Kreisläufer Lukas Laube spielt seit Sommer für den Deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel. Foto: imago/Eibner

Lukas Laube ist der erste Schweizer beim THW Kiel. Vor dem Duell mit seinem Ex-Verein TVB Stuttgart vergleicht er die beiden Clubs und spricht auch über seinen Landsmann Misha Kaufmann.

Die Favoritenrolle ist klar verteilt, wenn der TVB Stuttgart an diesem Mittwoch (19 Uhr) beim Deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel um Bundesligapunkte kämpft. Kiels Kreisläufer Lukas Laube (25) warnt aber vor seinem früheren Verein.

 

Herr Laube, Ihr Ex-Club kommt mit 7:1 Punkten in Serie, schlottern schon die Knie in Kiel?

(lacht) Wir wissen, dass der TVB unangenehm spielt, seit Misha Kaufmann dort an der Seitenlinie steht. Da hat sich schon einiges verändert. Das wird ein interessantes Spiel für uns, weil wir viel zu verlieren haben. Denn wir haben Punkte liegen lassen, die wir eigentlich nicht hätten liegen lassen sollen. Völlig klar ist: Wenn wir in die Champions-League-Ränge wollen, dann dürfen wir nichts mehr herschenken, auch nicht gegen meinen Ex-Club.

Kaufmann war von 2017 bis 2021 Ihr Trainer beim HSC Suhr Aarau. Welche Impulse bringt ihr Landsmann?

Vom Spieltaktischen her vor allem die Variante mit den vier Rückraumspielern, aber er bringt auch eine neue Mentalität in den Club. Er ist besessen vom Erfolg, das tut den Spielern gut. Sein System trägt beim TVB mittlerweile Früchte. Die Mannschaft ist gefestigt. Man sieht, welche Qualität vorhanden ist.

Hätten Sie nicht in Stuttgart gerne wieder mit Misha Kaufmann zusammengearbeitet oder hat Sie die Variante mit den vier Rückraumspielern abgeschreckt?

Nein, er wollte unbedingt, dass ich beim TVB bleibe. Aber die Möglichkeit, zum THW Kiel zu wechseln, bekommt man nicht so oft in seinem Handballleben. Für mich war das der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt. Da hat auch Misha Verständnis gezeigt.

Wo liegt der Hauptunterschied beider Clubs?

Stuttgart ist eine Großstadt, da ist die Anerkennung von den Leuten nicht so groß, da es neben dem Handball sehr viele andere Dinge gibt. Hier in Kiel spürt man die Energie, die für den THW in der Stadt herrscht sehr. Man wird erkannt auf der Straße, das Interesse an den Spielern ist enorm hoch. Das hat mir sogar bei der Wohnungssuche sehr geholfen.

Lukas Laube im Dress der Schweizer Nati. Foto: imago/Sports Press Photo

Wer ist die Nummer eins – die Zweitligafußballer von Holstein oder der THW?

Das ist subjektiv. Ich weiß nur, dass der THW eine ganz große Nummer ist. Jedes Heimspiel praktisch ist mit 10 000 Leuten ausverkauft. Auch auswärts, egal, wo wir antreten, sieht man immer viele, viele Kieler Trikots auf den Rängen.

Für die Fans, für den Club sind Titel ein Muss. Aber mit der Meisterschafts wird es wohl wieder nichts – oder?

Der SC Magdeburg hat 27:1 Punkte, wir sechs weniger – dass das schwierig wird, aufzuholen, wissen wir selbst. Deshalb schreibe ich den Titel aber natürlich noch lange nicht ab.

Im DHB-Pokal-Viertelfinale geht’s am 18. Dezember zu Meister Füchse Berlin – auch kein Wunschlos.

Stimmt, aber für die Füchse bestimmt auch nicht. Schade nur, dass wir auswärts ran müssen, aber unschlagbar sind die Berliner auch in ihrem Fuchsbau nicht.

International spielt der Champions League verwöhnte THW in der zweitklassigen European League. Trostpflaster oder lästige Pflicht?

Für den THW ist es einfach wichtig, europäisch zu spielen, auch wenn uns die Königsklasse natürlich lieber wäre. Aber auch in der European League geht es um einen Titel – und den wollen wir nach Kiel holen.

Die Tradition an prominenten Kreisläufern in Kiel ist groß. Wie groß sind die Fußstapfen etwa eines Patrick Wiencek?

Sie sind groß, aber ich will neue hinterlassen. Den ganz großen Druck habe ich nie verspürt, zumal ich einen Mann wie Patrick nicht eins zu eins ersetzen kann, da ich ja auch ein ganz anderer Spielertyp bin. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen von den Fans für meine Spielweise. Es scheint, als würde ich einiges richtig machen.

Sie sind der erste Schweizer in der Vereinshistorie beim THW. Hat man Sie das in irgendeiner Weise spüren lassen?

Nein, nur mit unserem österreichischen Geschäftsführer Viktor Szilagyi gab es ein bisschen Gefrotzel. Man kennt die Rivalität ja aus dem Skisport (lacht).

Zur Person

Karriere
Lukas Laube kam am 22. April 2000 in Aarau in der Schweiz zur Welt. Der Kreisläufer spiele bis 2022 für den HSC Suhr Aarau. Im Februar 2023 wechselte er für eine Ablösesumme von GC Amicitia Zürich zum TVB Stuttgart und unterschrieb einen Vertrag bis 2026. Vor dieser Saison zog der 1,93-Meter-Mann vorzeitig weiter zum THW Kiel, auch der deutsche Rekordmeister musste eine Ablösesumme bezahlen. In 39 Länderspielen für die Schweiz warf der Rechtshänder 86 Tore.

Persönliches
Lukas Laube ist liiert mit Emily. Sie lebt und studiert in der Schweiz. (jüf)