Aufgalopp in Kapstadt: Bradley Carnell beobachtet die VfB-Profis beim Training Foto: Pressefoto Baumann

Bradley Carnell ist interessierter Beobachter beim Trainingslager des VfB Stuttgart in Kapstadt: „Der VfB war mein erster Profiverein, er hat immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.“

Bradley Carnell ist interessierter Beobachter beim Trainingslager des VfB Stuttgart in Kapstadt: „Der VfB war mein erster Profiverein, er hat immer einen besonderen Platz in meinem Herzen.“
 
Kapstadt - Herr Carnell, Sie leben und arbeiten in Johannesburg. Können Sie den VfB in Kapstadt denn überhaupt besuchen?
Ich habe den VfB gleich bei der Ankunft in Kapstadt begrüßt, jetzt schaue ich mir jeden Tag das Training an. Ich freue mich sehr, dass ich den VfB wieder mal erleben darf. Das war der erste Profiverein in meiner Karriere, deshalb wird er immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Mit Sportdirektor Fredi Bobic haben Sie ja beim VfB selbst zusammen Fußball gespielt.
Zu ihm habe ich deshalb eine besondere Verbindung, genau wie zu Cacau. Ich freue mich, dass der VfB mir die Möglichkeit gibt, in den Trainingsbetrieb reinzuschnuppern. Ich war das letzte Mal vor zweieinhalb Jahren in Deutschland. Jetzt bin ich ganz gierig darauf, die neuesten Trainingsmethoden aufzusaugen.
Das klingt ja gerade so, als wollten Sie selbst Trainer werden.
Das habe ich auch vor. Ich betreue zurzeit die Mannschaft der Universität Johannesburg, die in der vierten Liga spielt. Irgendwann will ich eine Profimannschaft übernehmen. Wer weiß – vielleicht lande ich eines Tages sogar beim VfB.
Was erwartet die VfB-Spieler in Südafrika?
Eine traumhafte Umgebung in Kapstadt, sehr viele kulturelle Unterschiede und viele freundliche Gesichter. Oh ja – und viele Deutsche, die hier Urlaub machen. Die Mannschaft wird sehr gute Trainingsbedingungen haben – und sehr warmes Wetter!
Der VfB reist ja als Botschafter der Deutschen Fußball-Liga. Bekannt ist der Verein in Südafrika aber eher nicht, oder?
Ich finde schon, dass er bekannt ist, weil er ja schön häufig international gespielt hat. In Südafrika sind seit drei Jahren viele Spiele aus der Bundesliga und der Champions League live im Fernsehen zu sehen. Der Sender Supersport überträgt jedes Wochenende ein Bundesligaspiel live und die anderen Begegnungen in einer Zusammenfassung. Noch steht die englische Premier League ­höher im Kurs, aber inzwischen sind auf den Straßen auch Trikots deutscher Vereine zu sehen.
Aber vermutlich nur von Bayern München und Borussia Dortmund?
Bisher stimmt das. Aber jetzt ist Südafrika sehr gespannt auf den VfB, der aus der Liga der letztjährigen Champions-League-Finalisten kommt. Durch diesen Erfolg sind die Erwartungen gestiegen, die Bundesliga ist eine sehr gefragte Liga bei uns. Das strahlt jetzt auf den VfB ab. Die Fans wollen sehen, was das für eine Mannschaft ist und wie viel sportliches Potenzial sie hat.
Das erste Testspiel gegen Vasco da Gama aus Kapstadt wird live in ganz Afrika übertragen.
Das meine ich ja: Die Bundesliga wird bei uns immer präsenter. Dazu trägt jetzt auch der VfB seinen Teil bei.
Wie wirkt sich das auf die südafrikanische Premier Soccer League aus? Ist dort ein Zuschauerboom zu spüren?
Leider nicht. Zu den Heimspielen von Ajax Cape Town kommen normalerweise 2000 bis 3000 Zuschauer. Nur gegen Spitzenmannschaften wie die Kaizer Chiefs sind auch mal 15 000 Fans im Stadion. Als ich noch in Südafrika gespielt habe, war das Interesse deutlich größer.
Woran kann das liegen?
Unsere Liga ist viel professioneller geworden. Das bedeutet aber auch, dass jetzt mehr Geld im Spiel ist. Die Liga ist besser vermarktet, die Profis können heute mehr Geld verdienen, und die Verbreitung durch das Fernsehen ist, wie gesagt, deutlich besser.
Aber?
Ich denke, dass die vielen Fernsehübertragungen viele Leute vom Stadionbesuch abhalten. Wir bekommen ja 24 Stunden am Tag Fußball zu sehen. Die Eintrittskarten sind teurer geworden, viele Leute können sich die Anreise nicht leisten und verzichten deshalb auf den Stadionbesuch. Sie bekommen die Spiele ja auch zu Hause zu sehen, dort ist es viel bequemer und billiger.
Sie arbeiten als TV-Experte für Supersport in Johannesburg. Aber wenn wir Sie richtig verstanden haben, lockt Sie als künftigen Trainer der deutsche Fußball auch mehr als der südafrikanische.
Ich habe vor, in diesem Jahr in Deutschland meinen B-Schein als Trainer zu machen. Ich will in den nächsten Jahren schon noch in ­Johannesburg leben, aber ich kann mir gut vorstellen, später als Trainer in Deutschland zu arbeiten. Meine Frau Claudia will das auch, sie ist ja eine Deutsche.
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