Nach dem Start einer Spendenaktion zur Explosion in Albstadt erreichten den Initiator viele Beschwerden. Foto: Jannik Nölke/dpa

Nach Kritik an einer Spendenaktion nach der Explosion in Albstadt bezieht GoFundMe Stellung. Die Plattform widerspricht der Darstellung des Initiators.

Nach der tödlichen Explosion in Albstadt und der sich daran anschließenden Spendenaktion auf der Plattform GoFundMe gibt es neue Erkenntnisse zum umstrittenen Spendenziel. Entgegen der Darstellung des Initiators Gaetano Furore, wonach die Zielsumme automatisch durch die Plattform erhöht worden sei, stellt GoFundMe-Pressesprecherin Daniela Breitenberger gegenüber dem Schwarzwälder Boten klar: „Das Ziel wird vom Initiator entschieden. GoFundMe setzt oder erhöht das Spendenziel ausschließlich mit der ausdrücklichen Einwilligung des Initiators.“

 

Nach Angaben des Unternehmens müssen Initiatoren beim Erstellen eines Spendenaufrufs ein konkretes Ziel festlegen. Zusätzlich könne optional eine sogenannte automatische Zielanpassung aktiviert werden. Diese passe sich zwar dynamisch an den Spendenverlauf an, überschreite jedoch niemals ein vom Initiator zuvor festgelegtes Maximalziel.

„Die automatische Anpassung schaltet sich automatisch aus, sobald das vom Initiator angegebene Spendenziel erreicht wurde“, so Breitenberger. Auch diese Funktion könne jederzeit deaktiviert oder begrenzt werden.

Initiator hat Zielsumme selbst mehrfach geändert

Im konkreten Fall aus Albstadt habe der Initiator die Zielsumme selbst mehrfach verändert. Nach Angaben von GoFundMe wurde die Spendenaktion zunächst mit einem Ziel von 20.000 Euro gestartet, wobei die automatische Zielanpassung aktiviert war. „Der Initiator hat während des Spendenaufrufs das Ziel mehrmals geändert“, teilt die Pressesprecherin mit. Die letzte Anpassung sei am 9. Januar erfolgt – von zuvor 110.000 Euro auf 64.000 Euro. Kurz darauf habe der Initiator die Annahme weiterer Spenden deaktiviert.

Für Außenstehende ist allerdings nicht ersichtlich, ob eine Zielerhöhung vom Initiator selbst vorgenommen wurde oder im Rahmen einer automatischen Anpassung erfolgt.

97 Prozent der Spenden kommen beim Hilfsbedürftigen an

Zu den Gebühren erklärt Breitenberger, dass pro Spende Kosten in Höhe von 2,9 Prozent plus 0,25 Euro anfallen. Diese dienten der Zahlungsabwicklung und Sicherheit der Überweisungen. „Das Entscheidende ist, dass 97 Prozent direkt beim Hilfsbedürftigen ankommen“, so die Sprecherin.

Darüber hinaus stütze sich das Unternehmen „hauptsächlich auf freiwillige Beiträge von Spendern“, um den Betrieb der Plattform zu finanzieren. Die Gebühren würden an mehreren Stellen transparent ausgewiesen, unter anderem beim Erstellen eines Spendenaufrufs und in der Auszahlungsübersicht.

Sicherheit der Nutzer hat „höchste Priorität“

Angesichts der Vorwürfe und Anfeindungen, von denen der Initiator berichtet hatte, verweist GoFundMe auf verschiedene Schutzmechanismen. Die Sicherheit der Nutzer habe „höchste Priorität“, erklärt Breitenberger. Initiatoren hätten unter anderem die Möglichkeit, Kommentare und Kontaktfunktionen zu deaktivieren. Beschwerden und Vorwürfe würden ernst genommen und sorgfältig geprüft.

Wird eine Spendenaktion gemeldet, kann GoFundMe die Auszahlung der Gelder vorübergehend sperren. Voraussetzung für eine Freigabe sei eine eindeutige Verifizierung des Initiators, des Empfängers sowie der geplanten Verwendung der Mittel. „Wenn dies unklar ist, werden die Auszahlungen gesperrt, bis diese Überprüfung abgeschlossen ist“, heißt es. In seltenen Fällen von Missbrauch könne eine Spendenaktion vollständig entfernt und ein Konto gesperrt werden. Man verfolge eine „Null-Toleranz-Politik gegenüber dem Missbrauch unserer Plattform“.

Rückerstattungen an Spender können veranlasst werden

Eine Auszahlungssperre auf ausdrücklichen Wunsch des Initiators sei hingegen nicht möglich. Grund dafür sei der externe Zahlungsabwickler. Sollte Geld gesammelt worden sein, das nicht mehr benötigt werde, könne GoFundMe jedoch gemeinsam mit dem Initiator Rückerstattungen an Spender veranlassen.

Nach Angaben der Sprecherin arbeitet derzeit ein spezielles Support-Team mit dem Initiator der Albstädter Spendenaktion zusammen. Ziel sei es, „jegliches Missverständnis aus dem Weg zu räumen“ und ein öffentliches Update zu veröffentlichen, um die Entwicklung des Spendenziels transparent zu erklären.

Initiator weist Vorwürfe von sich

Initiator Furore widerspricht der Darstellung von GoFundMe. Nach eigenen Angaben habe er das Spendenziel nicht ändern können und beharrt darauf, dass ihm keine manuelle Anpassung möglich gewesen sei. Die von der Plattform dargestellten Abläufe könne er so nicht bestätigen, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Spendenaktion ist mittlerweile beendet worden. Wie GoFundMe gegenüber unserer Redaktion sagte, werde die Spendensumme direkt an die Angehörigen ausbezahlt – gesammelt wurden rund 68.000 Euro.