Wer kurzfristig einen Handwerker sucht, hat schlechte Karten. Gabriele Hanisch von der Handwerkskammer Stuttgart gibt Verbrauchern Tipps, um ihre Chancen zu verbessern.
Im Haus ist etwas kaputt und muss repariert werden? Das Dach soll gedämmt, die Solarzellen installiert werden? Schnell einen Handwerker zu bekommen ist derzeit schwierig. Gabriele Hanisch, Geschäftsführerin des Fachbereichs Unternehmensservice der Handwerkskammer Stuttgart, weiß Rat.
Frau Hanisch, es ist zurzeit nicht einfach, einen guten Handwerker zu finden, vor allem kurzfristig. Woran liegt das?
Es kommt darauf an, von welchem Handwerk Sie sprechen. Bäcker zum Beispiel betrifft das nicht. Aber wenn es um Bau- und Ausbaubetriebe geht, kann es schon schwierig werden, einen Handwerker zu bekommen. Das liegt zum einen an der Energiewende, bei der das Handwerk sehr gefragt ist. Die Nachfrage nach Sanierungen ist stark gestiegen, etwa nach Wärmedämmungen und Solaranlagen, oder denken Sie nur an das Thema Smarthome. Zum anderen gibt es aber natürlich auch den Fachkräftemangel, der zu einem Engpass führt. Aktuell kommt erschwerend der Materialengpass hinzu.
Welchen Tipp können Sie Verbrauchern geben, um einen guten Handwerker zu finden?
Da stellt sich erst einmal die Frage: Was ist ein guter Handwerker? Das ist immer individuell. Pauschal würde ich aber sagen: über Empfehlungen. Viele gute Handwerksbetriebe machen selbst wenig Werbung, weil ihre Kunden sie weiterempfehlen. Da lohnt es sich, Bekannte oder Nachbarn zu fragen. Außerdem sollte man nach Handwerkern in der Nähe suchen und sich die Internetseite des Betriebs ansehen. Ich sage immer: Handwerk ist sehr persönlich. Man sollte also auf jeden Fall in einem persönlichen Gespräch schauen, ob man sich als Kunde in seinen Wünschen und Vorstellungen verstanden fühlt.
Wie können Verbraucher seriöse von unseriösen Handwerkern unterscheiden?
Gehen wir einmal von seriösen Handwerkern aus. Seriöse Handwerker erkennt man daran, dass sie kompetent und lösungsorientiert beraten. Sie bieten individuelle und passgenaue Lösungen an. Ein seriöser Handwerker wird auch in der Regel anfangs eine Besichtigung vor Ort vornehmen, um sich ein Bild von der Arbeit zu machen. Als Verbraucher kann man schon eine gewisse Vorselektion treffen, indem man sich die Internetseite des Betriebs anschaut. Zum Beispiel: Ist er ein Meisterbetrieb? Ist er Innungsmitglied? Die Innungen sind gewerkspezifische regionale Handwerksorganisationen. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, und dort ist das fachliche Know-how für gewöhnlich sehr hoch.
Was können Verbraucher tun, wenn sie den Eindruck haben, auf ein unseriöses Angebot hereingefallen zu sein?
Unseriös kann Verschiedenes bedeuten, etwa eine schlechte Dienstleistung, nicht termingerechtes Arbeiten oder höhere Kosten als angekündigt. Aber manchmal bekommen wir bei der Handwerkskammer auch Anfragen von Verbrauchern, bei denen wir feststellen, dass es gar kein konkretes Angebot gab, sondern der Auftrag blanko vergeben wurde. Wenn keine festen Absprachen getroffen wurden, wird es schwierig. Es gibt also immer zwei Seiten. Generell ist es ratsam, das Gespräch mit dem Handwerker zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Wir bieten in der Handwerkskammer hierfür ein Vermittlungsverfahren zwischen Kunden und Handwerkern an. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass beide Parteien kompromissbereit sind. Ein Kompromiss ist im Zweifelsfall besser als eine langwierige juristische Auseinandersetzung.