Filip Kostic (rechts) sorgt für Wirbel. Foto: AP

Der Ex-Stuttgarter Filip Kostic ist der Überflieger bei Eintracht Frankfurt. Sein Trainer Adi Hütter schwärmt von Kostic sportlich wie auch menschlich– und wundert sich, wie wenig Wertschätzung der Serbe in der Öffentlichkeit erfährt.

Frankfurt - Natürlich war alles eine ziemlich abgehobene PR-Nummer. Ein Airbus 310 hatte am Montag eine aus Sport und Showbusiness bestehende Besatzung an Bord und vollführte in 7000 bis 8500 Meter Höhe eine Flugnummer, die die „Null Gravitation“ herstellt. In dem sechsminütigen Zustand der totalen Schwerelosigkeit hatten Fredi Bobic und Sébastien Haller, der Sportvorstand und Torjäger von Eintracht Frankfurt, einen Heidenspaß. Der französische Mittelstürmer erzielte im Bauch der Maschine ein schwereloses Tor, das erste überhaupt.

Viele erinnerte die Ausführung an seine akrobatische Einlage beim Last-Minute-Sieg gegen den VfB Stuttgart am 30. September 2017. Fallrückzieher gehen ohne Erdanziehungskräfte sogar besser. Was doch ein gutes Omen ist, weil die Hessen am Sonntag (18 Uhr) ja wieder den VfB empfangen. Dann tritt neben Haller vermutlich auch der ehemalige Stuttgarter Filip Kostic gegen das Team seines ehemaligen Arbeitgebers an.

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Der serbische Nationalspieler hatte wegen einer gegen den 1. FC Nürnberg (1:0) erlittenen Oberschenkelverletzung sowohl das Testspiel in Deutschland (1:1) als auch das EM-Qualifikationsspiel in Portugal (1:1) verpasst, konnte aber nach seiner Rückkehr in Frankfurt wieder das volle Programm erledigen. Vieles mag sich ja immer noch um die Treffsicherheit der gerne als „Büffelherde“ titulierten Troika im Eintracht-Sturm, Luka Jovic, Ante Rebic und eben Haller drehen – aber der formstärkste Frankfurter ist 2019 der Ex-Stuttgarter Kostic, den Bobic einst in der niederländischen Ehrendivision beim FC Groningen entdeckt hat.

Zwei Jahre dauerte sein Gastspiel am Neckar, an deren Ende der Abstieg und der 14-Millionen-Euro-Transfer nach Hamburg stand. Auch mit dem HSV stieg der Kicker aus Kragujevac ab. Kein Wunder also, dass Spötter Kostic bereits den Spitznamen „Abstiegsgespenst“ verpassten.

Auf einmal arbeitet Kostic nach hinten

Ausgerechnet ihn für zwei Jahre auf Leihbasis mit einer fixierten Kaufoption nach Frankfurt zu lotsen, war einer von vielen geschickten Bobic-Schachzügen. Im Konstrukt des Trainer Adi Hütter nimmt er seit einer Umbesetzung auf die linke Flanke mit allen offensiven Freiheiten, aber defensiver Verantwortung eine Schlüsselrolle ein. Der 26-Jährige saust in irrem Tempo die Linie entlang. Was im Gegensatz zu seinen früheren Stationen auffällt: Er spielt von der ersten bis zur letzten Minute hochtourig, spult im Schnitt elf Kilometer ab. „Kostic, die Pappnase, wie der jetzt nach hinten arbeitet“, wunderte sich der ehemalige Frankfurter und Hamburger Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

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Die Nummer zehn der Eintracht ist zu einem Topspieler gereift. 116 Flanken sind ein Spitzenwert – und seine Sprints unwiderstehlich. Gemeinsam mit seinem Pendant Danny da Costa ist er deutlich höher als die Dreierkette postiert und bildet dank seiner Dynamik das äußerte Druckmittel, um massierte Abwehrreihen wie mit der Kneifzange aufzubrechen. Irgendwann bricht der mürbe Gegner ein, dass sich Freiräume auftun. In der Liga hat Kostic neun Tore vorbereitet und drei erzielt, dazu kommen drei Treffer in der Europa League.

Trainer Hütter schwärmt

Hütter wunderte sich kürzlich, wie wenig Wertschätzung Kostic erfahre. „Er gehört in die oberste Schublade.“ Und dann fügte er ein Lob an, das in Hamburg und Stuttgart wohl nie einem Verantwortlichen über die Lippen gekommen wäre: „Filip ist menschlich top, er ist bescheiden in seinem Auftreten. Er ist mannschaftsdienlich, und auf dem Platz schafft er Fakten. Er ist sensationell.“

Woher kommt das? „Ich brauche eine gute Mannschaft, um mein Spiel zu machen“, sagte Kostic ziemlich früh zu seiner Verwandlung. Bei ihm spielt auch der Wohlfühlfaktor mit: Im US-Trainingslager entstand am Rande einer NBA-Partie in Orlando ein Schnappschuss, der Kostic mit seinen Landsleuten Jovic und Mijat Gacinovic sowie dem kroatischen Vizeweltmeister Ante Rebic zeigte. Die Balkan-Connection ist gut befreundet. Grillabende in Frankfurter Hinterhöfen mit heimischen Spezialitäten gehören zum festen Ritual. Manche bei der Eintracht mögen es halt eher geerdet.

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