Beim VfB 2024 aussortiert, kommt Lilian Egloff in Karlsruhe immer besser in Schwung. Als Profi will sich der 22-Jährige nun im zweiten Anlauf etablieren.
Das Vormittagstraining ist gerade absolviert, da kommt Lilian Egloff frisch geduscht und angenehm duftend in die Katakomben des Stadions am Wildpark, um von seinem Fußballerleben in Karlsruhe zu erzählen. Vor dem Auftritt des KSC an diesem Sonntag (15.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Thüringer Regionalligisten ZFC Meuselwitz sind bereits zwei Spieltage in der zweiten Fußball-Bundesliga absolviert – und der ehemalige Mittelfeldspieler des VfB ist sehr gut aus den Startlöchern gekommen.
„Ich habe dieses Mal die komplette Vorbereitung mitmachen können. Da ist man einfach ein ganz anderer Spieler. Ich fühle mich fit und bin gut drauf“, sagt der 22-Jährige, der gleich zum Saisonauftakt der Karlsruher ein dickes Ausrufezeichen setzen konnte. Denn da gelang Egloff, den sie alle „Li“ rufen, in der Heimpartie gegen Preußen Münster der Siegtreffer zum 3:2.
Dass der offensive Mittelfeldspieler unmittelbar nach seinem Rechtsschuss ins Glück einen Krampf bekam und er daher die Glückwünsche der Kollegen nur im Liegen entgegennehmen konnte, fällt da nicht groß ins Gewicht. „Ich bin hier beim KSC sehr gut integriert. Bin, wenn man so will, zum Mann gereift“, sagt Egloff, der mit dem Team von Cheftrainer Christian Eichner in Partie zwei mit dem 0:0 bei Hertha BSC den ersten Auswärtspunkt holte. „Für mich war es das erste Spiel über 90 Minuten als Profi überhaupt“, erzählt Egloff, der für den VfB 21 Erst- sowie drei Zweitliga-(Teil)Einsätze bestritt: „Das fühlt sich sehr gut an - und macht auch etwas mit dem Selbstbewusstsein.“
In der Kabine ist Egloff bei den Kollegen durchaus als Spaßvogel bekannt. „Ich weiß aber, wann es gut ist – und bin auch keiner, der öffentlich große Töne spuckt“, sagt der Mittelfeldspieler, der bei der TSG Bretzfeld im Raum Heilbronn die ersten fußballerischen Schritte machte, ehe er 2012 mit gerade Mal zehn Jahren ins Internat des VfB Stuttgart einzog.
Bereits da fiel Egloff, dessen Mutter aus der Schweiz und der Vater aus der Türkei stammen, durch sein überdurchschnittliches Talent auf. Von der U11 an durchlief Egloff beim VfB sämtliche Juniorenteams, debütierte im Februar 2020 mit 17 Jahren im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen unter Trainer Pellegrino Matarazzo als bis heute zweitjüngster Spieler bei den Profis – und auch der damalige Vorstandschef Thomas Hitzlsperger lobte das herausragende Talent Egloffs: „Seit ich wieder hier bin, ist er der erste Spieler, bei dem ich denke: Der hat was Besonderes.“
Kein Wunder also, dass ihn der Sportdirektor Sven Mislintat direkt nach seinem 18. Geburtstag mit einem Profivertrag bis 2024 ausstattete. Doch es ging nicht gut los für Lilian Egloff, der seinen Vornamen der französischen Fußball-Legende Lilian Thuram verdankt. Ein Mittelfußbruch im Dezember 2020 bedeutete 290 Tage Pause für den Youngster – und auch danach kennzeichneten diverse Verletzungen den Weg des Ausnahmetalents, den in Stuttgart aber auch der Ruf begleitete, ein zuweilen schlampiges Talent zu sein.
„Mit dem Weggang vom VfB musste ich meine Komfortzone verlassen – das hat mir sehr gut getan“, sagt Egloff, der im Dress mit dem Brustring mit dem inzwischen in Polen bei Gornik Zabrze spielenden Roberto Massimo gut befreundet war. In Richtung Stuttgart, wo es 2024 keinen neuen Vertrag für ihn gab, hegt der 22-Jährige keinen Groll.
Das liegt auch daran, dass sich Egloff abseits des Platzes zu den geerdeten Fußballprofis zählen darf. Mit der Mutter spricht er Schwyzerdütsch – und wann immer es die Zeit zulässt, ist Li Egloff, auf dem Kreisliga-Sportplatz der SGM Bitzfeld-Schwabbach zu finden. Dort spielen sein Bruder und eine Reihe langjähriger Kumpels.
„Ich will mich beim KSC als Stammspieler und gestandener Zweitligaprofi etablieren“, sagt Egloff, der im Badischen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten gehen will. Womöglich schwingen hierbei auch die Erfahrungen aus der Stuttgarter Zeit nach, als das stallinterne Megatalent, das den VfB in der U19 mit zwei Finaltreffern zum Gewinn des deutschen Junioren-Pokals geschossen hatte, die sehr hoch gesteckten Erwartungen unterm Strich nicht erfüllen konnte.
Schließlich ist Lilian Egloff im vergangenen Sommer zunächt ohne Verein dagestanden. Die Zweitligasaison lief bereits, als der Ex-VfBler Anfang September 2024 beim Erzrivalen ablösefrei mit einem Vertrag ausgestattet wurde, dessen Laufzeit bis heute nicht kommuniziert wurde.
Auch Trainer Eichner ist zufrieden
„Ich habe Lilian Egloff immer schon verfolgt und im vergangenen Sommer gab es die Möglichkeit, ihn zu uns zu holen. Er hat verständlicherweise eine gewisse Zeit gebraucht, um bei uns anzukommen“, sagt der Karlsruher Cheftrainer Christian Eichner über den Mittelfeldspieler, der mit 14 Saisoneinsätzen in der Vorsaison erst langsam ins Rollen kam, ehe er am letzten Spieltag mit einem Doppelpack gegen den SC Paderborn erstmals groß auftrumpfte: „Den richtigen Li haben wir dann im zweiten Durchgang gegen Paderborn gesehen - und auch jetzt, seit die Vorbereitung losging. Er ist ein Top-Fußballer, ist läuferisch absolut auf der Höhe und momentan ein sehr wichtiger Spieler bei uns.“
Doch Egloff besitzt auch abseits des Fußballs noch Ziele. An der Seite von Innenverteidiger Marcel Beifus macht er gerade den Angelschein. „Den ersten dicken Fisch, den wir fangen“, sagt der 22-Jährige mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Den bringen wir mit in die Kabine. Das haben wir der Mannschaft fest versprochen.“