Der Matratzen-Experte Steven Schneider kennt sich aus mit den unterschiedlichen Füllungen und Beschaffenheiten von Schlafunterlagen. Foto: home24.de

Wie man sich bettet, so liegt man. Aber bettet man sich besser auf einer Federkern- oder auf einer Schaummatratze? Das kommt auf die Bedürfnisse an, sagt der Experte Steven Schneider. Welche das sein können und wie man das Verhältnis von Körpergröße zu Matratzenstärke ausrechnet, erklärt er im Interview.

Stuttgart - Im aktuellen Matratzen-Test der Stiftung Warentest bestätigen sich erneut die Ergebnisse der vergangenen Jahre: Teure Matratzen sind nicht besser. Die Matratze mit dem höchsten Durchschnittspreis erhielt lediglich ein „befriedigend“. Bei den Viskoschaummatratzen hat es sogar eine Discounter-Matratze auf den ersten Platz geschafft. Mit der Gesamtnote „gut“ (2,2) ist die Matratze der Aldi-Eigenmarke Novitesse nicht nur besser als die zweitplatzierte Testkandidatin, sondern mit einem Preis von 100 Euro auch die günstigste. Aber welche Füllung ist denn nun eigentlich am besten für wen geeignet? Der Experte Steven Schneider gibt Rat. Er ist als gelernter Raumausstatter und seit mehr als 20 Jahren in der Möbelbranche tätig.

Herr Schneider, ganz pauschal: für wen eignet sich eine Federkernmatratze und wer nimmt besser eine aus Schaumstoff?
Wer zu nächtlichem Schwitzen neigt, allergisch auf Hausstaubmilben reagiert oder ein hohes Körpergewicht auf die Waage bringt, der sollte sich für eine Federkernmatratze entscheiden. Mit ihren Spiralfedern federt sie das Gewicht perfekt ab. Wärmespeichernde Schaummatratzen eignen sich, wenn man es beim Schlafen gerne etwas kuscheliger hat oder sich nachts viel bewegt. Auch wer in seinem Bett einen verstellbaren Lattenrost hat, den er gerne mal kippt, sollte eher zu einer Matratze aus Kalt-, Viskose- oder Gelschaum greifen.
Was sind jeweils die Vorteile der verschiedenen Füllungen?
Ein großer Vorteil von Federkernmatratzen ist eine gute Belüftung der Matratze, wodurch die Luft im Federkern besser zirkuliert als bei Schaumstoffmatratzen. So können Wärme und Feuchtigkeit, die der Körper im Schlaf abgibt, sehr gut abgeleitet und nach außen transportiert werden – und auch den Hausstaubmilben wird so das Überleben erschwert. Schaummatratzen punkten hingegen durch ihren hohen Liegekomfort. Sie sind punktelastisch, das heißt sie geben an genau den Stellen nach, an denen der Körper aufliegt. Das ist vor allem bei Rückenschmerzen oder Wirbelsäulenproblemen von Vorteil. Durch die Druckentlastung bleibt die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Doppel-S-Krümmung und wird ergonomisch optimal gestützt.
Worauf kann man in der kurzen Probe-Liegezeit im Matratzengeschäft überhaupt achten?
Beim Probeliegen sollte man seine gewohnte Schlafposition einnehmen und dann darauf achten, dass Schultern und Becken nur so sehr einsinken, dass die Wirbelsäule ihre natürliche Form behält. Prinzipiell kann ein kurzes Probeliegen aber selten letzte Gewissheit bringen, ob die Matratze wirklich perfekt für einen langen, erholsamen Schlaf ist. Deshalb empfehle ich immer, sie über einen längeren Zeitraum zu testen. Manche Fachhändler bieten den Kunden an, die Matratze zu Hause zu testen. Und wenn sie sich je als doch nicht geeignet herausstellt, kann man sie kostenlos zurückgeben.
Welcher Härtegrad entspricht welchen Bedürfnissen?
Der Härtegrad richtet sich individuell nach dem Körper. Viele denken, dass für die Bestimmung des Härtegrades allein das Körpergewicht relevant ist. Das ist falsch, denn man muss auch die Körpergröße miteinbeziehen, schließlich verteilt sich das gleiche Gewicht bei unterschiedlicher Größe anders. Meist wird der Härtegrad mit einer Zahl von 1 (weich) bis 5 (fest) angezeigt. Allgemein gilt: je höher der Härtegrad einer Matratze, desto belastbarer ist sie. Als Faustregel kann man seine Körpergröße in Zentimeter abzüglich 100 nehmen und dann mit seinem Gewicht vergleichen. Ist das Körpergewicht geringer, sollte man eine weiche Matratze wählen. Sind die Werte nahezu identisch, eignet sich eine mittlere. Ist das Gewicht höher, empfiehlt sich eine harte Matratze.
Warum schwärmen viele Leute von Boxspringbetten?
Man schläft auf ihnen wie auf Wolke 7. Der enorme Schlafkomfort kommt durch den dreistufigen Aufbau des Bettes aus einer Box mit Drahtfedern, einer Federkernmatratze und dem Schaumstoff-Topper zustande. Das Zusammenwirken der drei Teile sorgt für ein federleichtes, beinahe schwebendes Schlafgefühl. Es gibt auch Boxspringmatratzen. Sie bringen nahezu alle Vorteile eines gesamten Bettes mit.
Sollten Pärchen lieber zwei einzelne oder eine durchgängige Matratze kaufen?
Das kann man nicht pauschal beantworten. Das hängt ganz stark von den Liegebedürfnissen und den unterschiedlichen Körperstaturen ab. Sollten beide Faktoren enorm abweichen, sind zwei Einzelmatratzen sicherlich die beseere Wahl. Wer allerdings auf zwei verschiedenen Matratzen nächtigt, muss auch mit der Besucherritze leben können, die viele Paare stört.
Was ist an einer Matratze für 300 Euro schlechter als an einer für 1000 Euro?
Im Preissegment bis 500 Euro gibt es mittlerweile qualitativ sehr gute Matratzen. Dabei muss man immer im Hinterkopf haben, dass Matratzen den individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht werden müssen. Eine Matratze ist wie ein Maßanzug für die Person, die auf ihr schlafen soll. Es gibt keine, die für jeden Menschen geeignet ist. Aber 1000 Euro würde ich für eine Matratze nicht ausgeben.
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