Ein vermummter Kämpfer der islamischen Dschihad-Union - auch in Baden-Württemberg nimmt der Extremixmus offenbar zu Foto: dpa/Intelcenter

Die Zahl gewaltbereiter Islamisten sowie nach Syrien ausgereister Dschihadisten (Heilige Krieger) ist offenbar deutlich höher, als von Ministerien und Sicherheitsbehörden bislang eingeräumt.

Stuttgart/Ottawa - „Bei einer konservativen und vorsichtigen Schätzung würde ich den Faktor vier bei den offiziellen Zahlen ansetzen“, sagt Islamismusexperte Herbert L. Müller. Der Abteilungsleiter Internationaler Extremismus und Terrorismus des baden-württembergischen Verfassungsschutzes referierte beim Internationalen Ausschuss der Stadt Stuttgart zum Thema Salafismus. Müller wies darauf hin, dass bei den derzeitig bekannten Zahlen den Sicherheitsbehörden unbekannte Dschihadisten und Radikale ausgeklammert würden.

Bestätigt sich Müllers Hochrechnung, dann kämpfen statt der offiziell bekannten 450 Dschihadisten 1800 radikale Muslime in Syrien und im Irak. Auch die Anzahl gewaltbereiter Salafisten wäre in Baden-Württemberg von 550 auf 2200 zu korrigieren. Müller verwies auf eine Untersuchung deutscher Sicherheitsbehörden zu Dschihadisten. Demnach verfügen 24 Prozent der bekannten Kriegsreisenden über eine abgeschlossene Berufsausbildung, elf Prozent haben ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität begonnen. 26 Prozent der Dschihadisten sind demnach Schüler.

Derweil stellt sich die Frage, ob der Attentäter des Anschlags im kanadischen Ottawa verwirrt war oder ein radikalisierter Islamist. Michael Z.-B. konvertierte vor einem Jahr zum Islam und ging regelmäßig in die Moschee. Er habe aber nicht zum Extremismus geneigt, sagen Freunde und Bekannte. Stattdessen habe der junge Mann immer von Teufeln und Dämonen erzählt.

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