Immer noch auf der Jagd nach seiner Beute, initiiert Hilfslehrer Zeki Müller eine Studienfahrt nach Thailand: Elyas M’Barek in „Fack ju Göhte 2“ Foto: Constantin

Ein Kleingauner wird durch ein Missverständnis zum Hilfslehrer: Diese Rolle in der Schulkomödie „Fack Ju Göhte“ hat Elyas M’Barek in Deutschland zum Star gemacht. Im Interview offenbart M’Barek, wie er den Erfolg sieht und ob er mit seiner Filmfigur Figur Zeki Müller ein Bier trinken gehen würde.

München - Herr M’Barek, Ihrem bundesweit plakatierten Werbeauftritt für Orangenlimonade ist kaum zu entkommen, sind Sie mittlerweile selbst zur Marke geworden?

Mein Name ist in den letzten zwei Jahren tatsächlich sehr bekannt geworden, wie ich bei Begegnungen mit Fans feststelle. Früher hieß es: Das ist der Typ aus dem Fernsehen. Danach war ich der Cem aus „Türkisch für Anfänger“. Irgendwann folgte: Das ist der Elyas, äh Dings. Und mittlerweile kennen viele meinen vollen Vor- und Zunamen. Als Marke habe ich ihn nicht schützen lassen, beim eigenen Namen muss man das nicht tun – so hoffe ich zumindest! (lacht)
Sehen Sie keine Gefahr, dass die massive Präsenz irgendwann zuviel des Guten wird?
Diese Gefahr gibt es wohl immer. Aber ­momentan läuft es einfach ziemlich gut und ich freue mich über Möglichkeiten, die ich früher so nie hatte. Ich kann mir jetzt Dinge aussuchen, die Spaß machen, die toll sind und niemand zwingt mich dazu. Umgekehrt gibt es auch vieles, was ich ablehne – diese Position genieße ich sehr.
Wie wichtig ist Geld dabei?
Geld? Naja, die Arbeit muss schon auch ­bezahlt werden, beziehungsweise in diesem Fall mein Name! (lacht) Ich weiß schließlich nicht, was in drei Jahren sein wird. Vielleicht will mich dann kein Mensch mehr auf einem Werbeplakat sehen oder ich mache dann womöglich etwas ganz anderes.
„Fack Ju Göhte“ wurde zum Mega-Erfolg mit über 7 Millionen Zuschauern. Wie groß ist der Erwartungsdruck bei der Fortsetzung?
Erwartungsdruck spüre ich überhaupt nicht. Zum einen sind wir total dankbar und glücklich über den Erfolg des ersten Films – das kann uns niemand mehr nehmen. Zum anderen weiß ich, dass wir einen guten Film gemacht haben. Er trifft genau meinen ­Geschmack, deshalb kann ich absolut dahinterstehen. Problematisch fände ich, wenn die Fortsetzung nur ein plumper ­Abklatsch wäre. Aber so einfach hat es sich Autor und Regisseur Bora Dagtekin nicht gemacht. Er hat sich nicht auf dem Erfolg ausgeruht, sondern hart an diesem zweiten Teil gearbeitet. Wir haben alles gegeben, was wir tun konnten – der Rest liegt nicht in unserer Hand.
Der Satz „Chantal? Heul leise!“ aus dem ersten Teil wurde schnell zum Kult. Welche Nachfolger-Sprüche gibt es diesmal?
Solche Dinge sind nicht planbar. Dass Chantal? Heul leise! derart populär werden würde, hätten wir damals ja nie gedacht. Erst vor kurzem erzählte mir Bora noch, wie überrascht er gewesen sei, weil er selbst diesen Spruch eigentlich gar nicht so super witzig fand.
Bora Dagtekin hat einst schon „Türkisch für Anfänger“ zum großen Erfolg gemacht – was ist sein Geheimnis?
Bora hat schon geniale Züge. Er arbeitet wie ein Wahnsinniger und ist dabei unglaublich genau. Wenn er manchmal am Set noch Szenen umschreibt, wundere ich mich wirklich, woher er die Energie nimmt und diese Einfälle bekommt. Ich staune darüber, wie dieses Gehirn funktioniert.
Wenn Sie bei Premieren über den Roten Teppich laufen, ist der Kreischalarm enorm. Hält man den Lärmpegel ohne Ohrstöpsel überhaupt aus?
Daran gewöhnt man sich, es ist ja auch schön, wenn die Leute einen so begeistert bei einer Premiere empfangen und sich so freuen. Man muss sich einfach immer bewusst darüber sein, dass das alles sehr absurd ist und diese Situation dem wahren Leben nicht entspricht. Das passiert auf dem Roten Teppich – wenn ich im Alltag aus dem Haus gehe, dann kreischt da niemand. Gottseidank.
Was finden die Fans so toll an Ihnen?
Das müsste man die Fans fragen. Es ist immer schwierig, sich selbst von außen zu betrachten, welche Wahrnehmung andere von mir haben, das weiß ich nicht. Bei mir gibt es da kein Kalkül oder einen Plan – ich bin eben der, der ich bin.
Verspüren Sie kein Bedürfnis, dem Image zu entfliehen? Wäre eine schwule Rolle für Elyas M’Barek denkbar?
Natürlich, warum auch nicht? Das Drehbuch muss einfach stimmen. Der Hacker-Thriller „Who am I“ war ja auch schon ein ziemlicher Genre-Wechsel. Mir selbst muss ich nicht beweisen, dass ich mehr als nur komisch kann. Ich habe schon in etlichen ernsten Filmen gespielt – nur sind die eben nicht so bekannt.
Würden Sie mit Zeki Müller, Ihrer Figur aus„Fack Ju Göhte“, gerne ein Bier trinken gehen?
Absolut, Zeki ist doch ein total sympathischer Kerl. Das macht die Figur ja aus, er ist der Typ von nebenan, mit dem jeder gerne ein Bier trinken würde.
Sie haben die 2,2 Millionen-Fan-Marke auf Ihrer Facebook-Seite geknackt. Schreiben Sie dort alles selber?
Klar, für mich ist das ein Hobby, das totalen Spaß macht. Zwei Millionen Fans hätte ich nie erwartet. Ich weiß noch, wie ich bei Matthias Schweighöfer über dessen 1,4 Millionen Fans gestaunt habe – damals hatte ich selbst noch 350 000. Seit „Fack Ju Göhte“ ist das Ding echt explodiert. Dieses Wachstum der Seite zu verfolgen ist ein schönes Gefühl – das wächst wie ein kleines Imperium.
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