Die e-Patientenakte ist inzwischen in Praxen und Kliniken Pflicht. Welche Vorteile soll sie bringen und wie funktioniert sie? Darüber diskutieren Experten mit Lesern.
Seit Oktober ist die elektronische Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten freigeschaltet. Viel verbessert hat sich seitdem für die Patienten beim Arztbesuch nicht. Auch in den Hausarztpraxen von Hans-Jörg Wertenauer bilden sich zu Quartalsbeginn oft lange Schlangen. Häufig handelt es sich um Menschen, die eine Dauermedikation brauchen und beim Arzt wieder ihre Versichertenkarte einlesen lassen. Unnötig sei die Warterei, findet der Stuttgarter Hausarzt. Wären die Möglichkeiten der elektronischen Patientenakte realisiert und würden genutzt, könnten die Betroffenen bequem per App den Versicherungsnachweis erbringen. „Das wäre hilfreich“, sagt Wertenauer.
Ärzte und digitale Experten diskutieren
Und noch immer kommen Arztbriefe häufig per Fax von anderen Medizinern, ebenso Entlassbriefe aus Kliniken. Beide müssen aufwendig gescannt werden. „Eine Heidenarbeit“, sagt der Mediziner, der in der Coronazeit Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung für Stuttgart war. Dazu die Unkenntnis vieler Patienten. Diese noch ausführlich zur E-Akte zu beraten, dafür reiche die Zeit nicht, klagt Wertenauer.
Es hapert noch an einigem: Darin sind sich die Experten einig, die am kommenden Donnerstag, 11. Dezember, bei unserer Podiumsveranstaltung „Mittendrin“ mit Lesern diskutieren wollen. Der Titel: „Die ePa – Vertrauen wagen oder skeptisch bleiben?“ An dieser werden sich neben Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, auch Matthias Fabian von der Bezirksärztekammer Nord-Württemberg beteiligen. Der Oberarzt im Klinikum Stuttgart ist Vorsitzender des Ausschusses IT im Gesundheitswesen und kann einiges über die Schnittstelle zwischen Praxis und Kliniken berichten.
Weiter wird Michael Noll von der AOK Baden-Württemberg dabei sein. Er ist Geschäftsbereichsleiter Digitale Innovationen und beschäftigt sich seit Jahren mit der elektronischen Patientenakte. Welche Erwartungen und Befürchtungen Patientinnen und Patienten haben, die auf regelmäßige Arztbesuche angewiesen sind, wird Anette Spitzenpfeil schildern, die Leiterin der Stuttgarter Frauenselbsthilfegruppe Krebs, die für ihr soziales Engagement in diesem Jahr zur Stuttgarterin des Jahres gewählt wurde.
Was denken chronisch Kranke darüber?
Moderiert wird die Diskussion von Regine Warth, Redakteurin im Bereich Gesundheit von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Veranstaltungsort: Haus der Architektinnen und Architekten in Stuttgart, Danneckerstraße 54, Beginn: 19 Uhr.
In den Arztpraxen von Hans-Jörg Wertenauer versucht man derweil, den Anforderungen des digitalen Systems Herr zu werden. Er sagt, er sei „ein absoluter Verfechter der ePa“. Wenn sie funktioniert. Immerhin: Für das erste Quartal 2026 wurde ein Update des Arztinformationssystems angekündigt. Der Internist würde sich wünschen, dass Institutionen wie Volkshochschule oder Stadtseniorenrat gerade für ältere Menschen verstärkt Info-Angebote machen: So sei schon die Online-Terminvergabe ein „enormer Fortschritt“ für die Praxen. Ein Großteil der Patienten buchten ihre Termine heute schon so – „viele ältere Patienten aber nicht“.
Weiter Informationen gibt es unter: www.zeitung-erleben.de/mittendrin