Ex-Skispringer Sven Hannawald „Andreas Wellinger schreibt seine eigene Geschichte“

Von Jochen Klingovsky 

Sven Hannawald spricht über über seine Karriere, die Landung im Leben und die WM-Erfolge. Foto: Baumann
Sven Hannawald spricht über über seine Karriere, die Landung im Leben und die WM-Erfolge. Foto: Baumann

Interview an ungewöhnlichem Ort: Sven Hannawald spricht auf der Großschanze in Lahti über den Antrieb eines Skispringers und seine Nachfolger. „Nur cool zu sein“, sagt der Olympiasieger, „das funktioniert nicht.

Lahti -

Lahti - Herr Hannawald, wir stehen genau an der Stelle, an der Sie bei der WM 2001 losgefahren und zu Mannschaftsgold gesprungen sind. Eine schöne Erinnerung?
Natürlich. Es war ein tolles Erlebnis. Einen Titel mit dem Team zu gewinnen ist immer ein Genuss – weil sich danach vier Leute freuen. Da entwickelt sich eine Gruppen­dynamik, die alles noch emotionaler macht.
Und farbenfroher.
(Lacht) Stimmt. Wir Springer und die Trainer haben sich die Haare damals in den Ampelfarben gefärbt. Das sah grauslig aus. Es war aber auch ein Zeichen dafür, was wir für ein verschworener Haufen waren.
Trotz der Alphatiere Martin Schmitt und Sven Hannawald?
Wir wussten beide, dass es nichts bringt, unsere Egos auszuleben. Skispringen ist ein Einzelsport, aber ein Einzelner kann immer nur dann etwas gewinnen, wenn das Leben in der Mannschaft funktioniert.
Und nun arbeiten sie wieder in einem Team. . .
. . . und das klappt sehr gut. Wir telefonieren zwar nicht ständig miteinander, aber wir verstehen uns super. Und wir versuchen jetzt, beim TV-Sender Eurosport unsere ­beste Leistung zu zeigen.
Was geht einem Skispringer durch den Kopf, wenn er auf dem Balken sitzt?
Gerade frage ich mich, was ich da früher eigentlich Verrücktes gemacht habe.
Und als Sie noch als Athlet hier oben saßen?
Habe ich gehofft, dass es ein weiter Sprung wird, den ich genießen kann.
Was macht diesen Genuss aus?
Was die Intensität der Gefühle betrifft, kenne ich keinen Sport, der ans Skispringen heranreicht. Man spürt diesen Kitzel, weil man weiß, dass es gefährlich ist. Andererseits ­­ver- sucht man, mit seinem Körper, seinem Wesen, seinem Tun so weit wie möglich zu fliegen – ohne Motor, ohne technische Hilfsmittel. Ein Skispringer will etwas beherrschen, wofür der Mensch nicht geschaffen ist.

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