Die Familie Streble fühlt sich in der Provinz mitten im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald pudelwohl. Foto:  

Nicole und Julian Streble sind in Stuttgart aufgewachsen, jetzt lebt das Paar mit zwei kleinen Kindern in einem eigenen Häuschen mit Garten in Großerlach-Grab. Sie vermisst mitunter das Shoppen in der Königstraße, ihm fehlt nichts.

Großerlach - Idylle pur an einem Sommertag unter der Woche in Großerlach-Grab. Die Sonne lacht vom Himmel, Vögel zwitschern. Gleich neben dem Garten der Strebles am Ortsrand beginnen die Felder. Eben kommt Julian Streble von der Arbeit in Stuttgart. Der Krankenpfleger pendelt täglich, erst mit dem Auto nach Sulzbach und dann mit der Bahn weiter in die Landesmetropole, wo der 37-Jährige geboren ist und bis vor kurzem zusammen mit seiner Familie gewohnt hat.

 

Er parkt das Auto, strahlt über das ganze Gesicht und sagt auf Nachfrage: „Ich vermisse gar nichts.“ Seine Frau Nicole, 40, sagt indes, ihre fehle mitunter das Shoppen in der Königstraße und „die Zivilisation, die Leute und der ÖPNV“. Busfahren in Grab sei nicht wirklich zu empfehlen. Die Strebles benötigen jetzt zwei Autos.

Mitten im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald

Ein schönes Haus mit Garten hätten sie sich in Stuttgart aber niemals leisten können. Auch wegen der zwei Töchter Lea (zwei) und Laura (fünf) hätten sie sich auf die Suche gemacht nach einem bezahlbaren Bauplatz. Zunächst war geplant, etwas in einer Kommune mit S-Bahn-Anschluss zu kaufen, „aber wir sind schnell auf dem Boden der Tatsachen gelandet“, sagt Julian Streble. Für einen Krankenpfleger und eine Krankenschwester sind die Preise viel zu hoch. Also wurde das Suchfeld erweitert.

Schließlich fanden die Strebles in dem Ort mitten im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald eine bezahlbare Parzelle: der Quadratmeter Bauland habe nur 110 Euro gekostet, so Julian Streble.

Mit Blick in den BW-Atlas könnte man prognostizieren: die Strebles dürften eines Tages mal als Trendsetter bezeichnet werden. Denn dieses mit vielen Daten des Statistischen Landesamts befüllte Werk sagt für Großerlach bis 2035 einen Anstieg der Einwohner – heute rund 2500 – um 4,6 Prozent voraus.

Wohnen, wo andere Leute (Kurz) machen

Der vierköpfigen Familie ist vermutlich gleich, ob sie tatsächlich Trendsetter sind. Im Rückblick wundern sie sich allerdings manchmal, dass sie in der schwäbischen Pampa glücklich sind. Nicole und Julian Streble sind Stadtkinder gewesen, dass sie mal dort leben werden, wo andere Leute (Kurz)Urlaub machen, hätten sie sich früher nicht mal träumen lassen. Manche Freunde aus Stuttgart lästern allerdings, sagt er und grinst, „dass wir am Arsch der Welt wohnen“. Aber „wir haben den Umzug trotzdem nie bereut“. Die Menschen im Ort seien locker und kontaktfreundlich.

Zum Einkaufen sind die Graber allerdings aufs Auto angewiesen. Im knapp zehn Kilometer entfernten Murrhardt gebe es „alles“: Bäcker, Metzer, Discounter, Ärzte. Und die fünfjährige Laura sagt: „Hier in Grab ist es viel besser, ich habe viele Freunde, und in Stuttgart waren immer so viele Autos.“