Experten bilanzieren Sommer 2018 ist so trocken wie nie zuvor

Von Thomas Faltin 

Die Landwirtschaft stöhnt unter der Trockenheit und beklagt Ernteausfälle. Foto: dpa
Die Landwirtschaft stöhnt unter der Trockenheit und beklagt Ernteausfälle. Foto: dpa

Kaum Regen, starke Hitze: der Sommer schlägt alle Rekorde. Alle? Trockener war es jedenfalls auch 2003 nicht. Doch Wassermangel besteht nicht. Ein Widerspruch?

Stuttgart - Der diesjährige Sommer wird in Baden-Württemberg vermutlich so niederschlagsarm bleiben wie kein anderer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren. Über das ganze Land betrachtet, fielen in der Zeit von Juni bis jetzt nur 40 bis 55 Prozent des Regens eines durchschnittlichen Jahres. Damit übertrifft die Trockenheit auch den Jahrhundertsommer 2003, als in den Monaten Juni bis August nur etwa 60 Prozent des langjährigen Mittels erreicht wurden. „Das lässt sich in den restlichen zehn Tagen bis zum Ende des meteorologischen Sommers nicht mehr aufholen“, sagt Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Betrachtet man die bundesweiten Werte für die Monate April bis Juli, so gab es seit 1881 überhaupt kein Jahr mit niedrigeren Regenmengen; viermal wurden aber ähnliche Minuswerte erreicht.

Trotz Trockenheit – es gibt kein Wasserproblem

Die Wasserstände der meisten Flüsse in Baden-Württemberg liegen dennoch meist über den Pegeln des Jahres 2003. Trotz der Trockenheit liege „noch keine außergewöhnliche Niedrigwassersituation“ vor, teilte die Vorhersagezentrale der Landesanstalt für Umwelt mit. Sehr niedrig sind die Werte aber schon. Am Bodensee bei Konstanz etwa stand das Wasser am Montag bei 310 Zentimetern; das sind 60 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für August. Von den Tiefstständen im Sommer (308 Zentimenter am 25. August 1990 sowie 298 Zentimeter am 15. August 2003) ist man damit nicht mehr allzu weit entfernt. Doch gibt es im Sommer für den Bodensee und auch für den Rhein kein Wasserproblem – in dieser Zeit schmelzen in den Alpen Schneefelder und Gletscher, für Nachschub ist gesorgt. Die niedrigsten Wasserstände ergeben sich im Herbst oder Winter, wenn das Wasser der Alpen als Schnee und Eis gebunden bleibt. Der Minusrekord der letzten knapp 40 Jahre fiel auf den 15. Februar 2006 mit 229 Zentimetern.

Die Pegel der Flüsse waren schon niedriger

An den Flüssen im Land sieht es ähnlich aus: An 70 Prozent der Pegelmarken gibt es sehr niedrige Wasserstände, aber die Jahre 2015, 1991 und vor allem 2003 waren teils schlimmer. Nur an wenigen Flüssen, wie der Rench im Schwarzwald oder der Schussen in Oberschwaben, lagen die Pegel am Sonntag unter den Tiefstwerten von 2003. Der Neckar ist zwischen Plochingen und Mannheim durch Staustufen reguliert, sodass der Pegel nicht weiter sinken kann.

Entwarnung geben die Wasserversorger: das Trinkwasser wird nicht knapp. Durchschnittlich gibt die Bodenseewasserversorgung 360 000 Kubikmeter Wasser pro Tag ab, bis zu 670 000 Kubikmeter dürfte sie aus dem Bodensee entnehmen – die Höchstmarke lag dieses Jahr am 31. Juli bei knapp 505 000 Kubikmeter. Beim zweiten großen Anbieter im Südwesten, der Landeswasserversorgung, sieht es ähnlich aus. Der Tageshöchstverbrauch lag in diesem Sommer bei 369 000 Kubikmeter – 2003 und auch 2017 sind an einem Tag aber 415 000 Kubikmeter erreicht worden.

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