Die Hochwasser in Deutschland sind nur eine Seite der Medaille. An vielen Orten, wie hier in der Stadt Markleeville im US-Bundesstaat Kalifornien, brennen die Wälder. Foto: imago//Ty O Neil

Bei Hitzewellen ist der Einfluss der Erderwärmung unbestritten. Bei Überschwemmungen ist die Datenlage etwas komplizierter. Was wir über die Zusammenhänge bisher wissen.

Stuttgart - Die Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland hat eine Debatte über die Folgen des Klimawandels und nötige Gegenstrategien ausgelöst. Kritiker werfen Politikern und Umweltschützern vor, die Flut zu instrumentalisieren, um strengere Klimavorgaben zu rechtfertigen oder von Versäumnissen beim Hochwasser- und Bevölkerungsschutz abzulenken. Auch die Klima­expertin Friederike Otto vom Environmental Change Institute der Universität Oxford verwies kürzlich in einem Interview darauf, dass die verheerenden Folgen solcher Starkregenereignisse zu einem großen Teil auf die Versiegelung der Böden zurückzuführen seien. Je weniger Wasser versickern kann, desto mehr muss oberflächlich abfließen.

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Dagegen tun sich Forscher nach wie vor schwer, einzelne Wetterereignisse in einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Klimawandel zu bringen. „In unserer Forschungsrichtung können wir einzelne Gewitter mit den Klimamodellen, die wir derzeit zur Verfügung haben, nur schwer simulieren“, so Friederike Otto. Gerade bei Gewittern und Extremniederschlägen spielen die Verhältnisse vor Ort eine wichtige Rolle. Es macht etwa einen großen Unterschied, ob es in der Nähe einen Höhenzug gibt, der Gewitterwolken zum Abregnen bringen kann.

DWD ist sicher: Starkregen wird häufiger

Trotz der Unsicherheiten sieht der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Tendenz, „dass in Deutschland solche Gewitter mit Stark­regenereignissen häufiger auftreten“. Der DWD beruft sich auf die Messwerte eines Radarverbundsystems, das seit 20 Jahren lückenlos die Niederschlagsereignisse aufzeichnet. Auch die Intensität extremer Niederschläge habe in der Spitze zugenommen.

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Eine plausible Erklärung dafür ist, dass mit steigender Lufttemperatur mehr Wasser verdunstet. Dieses Wasser muss irgendwann wieder als Niederschlag zurück zur Erde kommen. So bringen hohe Temperaturen den atmosphärischen Wasserkreislauf zusätzlich in Schwung. In Regionen, in denen es ohnehin wenig regnet, wird es dagegen tendenziell trockener. Die Folgen zeigen sich in den Bodenfeuchtekarten, in denen immer größere Teile Deutschlands als tiefrote Zonen erscheinen. Das Problem ist weniger die Niederschlagsmenge, die innerhalb eines Jahres fällt, sondern eine ungünstige zeitliche und räumliche Verteilung.

Großer Einfluss des Jetstreams

Das führen viele Klimaforscher auch darauf zurück, dass Tiefdruckgebiete länger an Ort und Stelle verharren. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass dabei die Abschwächung der Jetstream-Höhenwinde eine wichtige Rolle spielt. Allerdings lässt sich das nicht für alle Regionen und Jahreszeiten gleichermaßen sagen. Hauptantrieb des Jetstream ist der Polarwirbel, dessen Stärke maßgeblich von den – zunehmend geringeren – Temperaturunterschieden zwischen der Polarregion und den gemäßigten Breiten abhängt.

Die deutlichsten Spuren hinterlässt der Klimawandel aber bei der Entwicklung der Temperaturen. Extreme Hitzewellen wie zuletzt in Kanada und den USA seien durch die Erderwärmung mindestens 150-mal wahrscheinlicher als in vorindustrieller Zeit, schreibt ein internationales Forscherteam um Friederike Otto in einer aktuellen Studie.