Tomaten benötigen zum Wachsen jede Menge Sonne. Foto: goodluz / Shutterstock.com

Das Anlegen eines eigenen Gemüsegartens ist leichter als gedacht. "Das Wichtigste ist die Liebe zur Natur", weiß Garten-Expertin Eliz Simon. Im Interview verrät sie die wichtigsten Schritte für den Eigenanbau.

Der eigene Garten ist für viele gerade jetzt in der Corona-Krise ein willkommener Rückzugsraum. Der perfekte Zeitpunkt, um endlich den Traum vom eigenen Gemüsegarten in die Tat umzusetzen. Doch das bedarf einer ordentlichen Planung, insbesondere für Garteneinsteiger. Welche Arbeitsschritte zu beachten sind, welche Pflanzen nur wenig Pflege benötigen und was vor allem Anfänger für den eigenen Gemüsegarten mitbringen sollten, verrät Eliz Simon, Autorin von "Versorge dich selbst: Das große Handbuch - von Obst- und Gemüseanbau über Tierhaltung bis zur eigenen Kosmetik", im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news.

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Welche Schritte muss man beim Einpflanzen von Gemüse im eigenen Garten beachten?

Eliz Simon: Ein fruchtbarer Boden ist das Wichtigste. Kleine Pflanzen brauchen gesunde und auch eine liebevoll gepflegte Umgebung, damit sie heranwachsen und groß und stark werden können. Was für Kinder das Elternhaus und die Schule ist, das ist für Pflanzen der nahrhafte, humusreiche Gartenboden, in den sie ihre zarten Wurzeln schlagen können.

Humus ist eine zersetzte, organische Substanz - abgestorbene Bäume, die vor tausend Jahren auf Ihrem jetzigen Gartengrundstück standen, genauso wie Erde aus Ihrem Komposthaufen oder Pferdemist aus dem nahegelegenen Ponyhof. Da die Humusschicht mit der Zeit dünner wird, ist ein regelmäßiger Nachschub wichtig - etwa ein- bis zweimal im Jahr. Wer allerdings jetzt im April schnell gute Erträge sehen möchte, der greift am besten auf organischen Dünger aus der Gärtnerei zurück und verschiebt die Grunddüngung auf den Herbst.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Gemüse, das man auspflanzt, und Gemüse, das man aussät. Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini oder Kohlgemüse werden gerne gepflanzt, da sie sehr frostempfindlich sind. Bei schnellwachsenden, unempfindlichen Pflanzen ist eine Aussaat schneller und vor allem kostengünstiger. Dazu wird der Boden mit einer Hacke und einem Rechen so lange bearbeitet, bis er feinkrümelig ist (wichtig, damit die Samen Bodenanschluss bekommen). Mit der Hacke zieht man dann eine Rille und sät die Samen aus. Die Abstände der einzelnen Samen sind auf den Packungen vermerkt. Seien Sie dabei aber ruhig etwas großzügiger!

Welche Gemüsesorten sind besonders pflegeleicht?

Simon: Auch wenn Fruchtgemüsesorten wie Zucchini oder Kürbisse anfänglich frostempfindlich sind, so sind sie doch, wenn sie einmal eine gewisse Größe erreicht haben, äußerst pflegeleicht. Zucchini und Kürbisse sind Flachwurzler und brauchen nichts außer einem Topf mit gut gedüngter Erde. Dann fangen sie schnell an zu wachsen, begraben alles um sich herum unter ihren grünen Blättern und im Spätsommer hat man eine gute Ernte.

Pflegeleichte Sorten zum Aussäen sind: Salat, Radieschen, Spinat, Mangold, Erbsen, Buschbohnen und Zwiebeln. Grundsätzlich gilt: Je schneller und leichter eine Pflanze keimt, umso pflegeleichter ist sie. Größere Samen wie Mangold, Erbsen und Bohnen lassen sich außerdem leichter aussäen und portionieren.

Welche Gemüsesorten verlangen dagegen nach viel Fingerspitzengefühl?

