Carlos Mané trägt seit 2019 das Trikot des portugiesischen Erstligisten FC Rio Ave. In unserer Bildergalerie erfahren Sie, was aus den anderen VfB-Aufstiegshelden von 2017 geworden ist. Foto: imago/Fábio Poço

Carlos Mané ist 2017 mit dem VfB Stuttgart aufgestiegen, auf Krücken hat er damals mitgefeiert. Jetzt ist der Flügelflitzer wieder topfit und spielt in der portugiesischen Heimat – sein Herz hängt aber noch immer am VfB. Doch wird sein großer Traum nicht in Erfüllung gehen.

Stuttgart - Die Dinge könnten kaum besser laufen für Carlos Mané, weder im Job noch im Privatleben. Während der Stürmer mit dem portugiesischen Erstligisten FC Rio Ave vier Spieltage vor Saisonende überraschend noch Chancen auf eine Europapokalteilnahme besitzt, hat sich rechtzeitig zur Sommerpause die dritte Tochter angekündigt. Das meiste ist schon vorbereitet in der Familienwohnung im beliebten Badeort Povoa de Varzim nördlich von Porto, nur drei Gehminuten vom Strand entfernt. „Mir geht es sehr gut“, sagt Carlos Mané (26).

 

Und trotzdem fehlt ihm noch etwas zum großen Glück, zur Vollendung seines Traumes. Kaum ein Tag vergeht, an dem Mané nicht an den VfB Stuttgart denken würde, jenen Club, mit dem er 2016/2017 in die Bundesliga aufgestiegen ist. Im Eiltempo hatte er sich damals zum Publikumsliebling entwickelt, ehe ihn nach 19 Spielen und sechs Toren eine schwere Knieverletzung jäh stoppte. Die Aufstiegsfeier erlebte der Außenstürmer auf Krücken – trotzdem sagt er noch heute: „Das war die beste Zeit meiner Karriere.“

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Diesmal hat Mané auf dem heimischen Sofa in Portugal mitgejubelt, als der VfB aufs Neue in die Bundesliga zurückgekehrt ist. Fast alle Spiele habe er im Fernsehen gesehen, sagt er und berichtet davon, dass er noch immer täglich viele Nachrichten von VfB-Fans bekomme, die sich nach seinem Befinden erkundigen und fragen, ob er nicht zurückkommt. An Mané („Ich konnte damals nur 19 Spiele bestreiten, meine Geschichte beim VfB ist noch nicht beendet“) würde es nicht scheitern – notfalls würde er zu Fuß nach Stuttgart laufen. Doch dürfte auch er ahnen, dass es ein Traum bleiben wird. Der VfB hat andere Pläne.

Eineinhalb Jahre konnte Mané nach seiner schweren Knieverletzung und einem anschließenden Sehnenriss im Oberschenkel nicht Fußball spielen. Lautlos endete im Sommer 2018 nach zwei Jahren sein Leihvertrag beim VfB. Ein halbes Jahr später wechselte er ein weiteres Mal nach Deutschland, zum damaligen Zweitligisten Union Berlin. Doch traten nach vielversprechendem Auftakt erneut Verletzungsprobleme auf. Auf der Tribüne erlebte der verhinderte Tempodribbler mit, wie in der Relegation sein neuer Arbeitgeber aus Berlin seinen Herzensclub aus Stuttgart zurück in die zweite Liga beförderte – „für mich persönlich ein ganz schwieriger Moment“.

Wie zuvor der VfB verzichtete nun auch Union Berlin darauf, aus dem Leihgeschäft eine feste Verpflichtung zu machen. Mané kehrte erneut nach Portugal zurück, wo er seit Beginn dieser Saison beim FC Rio Ave wieder aufgeblüht ist. Er hat in diesem Jahr nur zwei Spiele verpasst – wegen einer Grippe. „Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt“, sagt Mané, „ich bin wieder so fit wie vor meiner Verletzung beim VfB.“ Ob das reicht, um noch einmal international durchzustarten?

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Bei 15 Millionen Euro lag einst die Kaufoption, die der damalige VfB-Manager Jan Schindelmeiser mit Sporting Lissabon vereinbart hatte. Zu jener Zeit zählte Mané, der sämtliche Juniorennationalteams des portugiesischen Fußballverbands durchlaufen hatte, zu den größten Talenten seines Heimatlandes. Jetzt ist er kein junges Talent mehr und hat eine lange Verletzungshistorie hinter sich – nicht die besten Voraussetzungen, um sich in Corona-Zeiten für einen neuen Club interessant zu machen. Beim Internetportal Transfermarkt.de wird sein Marktwert nur noch auf 1,4 Millionen Euro taxiert.

„Ich bin bereit für das nächste Level, ich würde gerne zurück in die Bundesliga gehen“, sagt Mané – doch würde die Welt nicht untergehen, wenn sich dieser Wunsch nicht erfüllt. Dann bleiben ihm sein aufstrebender Club in Portugal, die immer größer werdende Familie und der Strand in unmittelbarer Nachbarschaft.