Interesse haben, solche Papiere an die EZB abzugeben.

Roland Boeckhout, Chef der ING-Diba, hält einen Verkauf nur für angebracht, wenn es attraktive Alternativen gibt. Auch Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain und Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank hatten deutlich gemacht, dass sie gut verzinste Anleihen kaum abgeben werden, sondern bis Ende der Laufzeit halten.

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