Simon: Bei allen kleinen Samen wie Petersilie, Möhren und verschiedenen Kräutern ist Vorsicht angebracht, denn diese Samen benötigen eine besonders feinkrümelige Erde. Je kleiner das Samenkorn ist, umso feiner sollte die Erde sein, damit der Bodenanschluss stattfinden kann. Möhren haben zudem eine sehr lange Keimzeit. Manche Gärtner fügen den Möhrensamen daher einige Körner Radieschensamen hinzu, die sehr schnell aufgehen - so sieht man wenigstens nach einigen Tagen, wo überhaupt die Reihe verläuft.

Manche Pflanzen sind empfindlicher gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Gerade Möhren reagieren schnell auf Nematoden, verwachsen schnell oder sind verwurmt. Lauch verträgt keinen frischen Dünger, Kohlpflanzen und Fruchtpflanzen dagegen brauchen viel Dünger. Tomaten müssen an sonnigen Stellen gepflanzt werden und vertragen keinen Regen.

Welche Wetterbedingungen fördern das Wachstum der Pflanzen?

Simon: Hier gelten die alten Bauernregeln: April kalt und nass, füllt Scheuer und Fass. Mairegen bringt Segen. Im Frühjahr sollte es regnen. Trockenes Aprilwetter wie derzeit ist Gift für alles, was wachsen soll, denn der Same und die junge Pflanze brauchen viel Wasser. Ein milder und regenreicher Mai ist eine Wohltat für die Natur - dann herrscht "Wachswetter", wie man in der Landwirtschaft sagt.

Wie oft sollte man die Pflanzen gießen?

Simon: Das hängt ganz entscheidend vom Wetter ab. Die zwei vergangenen Sommer waren nicht nur sehr heiß, es herrschte auch ziemliche Trockenheit. An solchen Tagen kann es sinnvoll sein, den Garten einmal täglich zu gießen. Man gießt am besten abends, damit das Wasser eindringen kann und die Sonne nicht sofort alles wieder austrocknet. Ein Beet sollte im Laufe der Vegetationszeit (also in der Zeit zwischen April und September) mindestens drei - bis viermal gehackt und aufgelockert werden. Das hält das Unkraut ab, es versorgt die Wurzeln mit Luft, Schnecken und Ungeziefer werden vertrieben und die Feuchtigkeit wird länger gespeichert.

Nicht jeder verfügt über einen eigenen Garten. Lassen sich manche Gemüsesorten auch auf dem Balkon züchten?

Simon: Natürlich. Ein Balkon oder eine Terrasse können zu einem wahren Refugium und Gartenparadies werden, wenn man sie richtig anlegt. Der Balkon hat den Vorteil, dass man keine großen Wege hat, sondern mit zwei Schritten aus der Küche im "Beet" ist, wo man ernten kann. Man besorgt sich so viele (nicht zu hohe) Pflanzenkübel, wie man stellen möchte und Platz hat. Es gehen auch gewöhnliche Plastikeimer aus dem Baumarkt, in die man unten Löcher bohrt, damit das Wasser nicht staut. Auch Untersetzer sind wichtig, damit das Wasser nicht plötzlich auf dem Balkon des Mieters im Stockwerk darunter landet.

Ich empfehle, die Eimer im Herbst mit einer Mischung aus Erde vom Acker (Bauern vorher fragen), ein paar Säcken Erde aus dem Gartenmarkt und möglichst viel Blattmasse, Rasenschnitt, Häcksel, Kompost und Mist vom Bauern zu befüllen. Das Gemisch den Winter über stehen lassen, sodass die Masse kompostiert. Als Pflanzen empfehle ich Salate, Kräuter, Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbisse, Paprika, Auberginen und Kohlgemüse.

Welche Tipps würden Sie Garteneinsteigern mitgeben?

Simon: Das Wichtigste ist die Liebe zur Natur. Darauf folgt die Liebe zum Kochen. Wer gerne mit frischen Lebensmitteln kocht und außerdem die Natur liebt, für den ist ein Gemüsegarten ein Muss.

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