Der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates (rechts) und US-Präsident Barack Obama. Foto: dpa

Der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates legt sich mit dem Weißen Haus an.

Washington - Robert Gates wirkte stets so, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Ein bis ins Mark braver Vorzeigebeamter, ein treuer Diener seines jeweiligen Herrn. Er diente bereits unter dem republikanischen US-Präsidenten George W. Bush als Vertei­digungsminister. Der Demokrat Barack Obama übernahm den Mann – und als er ihn 2011 verabschiedete, lobte Obama ausdrücklich dessen „Loyalität“. Die Breitseiten des heute 70-jährigen Gates schlagen in Washington Wellen wie selten. Was will der Pensionär, warum tritt er jetzt nach? Oder hegt er etwa ganz spezielle politische Ziele?

Gates diente im Geheimdienst CIA – wer dort Karriere macht, ist gemeinhin mit allen Wassern gewaschen, kennt alle Tricks sowie Haken und Ösen der Machtspiele. Schon ­unken Eingeweihte in Washington, Gates könne gar nicht so sehr Obama im Visier ­haben, sondern dessen Vize Joe Biden und Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Tatsächlich ist die Kritik an den beiden noch weitaus giftiger als die an Obama. „Eine hochemotionale Abrechnung“ nennt die „Washington Post“ das Buch, das in der nächsten Woche veröffentlicht werden soll.

Bush fühlte sich in Gesellschaft der Militärs pudelwohl

Obamas ehemaliger Verteidigungsminister hält dem Präsidenten etwa vor, in Afghanistan einen Krieg geführt zu haben, an den dieser selber nicht glaubte. Gleichzeitig lobt er aber Obamas Strategie, nach einer ­vorübergehenden Verstärkung der Truppen am Hindukusch auf feste Rückzugsdaten zu setzen. „Ich glaube, dass Obama mit jeder dieser Entscheidungen richtig lag“, schreibt Gates. „Ich habe nie an Obamas Unterstützung der Truppen gezweifelt, aber an der Unterstützung deren Mission“, schildert der frühere Pentagon-Chef. Obama habe den Eindruck vermittelt, es ginge für ihn nur ­darum, „da herauszukommen“.

Während sich Bush in Gesellschaft der Militärs pudelwohl fühlte und die Streitkräfte oft als Kulisse für seine Auftritte wählte, beschreibt Gates dessen Nachfolger als „Commander-in-Chief“, der seinen Generälen mit einer gehörigen Portion Misstrauen gegenübertritt. „Er hört ihnen zu, stimmt aber oft nicht mit ihnen überein.“

Für die Distanz zwischen Obama und den militärischen Führern macht Gates Vizepräsident Joe Biden verantwortlich. „Ich war davon überzeugt, dass Biden Obama mit chinesischer Wasser-Folter jeden Tag eingetrichtert hat, dem Militär nicht zu trauen.“ Biden sei zwar eine ehrliche Haut, habe aber selber kein gutes Urteilsvermögen. „Er hat bei jeder wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Frage der vergangenen vier ­Jahrzehnte danebengelegen.“

Mitglieder des Verteidigungsausschusses „unhöflich, unverschämt und dumm“

Ihr Fett bekommen auch die Abgeordneten auf dem Capitol Hill ab. Viele Mitglieder des Verteidigungsausschusses im Repräsentantenhaus seien „unhöflich, unverschämt und dumm“. Nicht viel besser schneiden die Kollegen im Senat ab, bei denen Gates „Scheinheiligkeit und Stumpfsinn“ ausmacht. Der Republikaner beklagt insgesamt die Militarisierung der Außenpolitik. „Für zu viele Ideologen ist der Ruf nach den Streitkräften die erste Option statt der letzte Ausweg.“ Auf der Linken gelte dies für „humanitäre Interventionen“ in Libyen, Syrien oder im Sudan, auf der Rechten bei der ­Forderung nach „amerikanischer Führung“ etwa im Konflikt mit dem Iran.

An der Spitze des Pentagon habe er gelernt, dass Kriege selten etwas anderes als „tragisch, nicht effizient und ungewiss“ sind. Gates steht in Washington über die Parteigrenzen im Ruf, der beste Vertei­digungsminister der vergangenen Jahre ­gewesen zu sein. Mit seinem Buch dürfte sich der ehemalige Verteidigungsminister aber gewiss einige Feinde in der Hauptstadt ­gemacht haben.

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