Eine Demonstration im August 2019 in Stuttgart: Eine von vielen Gelegenheiten, bei denen sich zeigte, dass junge Menschen sich ums Klima sorgen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Gerade bei der Umsetzung des Klimaschutzpakets, das im Stuttgarter Rathaus beschlossen wurde, müsse es schneller vorangehen, forderten Experten jetzt.

Stuttgart - Gut, aber nicht gut genug, so lautet Joachim Nitschs Urteil über die Anstrengungen der Stadt Stuttgart auf dem Weg zur Klimaneutralität. „Wir machen enorme Fortschritte, haben einen Masterplan, aber das Tempo der letzten Jahre war viel zu langsam“, sagte der Gutachter und Berater für innovative Energiesysteme am Freitag im Hospitalhof.

Der Stuttgarter Kreisverband der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) hatte zu einer Podiumsdiskussion geladen, um herauszufinden, wie der Wandel von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern, von zentralen zu dezentralen Strukturen gelingen kann. Untätigkeit kann man der Stadt nicht vorwerfen: Im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat ein 200 Millionen Euro teures Klimaschutzpaket geschnürt, und bis zum Jahr 2030 will man den Kohlendioxidausstoß um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert haben.

Umweltamt und SWSG-Chef sind zuversichtlich

Bisher aber seien das „nur schöne Überschriften“, kritisierte SPD-Stadträtin Lucia Schanbacher. Das Klimapaket sei eher ein Klimapäckchen. Oft werde sie gefragt, warum die Politik eine Milliarde Euro für die Sanierung der Oper ausgebe, für die „Weltrettung“ aber nur ein Fünftel davon. Zuversichtlich äußerte sich Jürgen Görres vom Amt für Umweltschutz. Vor allem die 75 Millionen Euro für die energetische Sanierung von Privatimmobilien – der größte Teil des Klimapakets – könnten viel bewirken.

Entscheidend sei außerdem, dass sich die Stadt klare Richtwerte gesetzt habe, was die Entwicklung der CO2-Emissionen bis 2050 angehe, sagte Görres: „Da sind wir auf einem guten Weg.“ Dort wähnt sich auch Helmuth Caesar, Chef der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Im eigenen Bestand habe man „wie die Kesselflicker“ energetisch saniert und erneuert. Überhaupt spiele die Musik im Bestand.

Das sieht auch Martin Körner so. Dem SPD-Fraktionschef im Gemeinderat ist es ein Anliegen, die Bevölkerung bei der Klimawende mitzunehmen. So solle die Warmmiete im Zuge der energetischen Gebäudesanierung keinesfalls um mehr als einen Euro pro m² steigen, so Körner. Bei der Klimawende sieht der OB-Kandidat die kommunalen Energieversorger in der Pflicht: den Umstieg auf Erneuerbare Energien hätten sie bislang verschlafen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: