Fredi Bobic (links) spricht beim Besuch in unserer Redaktion über das Stuttgarter Sturm-Trio mit Ermedin Demirovic, Deniz Undav und Nick Woltemade (rechts) – und schwärmt dabei vor allem von einem der dreien. Foto: StZN/Baumann

Der frühere VfB-Stürmer blickt auf seine Nachfolger im Stuttgarter Angriff – und würde sich eine Variante wünschen, die schon bei Eintracht Frankfurt gut funktioniert hat.

Im Olympiastadion wird Fredi Bobic nicht dabei sein, wenn der VfB Stuttgart an diesem Samstag (20 Uhr) gegen Arminia Bielefeld um den DFB-Pokal spielt. Nicht, dass es an einer Einladung gefehlt hätte – im Gegenteil, sein Ex-Club aus Bad Cannstatt hätte ihn sehr gerne dabei gehabt. Aber: Die Pflicht ruft. Seit Kurzem ist Bobic als Fußballchef beim polnischen Traditionsclub Legia Warschau tätig, der am Wochenende nahezu zeitgleich am letzten Spieltag den Absteiger Stal Mielec empfängt.

 

Kurz davor war aber noch Zeit für einen Abstecher ins Berliner Büro unserer Redaktion für einen Livestream, wo sich im Gespräch mit Dirk Preiß von unserem MeinVfB-Team schnell zeigte: Bobic verfolgt den Weg des VfB weiter aufmerksam – und hat dabei vor allem seine Nachfolger im Angriff im Blick. „Bei Offensivspielern schaue ich natürlich genauer hin“, betont der 53-Jährige, der in Stuttgart einst im Verbund mit Krassimir Balakov und Giovane Elber als magisches Dreieck für Furore sorgte.

Fredi Bobic im Gespräch mit Dirk Preiß, Sportchef von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Foto: red

Nun stehen wieder drei Angreifer im Fokus. Ermedin Demirovic, Deniz Undav und Nick Woltemade präsentieren sich seit Wochen treffsicher und wechseln sich mit dem Toreschießen ab. Bobic schaut ihnen gerne zu: „Ich mag alle drei Spieler, weil sie komplett unterschiedlich sind.“ Undav habe noch den Straßenfußballer in sich, Woltemade sei technisch richtig stark und dazu noch ein guter Typ. Demirovic hat es ihm aber am meisten angetan: „Den hätte ich am liebsten überall hin geholt. Ich mag solche Spieler, die hart arbeiten und sich durchsetzen können, die sich nicht wegen jedem kleinen Kontakt hinwerfen. Der hat Biss.“

Alle drei Stürmer zusammen standen bislang aber fast nie auf dem Feld – die zweite Hälfte gegen den 1. FC Heidenheim (0:1) mal ausgenommen, als Trainer Sebastian Hoeneß voll auf Offensive setzte. Ansonsten heißt das Motto für den Chefcoach seit Wochen: zwei aus drei. Zugleich hat Hoeneß nicht grundsätzlich ausgeschlossen, auch mal mit allen dreien von Beginn an zu spielen. Bobic würde das gefallen: „Das wäre mal wichtig und könnte auch beim VfB sehr gut passen, weil die drei sehr unterschiedliche Spielertypen sind.“ Seine Idee: Demirovic und Woltemade in vorderster Linie, Undav etwas tiefer dahinter.

Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic – die Frankfurter Büffel

Dass sich drei Angreifer auf einmal nicht zwangsläufig auf den Füßen stehen, kann Bobic aus eigener Erfahrung bestätigen. In seiner Zeit als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt machte zwar kein filigranes Offensiv-Dreieck von sich reden – aber ein bulliges Trio, schnell bekannt als Büffel-Herde. Die Protagonisten: Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic.

Bobic erinnert sich noch genau, als der damalige Frankfurter Trainer Adi Hütter die drei zum ersten Mal gemeinsam aufs Feld schickte. Im November 2018, an einem kalten Freitagabend, im Auswärtsspiel beim VfB. Die Eintracht gewann 3:0, fortan war das Erfolgsmodell gesetzt. „Endlich hat Adi Hütter die drei mal losgelassen. Ich fand das richtig gut“, sagt Bobic, „wenn du die Waffen hast, dann setze sie ein.“

Dass der VfB nun im Pokalfinale mit einem Sturm-Trio startet, hält Bobic aber für unwahrscheinlich: „Ich glaube nicht, dass da alle drei auf einmal spielen. Da solltest du dir was in der Hinterhand halten.“ Mit einem offenen Schlagabtausch rechnet er jedenfalls nicht: Bielefeld habe es im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen geschafft, Tempo rauszunehmen und dem Gegner das eigene Spiel mit langen Bällen aufzuzwingen. „Das darf nicht passieren“, sagt Bobic – und ist positiv gestimmt, dass der VfB das auch hinbekommt.

Sein Ergebnistipp: ein 2:0, womit sich das Resultat des Stuttgarter Pokalsiegs von 1997 mit dem Magischen Dreieck gegen Energie Cottbus wiederholen würde. Ob es auch wirklich so kommt? Fredi Bobic wird es aus der Ferne in Warschau genau verfolgen.