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Bei der zweiten Infoveranstaltung zu den strukturellen Veränderungen im Klinikverbund war die Herrenberger Stadthalle, anders als im Juli, nur knapp zur Hälfte gefüllt – die weiterentwickelten Pläne für den Standort Herrenberg standen im Mittelpunkt.

Landrat Roland Bernhard hat Wort gehalten: Bei der ersten gemeinsamen Informationsveranstaltung des Landkreises Böblingen und des Klinikverbunds Südwest (KVSW) zur geplanten, groß angelegten Neustrukturierung in der vollen Herrenberger Stadthalle Mitte Juli hatte er versprochen, dass es dort im Herbst eine zweite Info-Runde zu konkretisierten Plänen geben wird. Dieses Versprechen hat er nun am Mittwochabend eingelöst.

 

Zur Erinnerung: Nicht nur finanzielle Aspekte, sondern auch Vorgaben für Versorgungsstruktur und -qualität, die anstehende Krankenhausreform, zunehmende Ambulantisierung und insbesondere der Fachkräftemangel machen Veränderungen in der Kliniklandschaft unvermeidbar. Auf Basis des ursprünglichen Lohfert & Lohfert-Gutachten war unter anderem geplant, dass der Gäu-Standort den 24-Stunden-Betrieb verliert und lediglich 40 Betten im Tagbetrieb erhalten bleiben sollen.

Vom Krankenhaus zum Gesundheitszentrum

Seitdem ist einiges in Bewegung geraten. Dies sei auch einem breiten, von Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler initiierten Bündnis aus unterschiedlichen Interessengruppen zu verdanken, die nicht in Blockadehaltung verfallen seien, sondern konstruktiv an einer zukunftsfähigen Verbesserung gearbeitet hätten, betonte der Oberbürgermeister zum Auftakt der etwas über zweistündigen Veranstaltung. Durch diese führte der aus Funk und Fernsehen bekannte Journalist Markus Brock.

Vertreterinnen und Vertreter aus der Ärzteschaft des Herrenberger Krankenhauses, von karitativen Einrichtungen und aus Reihen des Krankenhausfördervereins sowie niedergelassene Ärzte sind Teil des Bündnisses, zudem Hebammen, Vertreter der Kirchengemeinde, Mitglieder des Herrenberger Gemeinderats sowie des Kreistags plus Bürgermeister aus dem Oberen Gäu. Diese Runde hat einen Acht-Punkte-Plan für ein „integriertes Gesundheitszentrum“ für Herrenberg erarbeitet. Der Aufsichtsrat der Holding habe diesen Vorschlag bereits übernommen, berichtete der OB von einer ersten erfolgreich genommenen Hürde. Final entscheiden die Kreistage in Böblingen und Calw am 18. Dezember.

Roland Bernhard, der auch KVSW-Aufsichtsratsvorsitzender ist, und KVSW-Geschäftsführer Alexander Schmidtke, erläuterten die nun vorliegenden Pläne für die Gäustadt: Laut diesen sollen das „integrierte Gesundheitszentrum“ unterm Strich 120 Betten zählen. Unter anderem, weil anders als ursprünglich angedacht, die vorhandene Palliativstation nicht wegfällt, sondern von sechs auf 20 Betten ausgebaut wird. Durch die geplante Ansiedlung einer stationären geriatrischen Rehabilitation mit 30 Betten gebe es zukünftig in Herrenberg eine ärztliche Anwesenheitsbereitschaft rund um die Uhr. Damit sei eine Grundvoraussetzung erfüllt, damit in Herrenberg auch weiterhin eine ständig besetzte Anlaufstelle für Notfälle möglich wird, so Schmidtke. In diesem Punkt sei jedoch noch nicht jedes Detail geklärt. In Herrenberg soll außerdem das zentrale ambulante OP-Zentrum des KVSW für elektive, also planbare Eingriffe, aufgebaut werden – eine Erweiterung des Klinikangebots von 40 vorgehaltenen Betten für die allgemeinmedizinische Basisversorgung, dem bereits bestehenden Angebot des medizinischen Versorgungszentrum, das um die Abteilungen Allgemein- sowie Kinder- und Jugendmedizin erweitert wurde, sowie 30 Kurzzeitpflegebetten.

Gynäkologie muss gehen

Herrenbergs ärztlicher Direktor Michael Jugenheimer sieht darin eine „große Chance“ und ein „Alleinstellungsmerkmal“, wie er in der anschließenden Fragerunde betonte. Gemeinsam mit Ines Vogel, Chefärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Herrenberger Krankenhauses, sowie Michael Jugenheimer, ärztlicher Direktor Herrenberg, Uwe Helber, Chefarzt-Kardiologie Nagold-Herrenberg, und Michael Beier, Chefarzt Zentrale Notaufnahme Leonberg, gesellte er sich dabei zu Bernhard und Schmidtke auf die Bühne. Neben verschiedenen notfall- und medizinischen Aspekten wurde natürlich auch ein bitteres Thema angesprochen: die geplante Verlagerung der bei der Bevölkerung geschätzten Gynäkologie samt Geburtshilfe nach Nagold. Chefärztin Ines Vogel erläuterte, dass wenn für diesen Bereich mit „sehr strengen gesetzlichen Vorgaben“ nicht alle erfüllt seien, es beispielsweise keine Intensivstation mehr in einem Haus gebe, sei die Verlegung die logische Konsequenz.