Bei einem Podiumsgespräch der Kreissparkasse Waiblingen in der Fellbacher Schwabenlandhalle geben sich die Protagonisten optimistisch. Was die Finanzexperten Privatanlegern jetzt raten.
Die gute Botschaft vorweg: Zwei renommierte Volkswirte und ein einschlägig bewanderter Fernsehjournalist sind zumindest verhalten optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft auch die aktuell durch den Russlandfeldzug in der Ukraine hervorgerufene Krise bewältigen wird. Mehr noch: Die Experten bei einem Podiumsgespräch der Kreissparkasse Waiblingen in der Fellbacher Schwabenlandhalle glauben daran, dass sich manche Entwicklungen, ähnlich wie bei Corona, beschleunigen werden.
Ungemütlicher Winter, aber...
„Es wird sicherlich ein ungemütlicher Winter werden, aber ich bin sicher, dass die deutsche Wirtschaft auch diese Krise meistern wird“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank und Vorsitzender des Beirates für Wirtschaftsfragen im Verband Öffentlicher Banken. Kater stützt sein Vertrauen auf bewährte Mechanismen der Marktwirtschaft und die deutschen Unternehmen, die sich auch in anderen Krisen als stark und flexibel erwiesen hätten. Zudem habe man jetzt Monate Zeit (gehabt), sich auf eine drohende Gasmangellage einzustellen.
Für Uwe Burkert, den Generalbevollmächtigten im Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen und früheren Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, bietet die aktuelle Krise gar eine Chance – nämlich, die ohnehin notwendige Umstellung des Energiesystems, also die Energiewende, massiv zu beschleunigen. Viele Themen könnten „ideologiefreier“ angegangen werden. Was das konkret bedeutet? Stromtrassen oder Abstände zu Windrädern würden nun ganz anders diskutiert. „Eine Photovoltaikanlage auf einem denkmalgeschützten Haus? Muss man in dieser Situation auch mal mit einem Ja beantworten können“, sagt Burkert. Der positive Nebeneffekt dabei: ein enormer Investitionsbedarf für die Wirtschaft.
Gleichwohl muss Ulrich Kater dann einräumen: „Die Unsicherheit ist zurzeit das alles überstrahlende Element. Wir befinden uns in einer Situation, die es historisch noch nie gegeben hat.“ Zusätzlich befeuert werde das Ganze durch eine Putin-Propaganda, die genau dieses Ziel habe: den Westen zu verunsichern.
Der kälteste Strahl jener kalten Dusche, die zurzeit auf Deutschland und andere westliche Staaten gerichtet ist, sei die Inflation, sagt Kater. Wenngleich die Gründe dafür nicht allein in der Energiekrise zu suchen seien – der Staat hat in der Corona-Krise nach Ansicht von Kater zu viel Geld in die Wirtschaft gepumpt –, sei jetzt die Fiskalpolitik gefragt, die Entwicklung zu stoppen. Preisstabilität sei die wichtigste Grundlage für eine florierende Wirtschaft, sagt der Deka-Bank-Stratege. Die Notenbank müsse durch eine geeignete Zinspolitik dazu beitragen, die Märkte zu stabilisieren.
„Die Inflationsbekämpfung muss jetzt oberste Priorität haben“, sagt Kater, wohl wissend, dass dadurch in den kommenden Jahren ein weniger großes Wachstum erreicht werden kann. Höhere Einkommen müssten sich demnach auf einen gewissen Wohlstandsverzicht einstellen, der Staat soziale Härtefälle gezielt ausgleichen.
Was Sparer jetzt tun sollten
Und wie soll der Privatsparer reagieren? Seit Mittwoch könne er die frohe Botschaft verkünden, auf Einlagen auf Girokonten keinen Verwahrungszins mehr verlangen zu müssen, sagt der Sparkassenchef Burkert. Die von der Notenbank bisher verfügte zarte Zinssteigerung sei zwar bei Weitem noch nicht geeignet, die Verluste der Inflation auszugleichen, aber es sei ein psychologisch wichtiges Signal gemacht worden. Was aber tun mit seinem Geld? Ruhe bewahren, nicht überstürzt handeln und an Strategien festhalten, empfiehlt Burkert. Aktienmärkte sind immer Schwankungen unterworfen, auch mal extrem, aber auf lange Sicht immer gewachsen. Markus Gürne, Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion, denkt, dass die Anleger jetzt bestenfalls in die Transformierung der Wirtschaft investieren sollten und so das Prinzip Ökonomie finanziert Ökologie funktioniert. Gürne nennt das „Geld verdienen mit gutem Gewissen“. Allerdings werde man die kommenden Jahre vielleicht auch „den ein oder anderen Traum in Realismus überführen“ müssen.