Eine Doppelhaushälfte ist aufgrund der Einsturzgefahr in der Nacht nach der Explosion abgerissen worden. Auch die andere Hälfte hat starke Schäden, steht aber noch. Foto: red

Die Ermittelnden müssen in den Trümmern die Gründe für das Unglück finden. Auch Nachbarhäuser haben Schäden erlitten. Bei drei Häusern in der Köllestraße sind Gasanschlüsse gesperrt worden.

Am Tag danach klafft eine riesige Lücke an der Köllestraße. Die Doppelhaushälfte, in der in der Nacht zu Montag eine Explosion alles zerstört hatte, hat die Feuerwehr in der Nacht abreißen lassen, aufgrund der akuten Einsturzgefahr. In solchen Fällen darf und muss die Feuerwehr sofort handeln. Anders sieht es mit der zweiten Haushälfte aus, diese steht noch stabil genug. Man sieht nun in die Räume hinein: Das Feuer hat hier durchgeschlagen und ebenfalls nahezu alles zerstört, die Familien stehen vor dem Nichts. „Was mit der Haushälfte geschieht, muss der Eigentümer in Zusammenarbeit mit den Behörden entscheiden“, sagt der Feuerwehrsprecher Daniel Anand, der den Einsatz an der Köllestraße auch geleitet hat.

 

Der beißende Rauchgeruch liegt noch in der Luft. Etwa 15 Feuerwehrleute sind am Vormittag noch am Einsatzort und halten Wacht, bekämpfen Flammen, die immer wieder aus dem Schutt und aus dem Dachstock der noch stehenden Doppelhaushälfte schlagen. „Feuer aus“, dieses abschließende und beruhigende Kommando, ist noch nicht ertönt. „Das Feuer ist immer noch unter Kontrolle. Aber weil wir nicht rein können, weder auf das Trümmerfeld noch in die zweite Haushälfte, ist es so schwierig, alle Brandherde zu finden und zu löschen“, sagt Daniel Anand.

Mehr wird jetzt erst mal nicht geschehen auf dem Trümmerhaufen des zerstörten Hauses. Die Staatsanwaltschaft hat die Unglücksstelle sperren lassen, denn die Ermittlungen laufen noch. Die Stuttgarter Kriminalpolizei und Sachverständige des Landeskriminalamts untersuchen, was zu der Explosion führte – die Leitung der Ermittlungen liegt bei der Kripo. Die Polizei geht aufgrund der ersten Erkenntnisse davon aus, dass keine Straftat begangen wurde, sondern eine technische Ursache zu der Explosion führte. Wie lange die Analyse noch dauere, steht laut der Polizeisprecherin Ilona Bonn noch nicht fest.

Die Familie kann sich nach der Explosion aus dem Haus retten

Was auch noch geklärt werden muss, ist die Identität der Toten, die am Montagabend unter den Trümmern des Hauses gefunden worden war. Es ist zwar davon auszugehen, dass es sich um die 85-jährige Frau handelte, die in einem oberen Stock in der zerstörten Haushälfte gewohnt hatte. Eine genaue Untersuchung müsse trotzdem sein, um die Identität der toten Frau zweifelsfrei festzustellen, erläutert die Polizeisprecherin – auch wenn es als sicher gilt, dass es sich um die am Montag vermisste 85-Jährige handelt. Ihre Familie wohnte in den unteren Stockwerken und kam rechtzeitig aus dem Haus. Die 55 und 56 Jahre alte Eltern und ihre elf und 13 Jahre alten Kinder wurden verletzt, aber nicht lebensgefährlich. Sie kamen in ein Krankenhaus.

An Gasanschlüssen in der Nachbarschaft sind Schäden entstanden

An der Theorie, dass die Explosion aufgrund irgendeines Problems mit den Gasleitungen und den angeschlossenen Geräten im Haus geschehen sein muss, hat inzwischen niemand mehr Zweifel. Dafür sprechen auch Schäden an Gasanschlüssen, die in der Umgebung entstanden sind – aufgrund der Explosion in dem Haus. Es laufen parallel zu den Aufräumarbeiten und Ermittlungen Reparaturarbeiten an Nachbarhäusern. Durch die Gasexplosion haben die Leitungen zu den zwei direkt angrenzenden Häusern und die Hausanschlüsse dieser Gebäude gelitten, erläutert Hans-Jörg Großcurth von der Netze BW. Wohl durch die Druckwelle der Explosion seien dort Schäden entstanden. Daher würden die Leitungen bis zu den Nachbarhäusern und die Hausanschlüsse erneuert. „Bis zum Hausanschluss ist die Leitung Sache der Netze BW, danach der Hauseigentümer“, erläutert Pressesprecher Großcurth.

Bei den Untersuchungen nach dem Unglück seien auch noch weitere Hausanschlüsse und die Leitungen gecheckt worden – in beide Richtungen mehrere Hundert Meter weit die Straße entlang. Die Kontrolle sei in der Nacht nach der Explosion vorgenommen worden. „Gegen 2 Uhr waren die Leute in der Nacht zum Dienstag unterwegs“, schildert Großcurth. Dabei sei an einem weiteren Hausanschluss auch ein Problem entdeckt worden. Das sei jedoch nicht auf die Explosion zurückzuführen. Jedoch habe man umgehend den Anschluss gesperrt, damit nichts passieren kann, und werde auch hier den Hausanschluss erneuern. So sind insgesamt drei Häuser an der Köllestraße aktuell ohne Gasversorgung. Das solle so schnell wie möglich behoben werden, kündigt der Sprecher der Netze BW an. Am Dienstagmorgen wurde der Gehweg bereits vor den betroffenen Gebäuden aufgebaggert. Auch diese Spuren der Folgeschäden wird man noch eine Zeit lang sehen an der Köllestraße.