Nick Bätzner hat einen besonderen Weg bis zum Fußballprofi hinter sich. Während er mit dem SC Paderborn auf den Aufstieg hofft, sind seine Eltern in der Heimat mächtig stolz.
Hin und wieder gibt es auch Maultaschen. Das schmeckt für den Schwaben Nick Bätzner ein bisschen nach Heimat, denn der Profifußballer aus Steinheim an der Murr spielt seit dieser Saison im ostwestfälischen Paderborn. Er ist beim Zweitligisten in guter Gesellschaft, denn mit U21-Nationaltorhüter Dennis Seimen, der vom VfB Stuttgart ausgeliehen wurde, trägt ein weiterer Baden-Württemberger das Trikot der Blau-Schwarzen. „Wir machen viel zusammen und auch unsere Partnerinnen sind befreundet“, erzählt Bätzner.
Doch nicht nur privat – auch sportlich läuft es für den Mittelfeldspieler an der neuen Wirkungsstätte. Im Sommer wechselte er vom Drittligisten Wehen Wiesbaden zum SCP und ist jetzt ganz nah dran, erstmals in der Bundesliga zu kicken. Vor Beginn der Rückrunde an diesem Sonntag gegen Holstein Kiel liegen die Paderborner auf Rang vier, nur einen Zähler hinter einem direkten Aufstiegsplatz.
Unter dem neuen Trainer Ralf Kettemann gedeihen zurecht zaghafte Träume vom dritten Aufstieg in die Bundesliga. Schon 2014 unter André Breitenreiter und 2019 unter Steffen Baumgart war dem SC Paderborn für je eine Saison der Sprung in die höchste Liga gelungen.
Der große Fußball-Glamour ist weit weg
Paderborn ist das Team mit dem jüngsten Altersschnitt der Liga und dem nur siebthöchsten Kaderwert. Auf hohem Niveau spielen neben dem offensiven Mittelfeldspieler Bätzner und Torwart Seimen auch Kapitän und Abwehrchef Felix Götze – oder der mit acht Treffern fünftbeste Liga-Schütze Filip Bilbija. Und mittendrin eben Nick Bätzner. Es ist sein zweites Jahr in der zweiten Liga – vor zwei Jahren war er dort mit dem Wehen Wiesbaden am Start, stieg dann aber ab. „In Paderborn sind die Strukturen deutlich professioneller, die machen hier sehr viel gut“, sagt er. Und doch ist der große Fußball-Glamour weit weg.
In Steinheim verfolgen die Menschen Bätzners Weg. Vor allem seine Eltern und seine Schwester Isabelle. Vier Spiele in der Vorrunde haben Gerd und Ellen Bätzner besucht, ansonsten verfolgen sie die Auftritte im Fernsehen. Danach werden die Spiele dann gemeinsam analysiert. Das Aufarbeiten tue seinem Sohn gut. „Denn da ist schon sehr viel Druck, das sehen viele von außen gar nicht“, sagt er. Nick Bätzner ist einen besonderen Weg gegangen. Manchmal muss man von daheim fortgehen, um voranzukommen.
Bätzner hat es nicht bereut. Seine Karriere startete beim FV Löchgau. Schon 2012 ging es zum VfB Stuttgart, wo er ausgebildet wurde und 2019 für die zweite Mannschaft berufen wurde. Im Sommer 2020 wechselte er für mehr Spielzeit vom VfB Stuttgart in die Fußballprovinz zum KV Ostende nach Belgien, weil der heutige St. Pauli-Coach Alexander Blessin ihn haben wollte. „Wir haben ihn mit gemischten Gefühlen nach Belgien ziehen lassen, aber er hat alles richtig gemacht“, sagt Gerd Bätzner. Zwei weitere Jahre später folgte der Schritt zum damaligen Zweitliga-Aufsteiger aus Wiesbaden.
Sein unbändiger Wille hat ihn weit gebracht
Und was zeichnet den Menschen Nick Bätzner aus? „Er ist immer bodenständig geblieben, ein freundlicher, zuvorkommender Mensch“, sagt der Vater. Er habe schon immer einen großen Willen gehabt und Dinge durchgezogen und oft die richtigen Entscheidungen getroffen. Auch jetzt mit Paderborn. „Natürlich sind wir sehr stolz und hoffen, dass er sich jetzt auch noch den Traum von der Bundesliga verwirklichen kann“, sagt Gerd Bätzner.
Aber auch so hat der 25-Jährige als Zweitligaspieler schon viel mehr erreicht als andere. Seit seinem Wechsel nach Belgien sei er gereift, habe mehr Erfahrung und könne Dinge auf dem Platz besser einschätzen, reflektiert Nick Bätzner.
In seiner Rolle in Paderborn kann er dem Spiel durch das Zentrum noch mehr Torgefahr geben und seine Mitspieler gut in Szene setzen. Er bringt eine hohe Intensität im Spiel gegen den Ball mit und passt daher optimal in unser Anforderungsprofil von Coach Kettemann, der für leidenschaftlichen Pressingfußball steht. 16 Einsätze sind es in der Vorrunde geworden, ein Tor hat er erzielt. „Damit bin ich super zufrieden, der Trainer spricht viel mit mir und seine Philosophie passt zu meiner Spielweise“, sagt Bätzner. Kettemann treibt seine Spieler an, immer ans Maximum zu gehen.
Der Aufstieg ist das klar definierte Ziel
Der SCP schloss die vergangene Saison als Tabellenvierter ab und hatte in der Endabrechnung drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, den sich die SV Elversberg sicherte. Diesmal wünscht man sich in Paderborn ein schöneres Ende. Der Aufstieg ist das klar definierte Ziel des Vereins. Acht Spiele hatte der Klub im Herbst in Serie gewonnen und dann die drei Top-Duelle gegen den SV Elversberg, Schalke 04 und Hannover 96 verloren. „Da fehlten ein paar Prozent. Wir werden es jetzt besser machen“, sagt Nick Bätzner.