Das Kreistierheim in Böblingen sucht für eine ungiftige Schlange ein neues Zuhause. Die Kornnatter hatte sich durch die Böblinger Straße in Sindelfingen geschlängelt.
Die nordamerikanische Kornnatter liebe sowohl sommerfeuchte Laub- und Nadelwälder, Busch- und Graslandareale als auch Feuchtgebiete, heißt es im Internet-Lexikon Wikipedia. Als Kulturfolger sei sie darüber hinaus häufig in der Nähe menschlicher Siedlungen zu finden – wie etwa in der Böblinger Straße in Sindelfingen.
Letzteres steht allerdings nicht in Wikipedia, sondern in der Fundbeschreibung des Kreistierheims in Böblingen.
Die Polizei fing das Reptil ein
Passanten hatten kürzlich bei Nacht ein ausgewachsenes Tier der bunten quergebänderten Schlange gefunden. Die Passanten alarmierten die Polizei, die das exotische Reptil einfing und in das Kreistierheim nach Böblingen brachte, wo die etwa 1,20 Meter lange Schlange jetzt entweder auf ihren alten Besitzer wartet oder einen neuen Besitzer sucht.
Die Schlange ist wie alle Nattern ungiftig, kann aber, wenn man sie in Bedrängnis bringt, blitzschnell zubeißen. Ihre Beute, Mäuse oder Vögel, packt sie mit den Zähnen und erwürgt sie, bevor sie die Beutetiere verschlingt.
Das bunte Tier hat seinen Namen entweder von der bunten Färbung, der an den Wildmais der Indianer erinnert, oder von der Angewohnheit, sich in Kornspeichern aufzuhalten.
Beginn einer langen Freundschaft
Viktoria Gabriel, eine Mitarbeiterin des Tierheims, schätzt, dass etwa zwei exotische Tiere pro Jahr ins Tierheim gebracht werden. Meist sind es Schlangen, einmal war eine große Spinne dabei. Die Tiere werden alle fachgerecht in speziellen Boxen untergebracht und von dort direkt weiter vermittelt.
Ob diese Schlange ausgebüxt ist oder ausgesetzt wurde, lässt sich natürlich nicht sagen, schließlich wird sich jemand, der eine Schlange aussetzt, nicht beim Tierheim melden.
Nach einer gewissen Unterkunftszeit macht sich das Tierheim dann auf die Suche nach einem Reptilienfreund, der die Kornnatter bei sich beherbergen möchte. Das kann der Beginn einer langen Freundschaft werden, denn Kornnattern können in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre alt werden.
Dass exotische Schlangen in freier Wildbahn gefunden werden, ist ziemlich selten, sorgt dann immer wieder für große Aufmerksamkeit. Im September des vergangenen Jahres hatte beispielsweise eine herrenlose Kaiserboa in Weinstadt-Beutelsbach im Rems-Murr-Kreis Aufsehen erregt. Ein Passant hatte in den Weinbergen in der Nähe eines Weinguts die Würgeschlange entdeckt. Die Polizei rückte an und brachte das Tier in eine Zoohandlung.
Die Feuerwehr hat Mitarbeiter speziell geschult
Dem Fall wurde deswegen größere Bedeutung beigemessen, weil erst zwei Monate zuvor im benachbarten Ortsteil Endersbach eine Würgeschlange entdeckt worden war. Das war ein Königspython gewesen, den die Polizei einem Schlangenfachmann übergab. Die Herkunft des Tieres blieb ungeklärt.
Unterstützung bei Reptilienfunden erhält die Polizei im Landkreis Böblingen seit Neuestem durch mehrere speziell geschulte Mitarbeiter der Böblinger Feuerwehr. Mitte des vergangenen Jahres haben sie sich auf einer Schlangenfarm in Niedersachsen ausbilden lassen und lernten, wie man entlaufene Schlangen artgerecht einfängt, ohne von den teils hochgiftigen Tieren verletzt zu werden.