Werden wir künftig öfter solche Fotos sehen? Der Wohnwagenpark Pine Grove (Kiefernhain) in Paradise in Kalifornien ist komplett abgebrannt. Foto: dpa

Brände in Kalifornien und Trockenheit in Deutschland sind nur der Anfang. Weil sich wichtige Windströmungen ändern, stehen uns bald vermutlich öfter apokalyptische Bilder ins Haus.

Stuttgart - Die Zahl der Todesopfer durch die verheerenden Waldbränden in Kalifornien steigt täglich. Immer neue Leichen werden in ausgebrannten Häusern und Autos gefunden. So stieg beim sogenannten Camp-Feuer im Norden des Bundesstaats die Zahl der Toten auf 56. Dies sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat. Und es könnten noch mehr werden – offiziellen Angaben zufolge werden derzeit noch 130 Menschen vermisst. Der Ort Paradise nördlich von Sacramento gleicht jedenfalls einer Geisterstadt. Der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sagte, der Wiederaufbau und die vorübergehende Versorgung der Menschen dort seien eine enorme Herausforderung.

Auch im Süden Kaliforniens wüten die Brände bei Malibu nordwestlich von Los Angeles weiter. Dort kamen bisher zwei Menschen in den Flammen um, eine dritte Leiche steht offenbar auch in Zusammenhang mit dem Feuer. Tausende Bewohner mussten sich in Sicherheit bringen und ihre Häuser verlassen. Die Brände sind zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle. Die Feuerwehrleute hoffen, dass nachlassende Winde und mehr Feuchtigkeit in der Luft in den kommenden Tagen die Brandbekämpfung erleichtern.

Der Schaden geht in die Milliarden: Hunderte Quadratkilometer Wald und Buschland sowie Tausende von Häusern sind abgebrannt. Die Aktie des Energieversorgers Pacific Gas & Electric (PG&E) stürzte ab, nachdem Opfer des nordkalifornischen Brands Klage gegen das Unternehmens eingereicht hatten. Eine defekte Stromleitung des Unternehmens soll das Feuer dort verursacht haben. Nach eigenen Angaben hat PG&E eine Haftpflichtversicherung für Waldbrände, die Schäden bis umgerechnet 1,2 Milliarden Euro abdeckt – was in diesem Falle kaum reichen dürfte.

Auch die Forstwirtschaft ist für das Inferno mitverantwortlich

Mit den schlimmen Bränden ist auch die Diskussion über deren Ursachen wieder voll entbrannt. Einerseits wird eine unzureichende Forstwirtschaft für das Inferno verantwortlicht gemacht, weil über Jahre hinweg zu viel trockenes Holz in den Wäldern belassen wurde. Andererseits weisen immer mehr Studien darauf hin, dass sich das Klima in einer für Kalifornien nachteiligen Weise verändert. So wird es in dem ohnehin warmen und im Sommerhalbjahr trockenen Land noch wärmer.

Dies bedeutet, dass mehr Wasser verdunstet und damit die Vegetation stärker austrocknet. Studien zeigen, dass der Einfluss des Klimawandels noch viel weiträumiger ist: Durch die übermäßig starke Erwärmung der Arktis und die damit im Sommer ständig kleiner werdende Eisbedeckung ändern sich die Temperaturdifferenzen zwischen Norden und Süden. Dies wirkt sich offenbar auf die Windströmungen und deren bisherige Zirkulationsmuster aus. Das betrifft die gesamte nördliche Hemisphäre, also auch Deutschland.

Besonders wichtig für das Wettergeschehen ist der Jetstream, eine Windströmung, die in etwa zehn Kilometer Höhe wellenartig die Nordhalbkugel umgibt. Üblicherweise ändert sich seine wellenförmige Zirkulation dauernd – mal reichen die Wellen in der einen Region weiter nach Süden, mal in der anderen. Ein wesentlicher Antrieb für den Jetstream sind die Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und den Subtropen – und die werden im Zuge der Klimaerwärmung geringer.

Die Wettersysteme halten länger mangels Jetstream

In diesem Sommer waren die Verhältnisse beim Wellenmuster des Jetstreams jedoch vergleichsweise stabil. Dies führte dazu, dass die Hochdruckgebiete über Kalifornien, aber auch über Deutschland, lange Zeit ungestört verharrten: „Wenn die Westwinde aufhören, Wettersysteme voranzutreiben, halten diese länger an – aus ein paar sonnigen Tagen kann eine Hitzewelle werden, anhaltender Regen kann zu Überschwemmungen führen“, beschreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Situation. Dies erklärt, warum es hierzulande 2018 so warm und trocken war – und immer noch ist.

Solche „planetarischen Wellenereignisse“ waren nach Ansicht der Forscher auch für die schlimmen Waldbrände in Kanada 2016, die Überschwemmungen in Europa 2013 und die Hitzewelle in Russland 2010 verantwortlich. Die Aussichten sind wenig erfreulich: Die Autoren einer jüngst im Fachblatt „Science Advances“ publizierten internationalen Studie zu diesem Thema erwarten, dass „solche atmosphärischen Bedingungen um etwa 50 Prozent ansteigen, die einen langsamen, sich breit schlängelnden Jetstream und festgefahrene Wetterextreme begünstigen“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: