Die berüchtigten Banden, die bundesweit Geldautomaten in die Luft sprengen, haben am Mittwochmorgen in Gerlingen zugeschlagen. Von den Tätern fehlt vorerst jede Spur.
Die Kreissparkasse in Gerlingen ist am frühen Mittwochmorgen ins Visier einer Bande von Geldautomatensprengern geraten.
Der Eingang der Filiale wurde durch die Wucht der Explosion zerstört. Wie schon vor knapp zwei Jahren haben die Täter kurz nach 2 Uhr zugeschlagen. Die Täter sind entkommen – und die Polizei sortiert noch ihre Erkenntnisse: „Es hat sehr viele Hinweise gegeben“, sagt die Ludwigsburger Polizeisprecherin Victoria Zahler, „aber nicht alle haben sich bestätigt.“ Über die Höhe der Beute und die Schadenssumme liegen ebenfalls noch keine Erkenntnisse vor, die Kreissparkasse verweist auf die laufenden Ermittlungen. Es dürfte um Zehntausende Euro gehen.
Wie es heißt, sollen gleich zwei Explosionen die Anwohner aus dem Schlaf geschreckt haben. In typischer Manier der Bankomat-Bomber wurden zwei Automaten offenbar mit Sprengstoff zerstört und geplündert. Anschließend flüchteten die Täter – über die Panoramastraße, was womöglich dafür spricht, dass es in Richtung der Autobahn 8 ging. Aufgeschreckt von der Brandmeldeanlage wurde auch die Gerlinger Feuerwehr, die an den Tatort ausrückte. Zerstörte Fenster und herumliegende Gebäudeteile blieben am Tatort zurück.
Nach ersten Zeugenaussagen sollen zwei Fahrzeuge als Fluchtwagen benutzt worden sein. Ob dies zutrifft, wird derzeit abgeklärt. Zeugen wollen einen Mercedes mit Böblinger Kennzeichen und einen Audi mit Karlsruher Nummernschild gesehen haben. Allerdings sind Autokennzeichen wenig zielführend, weil sie in solchen Fällen zumeist zuvor gestohlen worden sind. Von den Tätern gibt es die üblichen Beschreibungen: „Maskiert, dunkel gekleidet“, sagt Polizeisprecherin Zahler. Hinweise werden erbeten an die Rufnummer 0 800 / 110 02 25. Die Filiale ist nach Angaben der Kreissparkasse „bis auf Weiteres nicht geöffnet“. Die Beratung in den oberen Geschlossen sei von Montag an wieder möglich. Die Bargeldversorgung für die Gerlinger Kunden sei sichergestellt. Eine Bargeldabhebung sei bei den Geldautomaten in der Feuerbacher Straße 13 und der Weilimdorfer Straße 95 sowie kostenfrei bei der Filiale der BW-Bank in der Hauptstraße 33 möglich.
Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Gerlingen waren mehrere Stunden im Einsatz – zunächst wegen eines Brandmeldealarms. Tatsächlich war laut dem Wehrsprecher Dennis Blos der Abschnitt der Hauptstraße nach der Sprengung zunächst weitgehend verraucht gewesen.
Der Fall erinnert an einen ähnlichen Angriff am 22. September 2022. Ebenfalls in der Hauptstraße, allerdings bei der Deutschen Bank, hatten drei dunkel gekleidete Täter gegen 2 Uhr zugeschlagen, waren mit einem dunklen Kombi mit sehr lautem Motorengeräusch über die Leonberger Straße mutmaßlich in Richtung A 81 geflüchtet. Damals waren sie mit einem Audi mit Karlsruher Kennzeichen entkommen. Tatort war die Filiale auch schon am 12. September 2018, als vier Täter im Vorraum einen Geldautomaten sprengten und in einem schwarzen Audi flüchteten. Damals ohne Beute.
Wer sind die Täter?
Bei den Bankomat-Bombern soll es sich zumeist um Banden aus den Niederlanden vorwiegend nordafrikanischer Herkunft handeln. Sie gelten als rabiat und rücksichtslos – besonders auf der Flucht. Im November 2023 gab es bei Heilbronn einen traurigen Höhepunkt: Auf der Flucht rammte ein Täter als Falschfahrer auf der A6 ein entgegenkommendes Fahrzeug. Der Beifahrer des betroffenen Kleintransporters starb später im Krankenhaus. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) fordert eine Strafverschärfung. Ob dies abschreckt? Dazu müsste man erst die Täter erwischen, die offenbar immer neue Mitglieder rekrutieren.
Auch in diesem Jahr kam es immer wieder zu Angriffen auf Geldautomaten in der Region. Am 8. April wurde ein Geldautomat in einem Supermarkt in Schwaigern (Kreis Heilbronn) gesprengt. Am 28. Februar traf es eine Kreissparkassen-Filiale in Altenriet (Kreis Esslingen), wo ein schwarzes Trio unter anderem 50 000 Euro Gebäudeschaden hinterließ.