Am meisten Strom sparen aktive Wechsler, die jedes Jahr den Anbieter wechseln und die hohen Neukundenboni mitnehmen, heißt es bei Stiftung Warentest. Foto: dpa-Zentralbild

Viele Energieversorger erhöhen zum Jahreswechsel die Strompreise. Grund ist vor allem die höhere EEG-Umlage. Um sich den hohen Kosten zu entziehen, gibt es für Verbraucher nur die Möglichkeit, entweder den Versorger oder den Tarif zu wechseln. Verbraucherschützer erklären, was es dabei zu beachten gilt.

Stuttgart - Viele Energieversorger erhöhen zum Jahreswechsel die Strompreise. Grund ist vor allem die höhere EEG-Umlage.

Warum steigen die Strompreise überhaupt?
Um Anreize für den Ausbau der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu schaffen, gibt es ein umfangreiches Fördersystem. Das 2000 beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte Erzeugern bislang 20 Jahre lang die Abnahme von Ökostrom zu festen Preisen, unabhängig von Angebot und Nachfrage. Die sogenannte Einspeisevergütung wird aus der EEG-Umlage bezahlt, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird. Diese Umlage steigt, wenn die Börsenpreise für Strom wie jetzt kräftig sinken. Sie beträgt derzeit 6,35 Cent und wird in 2017 auf 6,88 Cent steigen. Gibt der Versorger die erhöhte Umlage weiter, sind das für einen durchschnittlichen Haushalt (mit 3500 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr) knapp 20 Euro im Jahr, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Viele Unternehmen werden diese Mehrkosten zum 1. Januar umsetzen – und müssen ihren Kunden sechs Wochen vorher die Preisänderung mitteilen – also bis zum 19. November. Die Verbraucherzentralen raten dazu, das Schreiben des Stromanbieters abzuwarten, um herauszufinden, um welchen Betrag der Preis tatsächlich steigen wird. Die Stiftung Warentest empfiehlt dann aber, in jedem Fall den Versorger zu wechseln: „Kunden, die jetzt den Versorger wechseln, können nicht nur die Preissteigerungen wieder reinholen, sondern sparen häufig weit mehr“, heißt es im aktuellen Heft „Finanztest“ , das an diesem Mittwoch erscheint.
Wie viel Geld spart ein Wechsel?
Laut den Verbraucherschützern von Finanztest hängt die Höhe der Ersparnis vom Verbrauch, vom Wohnort des Kunden, vom Preis des aktuellen Tarifs und auch vom Aufwand ab, den ein Kunde betreiben möchte. „Am meisten sparen aktive Wechsler, die jedes Jahr den Anbieter wechseln und die hohen Neukundenboni mitnehmen“, so die Warentester. Sie dürfen aber nicht vergessen, rechtzeitig zu kündigen. Denn die verlockenden Tarife sind nur im ersten Jahr günstig. „Im zweiten Jahr, wenn der hohe Bonus wegfällt, sind diese oft teurer.“ Aber auch wer statt eines hohen Bonus einen Tarif wählt, der von vorneherein einen günstigeren Grund- und Arbeitspreis hat, gibt weniger Geld aus: So spart eine Familie in Stuttgart mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch rund 241 Euro im Jahr, wenn sie vom Komfort-Tarif des Grundversorgers EnBW zu den Stadtwerken Ulm SWU in den Onlinetarif Schwaben-Strom wechselt.
Wie findet man das passende Angebot?
Der erste Schritt besteht darin, sich über die aktuellen Stromkosten klarzuwerden. Dazu genügt ein Blick in die letzte Jahresabrechnung. Darauf sind auch der Grund- und der Arbeitspreis vermerkt. Der Grundpreis ist ein Fixbetrag, der monatlich für die Stromlieferung anfällt, der Arbeitspreis bezeichnet die Kosten der Kilowattstunde Strom in Cent. Diese Daten dienen als Referenz für Vergleichsangebote. Um diese einzuholen, rät die Stiftung Warentest Online-Tarifrechner wie Check24 und Verivox zu nutzen. Beide bieten eine Suche mit den von den Verbraucherschützern empfohlenen Tarifkriterien. Wer seinen Vertrag nicht online abschließen möchte, orientiert sich an der Auswahl in unserer Zeitung oder ruft ihm bekannte Versorger direkt an.
Wie wechselt man den Anbieter?
Wenn man sich für einen Tarif entschieden hat, ruft man am besten beim neuen Anbieter an und gibt Zählernummer und den Jahresverbrauch an. Oder aber man füllt auf der Webseite des Versorgers die entsprechenden Formulare aus. Der neue Versorger kündigt dann für den Neukunden den alten Vertrag. „Nur wer sein Sonderkündigungsrecht nutzen möchte sollte den derzeitigen Vertrag zusätzlich selbst kündigen“, raten die Experten von Warentest. Dieses Recht steht Verbrauchern bei einer Preiserhöhung – wie jetzt – zu. Grundsätzlich ist es wichtig, die Kündigungsfristen zu beachten. Wer seinen Vertrag noch nie geändet hat, ist in der Grundversorgung und kommt innerhalb weniger Wochen aus dem Vertrag. Ansonsten findet man die Kündigungstermine in den allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Auf was sollte bei der Wahl des neuen Vertrags geachtet werden?
Die Stiftung Warentest gibt folgende Kriterien vor: Eine Preisgarantie von mehr als zwölf Monaten, die sich auf möglichst viele Preisbestandteile des Strompreises bezieht, sowie eine kurze Kündigungsfrist von sechs Wochen. Die Anschlusslaufzeit des Vertrags sollte höchstens einen Monat betragen – um bei Bedarf schnell wieder aus dem Vertrag zu kommen. Wer über ein Online-Portal den Anbieter wechseln will, sollte vor Vertragsabschluss die Erfahrungen anderer Kunden durchlesen, die schon gewechselt haben. „Bei einigen Anbieterern wie der BEV, der Bayrischen Energieversorgungsgesellschaft, sinkt die Kundenzufriedenheit nach einem Jahr deutlich“, so die Warentester.
Preisgarantien, Frei-Kilowattstunden, Paketpreise – was ist sinnvoll?
Tatsächlich ist ein günstiger Strompreis nicht alles. Gerade Preisgarantien sind extrem wichtig – werden aber auch oft im Kleingedruckten eingeschränkt, warnen die Energieexperten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Anbieter behalten sich Preiserhöhungen – etwa wie jetzt aufgrund gestiegener Umlagen oder Netznutzungsentgelten – vor. Auch bei Paketpreisen sollte man vorsichtig sein. Ein fester Preis für eine bestimmte Abnahmemenge ist günstig, „aber nur sinnvoll, wenn man den eigenen Bedarf genau kennt“. Wird mehr verbraucht, wird jede weitere Kilowattstunde teurer. Schwierig sind sogenannten Frei-Kilowattstunden: Diese werden oft nur für ein Jahr gewährt und mit der ersten Jahresabrechnung verrechnet.
Was ist bei Ökotarifen zu beachten?
Wem wichtiger ist, dass der Strom, den er bezieht, ökologisch produziert wurde, sollte nicht nur dem Wörtchen „Ökostrom“ vertrauen. Denn nicht jeder Anbieter, der damit wirbt, investiert in den Ausbau erneuerbarer Energien und kann garantieren, dass sein Strom aus solchen erzeugt wurde. Die Verbraucherzentrale rät, auf Siegel wie „ OK-Power“ oder „ Grüner Strom Label“ zu achten und auf die „ EcoTopTen – Liste des Ökoinstituts“.
b>Mit diesen Tipps spart man im Haushalt Strom

