Das dürften Momente sein, die man nie wieder vergisst. Weitere Bilder von den beiden Expeditionen gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: z/Moritz Attenberger

Philipp Hans aus Stuttgart-Möhringen hat im vergangenen Jahr gleich zwei extreme Reisen unternommen – nach Grönland. Dabei hat er sich nicht wegen der körperlichen Anstrengung Gedanken gemacht, sondern wegen etwas anderem.

Möhringen - Es ist nicht einfach, einen Termin mit Philipp Hans zu bekommen. Kommende Woche ist der Möhringer schon wieder unterwegs. Es geht mit seinem Bruder nach Frankreich. Genauer gesagt nach Fontainebleau – eines der bekanntesten Bouldergebiete der Welt. Zum Bouldern und Klettern natürlich, was auch sonst. Und außerdem hat er es, ebenfalls mit seinem Bruder, bei der TV-Show Ninja Warriors ins Finale geschafft. Deswegen ist dieser Abend der einzige Termin, an dem er sich zu einem Gespräch treffen könne, hat der 26-Jährige im Vorfeld erklärt. Ein junger Student, der viel unterwegs ist, selten still sitzen kann – denkt man.

Die steilen Felswände haben Spuren hinterlassen

Dieser erste Eindruck trügt. Mit leichtem Händedruck und ruhiger Stimme stellt er sich vor, über der Schulter hängt lässig sein Sportrucksack. Seinen Cappuccino trinkt er in kleinen Schlucken, entspannt nach hinten gelehnt. Philipp Hans ruht in sich selbst. Nur seine rauen Hände verraten, dass er etwas Extremes hinter sich hat. Er war innerhalb eines Jahres auf zweiExpeditionen durch Grönlanddabei. Die steilen Felswände, die er dort bezwungen hatte, haben Spuren hinterlassen – nicht nur an den Händen. „Ich werde den Moment nie vergessen, als sich eine Felsplatte am Berg gelöst hat, unmittelbar vor Stefan aufkam und in tausend Teile zersprang, die dann als Steinregen an mir vorbeizischten.“ Stefan Glowacz ist Philipps Mentor – und sein Vorbild. Der Profiabenteuer hat schon viele Berge erklommen und Expeditionen geleitet.

Und wie kamen sie zusammen? Als Philipp Hans einmal rein zufällig in einem Sportgeschäft war, hielt Stefan Glowacz gerade einen Vortrag über eine Expedition. Die Bilder dazu brachten den Stein bei Philipp Hans ins Rollen. „Mir war klar: Das möchte ich auch machen.“ Er hatte ein klares Ziel vor Augen. Gut, dass Stefan Glowacz kein ganz Fremder war. Denn Philipp und sein jüngerer Bruder Moritz klettern bereits seit Teenagerjahren für Glowacz Klettermarke Red Chilli.

Wird er von den Abenteurergrößen akzeptiert?

Einige Jahre später, im Sommer 2018, nahm eben dieser Profiabenteurer seinen Schützling Philipp Hans mit auf eine erste Expedition. Damals hatte Philipp Hans vor allem Respekt. Jedoch kaum vor der körperlichen Anstrengung. Seine Gedanken drehten sich viel eher darum, wie er von den Abenteurergrößen akzeptiert wird. Und wie er sich in die Gruppe hineinfindet.

Diese Tiefgründigkeit schwingt bei jedem Satz mit, den Philipp Hans sagt. Er hält immer kurz inne und überlegt, was er genau sagen möchte. Das macht er auch bei der Frage, ob er in seinem Privatleben genauso risikobereit ist und sich ins Ungewisse stürzt wie bei einer Expedition nach Grönland. „Privat bin ich eher ein Sicherheitsmensch. Ich bin sehr organisiert und kläre alles ab.“ Wie zum Bespiel sein Fehlen in einigen Vorlesungen aufgrund seiner Grönlandreise. Er informierte rechtzeitig seine Professoren und sicherte sich ihr Einverständnis, um sich dann mit einem Segelboot nach Grönland aufzumachen, obwohl er noch nie zuvor gesegelt war.

Sein Bruder Moritz ist immer dabei

Wenn Philipp Hans erzählt, ist sein Bruder Moritz immer dabei. Er erwähnt ihn andauernd, und es wirkt, als ob er gleich neben ihm an dem kleinen Tisch im Café sitzt. Klar ist: Die Kletterleidenschaft der Hans-Brüder konnte nur im Team wachsen und Blüten tragen. Beide klettern seit ihrer Kindheit – infiziert mit der Leidenschaft ihres Vaters. Dann ging es für beide steil bergauf: Landeskader, Nationalteam, Kletterwettkämpfe und schließlich die Kooperation mit Red Chili. Erfahrungen, die die Geschwister zusammengeschweißt haben.

Und deshalb war es nicht leicht, als Philipp Hans im vergangenen Jahr mit seiner Freundin von Möhringen nach Stammheim gezogen ist. Weg von Zuhause, vor allem weg von seinem Bruder. Wie groß die geschwisterliche Verbundenheit ist, zeigt Philipp Hans auch auf seinem Instagramkanal mit mehr als 2000 Followern: Zu einem Geburtstagsfoto mit Familie und Freunden am Lagerfeuer schreibt er auf Englisch: „Ich habe tolle Geschenke bekommen, aber das Größte war, dass mein Bruder Moritz von seinem Surftrip nach Hause gekommen ist.“

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