Stromspar-Tipps für Zuhause

Elektrogeräte: Am wichtigsten ist es, vor Verlassen der Wohnung wirklich alle elektrischen Geräte auszuschalten. Lieber mal den Stecker ziehen – selbst wenn an der Stereoanlage im Off-Zustand keine Kontrolllämpchen leuchten. Im Stand-by-Modus verbrauchen elektrische Geräte auch ohne sichtbares Zeichen Strom.

Licht: In der Anschaffung sind LEDs zwar deutlich teurer als Halogenlampen, sie sparen aber im Vergleich etwa 85 Prozent mehr Strom. Somit machen sie sich laut Stiftung Warentest schon nach etwa einem halben bis ganzem Jahr bezahlt. LEDs sind auch umweltfreundlicher, da sie trotz Elektronik im Lampenfuß nur 20 Prozent der CO2-Emissionen einer Halogenlampe erzeugen.

Kühlschrank: Je größer das Kühlgerät, desto höher ist der Stromverbrauch. 100 Liter mehr Nutzvolumen erhöhen den Stromverbrauch um 20 Prozent. Für Singles oder Paare reichen 100 bis 140 Liter Nutzinhalt. Leben mehr Personen im Haushalt, kommen 50 Liter pro Person dazu. Kühlgeräte sollten kühl stehen, dann ist der Stromverbrauch geringer. Dazu verhilft auch eine Einstellung von sieben Grad Celsius. Ein weiterer Tipp: Je kühler die Lebensmittel in den Kühlschrank kommen, desto weniger Energie braucht das Gerät. Deshalb warme Speisen vor dem Kühlstellen erst abkühlen lassen.

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